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Licht und Leben am Ende des Tunnels

Amphibienwanderung auf der K 59 Licht und Leben am Ende des Tunnels

In der letzten Ortsbeiratssitzung in der zu Ende gehenden Legislaturperiode wird in Roth nicht nur Rückschau gehalten, sondern auch noch ein mögliches Zukunftsprojekt diskutiert.

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Damit so etwas wie auf diesem glücklicherweise nur gestellten Foto nicht mehr auf der Kreisstraße 59 passiert, schlägt Roths Ortsbeiratsmitglied Siegfried Koch den Bau eines Amphibientunnels vor.

Quelle: Archiv

Roth. 2014 wurde die Kreisstraße 59 zwischen den Weimarer Ortsteilen Roth und Niederwalgern ab März erstmals für einige Wochen über die Nachtstunden für den Verkehr gesperrt. Keineswegs, um Lärm zu reduzieren. Sondern, um so Amphibien, die sich zu dieser Jahreszeit zu ihren Laichplätzen begeben, eine sichere Straßenüberquerung zu ermöglichen.

Für die Bedienung der mobilen Schranken stellte die Nabu-Ortsgruppe Fronhausen das nötige ehrenamtlich tätige Personal. Auch 2015 hieß es erneut freie Überquerung für frei lebende Amphibien. Und daran wird sich auch dieses Jahr nichts ändern. Die Sperrung ist wieder vorgesehen, informiert Stephan Schienbein, Sprecher des Landkreises Marburg-Biedenkopf, wo die Untere Naturschutzbehörde ihre Arbeitsstätte hat.

Nun, im dritten Jahr des erfolgreichen Projekts zur Lebensrettung vieler Amphibien, regt sich in Roth Widerstand gegen eine nächtliche Straßensperrung.

Wie jetzt? Hat man dort kein Herz für Amphibien? - Oh doch, ein ganz großes sogar. Und deshalb denkt man sogar noch einen Schritt weiter. Es geht nämlich um eine Dauerlösung zum Wohle der Amphibien, die etwa zu früh oder verspätet oder einfach nur zur falschen Tageszeit unterwegs sind: Es geht um den Bau eines Amphibientunnels.

Siegfried Koch, Mitglied des Ortsbeirats und Mitglied der SPD-Fraktion im Weimarer Parlament, will dieses Thema am 18. Februar in der Ortsbeiratssitzung (ab 19.30 Uhr im kleinen Saal des Bürgerhauses) per Antrag zur Diskussion stellen. Er weist dabei auf einen doppelten Nutzen hin.

Landkreis ist gesprächsbereit

Nicht nur die Amphibien werden gerettet, für die Menschen wäre dann auch wieder die schnellste Verbindung nach Niederwalgern, insbesondere zum dortigen Bahnhof, durchgängig frei. Natürlich weiß Koch, dass ein Amphibientunnel samt Leiteinrichtungen, damit die Tierchen den Tunnel auch finden, nicht zum Nulltarif zu haben ist. Deshalb bringt er auch gleich einen Finanzierungsvorschlag mit ein.

So heißt es in seinem Antrag: „Die Finanzierung der Maßnahme könnte als naturschutzrechtliche Kompensation von der Gemeinde Weimar für das Baugebiet Roter Weg (in Niederweimar) oder von Hessen Mobil durchgeführt werden. Dabei wird die Investition in Ökopunkte umgerechnet, die sonst in flächenhafte Kompensationsmaßnahmen fließen müssten. So kann Individuen- und Artenschutz mit Ausgleichverpflichtungen verknüpft werden, anstatt wertvolle Ackerflächen der Landwirtschaft zu entziehen.“

Konkret geht es Koch um den Einbau von Leiteinrichtungen und Amphibientunnel auf der wesentlichen Wanderroute auf rund 150 Meter Straßenlänge. Mit im Boot müsste dann aber auch der Weimarer Gemeindevorstand sein, der dieses Projekt offiziell bei der Unteren Naturschutzbehörde als „Ökokontomaßnahme“ anmeldet, etwa im Vorgriff auf den Kompensationsbedarf für den Bebauungsplan Roter Weg 2. So weit die Idee von Siegfried Koch.

Stephan Schienbein vom Landkreis signalisierte jedenfalls schon mal Gesprächsbereitschaft. „Ein Tunnel ist grundsätzlich eine tolle Lösung, über die man jederzeit sprechen kann“, sagt er gegenüber der OP. Und ein Tunnel ist keine Idee fern von dieser Welt oder dieses Landkreises. So erhält beispielsweise die Verbindungsstraße zwischen Wetter und Sterzhausen, die schon über viele Jahre im Frühjahr nachts wegen der Amphibienwanderung gesperrt wurde, im Zuge des Baus der B-252-Ortsumgehung einen Amphibientunnel.

von Götz Schaub

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