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Laufen, musizieren und spenden

Sponsorenlauf für Peru Laufen, musizieren und spenden

Alle zwei Jahre veranstaltet die Gesamtschule Niederwalgern (GSN) einen Spendenlauf mit allen Schülern. Damit unterstützen sie ein Sozialprojekt in Peru.

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Auf die Plätze, fertig, los: Die Schüler der Jahrgangsstufen fünf und sechs der Gesamtschule Niederwalgern starten beim Sponsorenlauf.

Quelle: Ingrid Lang

Niederwalgern. Bei spätsommerlichem Wetter starteten 400 Teilnehmer beim Sponsorenlauf auf dem ein Kilometer langen Rundparcour. Mit dabei auch einige Lehrer sowie der Personalrat der Schule. Die Schüler hatten sich zuvor Sponsoren für jede Runde gesucht, denn sie wollen auch weiterhin die Sozialarbeit in der Gemeinde San Nicolas de Tolentino in einem Viertel von Chosica, einer Stadt in der Nähe von Lima, unterstützen.

Beim Fun-Run-Sponsorenlauf drehten die Schüler der Jahrgangsstufe fünf und sechs fleißig ihre Runden. Dabei mussten sie ihre Laufkarte, die sie vorher erhalten hatten, abstempeln lassen. Freiwillig teilnehmen konnten außerdem die Schüler ab der Jahrgangsstufe sieben.

Seit 1994 unterstützt die Gesamtschule mit ehrenamtlichen Helfern aus Deutschland verschiedene Projekte in Chosica. Der Ort des Projektes liegt etwa 50 Kilometer östlich von der peruanischen Hauptstadt Lima am Rio Rimac, am Rande der Anden. Die ärmsten Menschen leben in instabilen Hütten, die aus pflanzlichem Material oder Holz gebaut sind, nur an den steinigen und staubigen Hängen ohne funktionierende Infrastruktur. Es gibt kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, keine Müllabfuhr, keine Toiletten, nur selten Strom und auch keine geregelte Gesundheitsversorgung.

Die Stadt Chosica zählt 120.000 Einwohner und liegt an der steinigen Küstenwüste Perus. Die Elendsviertel sind geprägt von Arbeitslosigkeit, Hunger, fehlender Bildung und Gewalt. Über die Hälfte der Familien besteht aus alleinerziehenden Müttern. Oft kommt es vor, dass die Kleinkinder unzureichend versorgt sind, da die Eltern irgendwelchen Gelegenheitsjobs nachgehen. Wer dort aufwächst so berichtet die ehemalige Lehrerin an der GSN, Gudrun Werding (Foto: Ingrid Lang), der hat nur geringe Chancen auf eine bessere Zukunft. Werding kümmert sich jedes Jahr direkt vor Ort um die Menschen, das Sozialprojekt und freut sich auf jegliche Unterstützung. Auch ehemalige Schülerinnen fungieren als Praktikanten und unterstützen die Kindergärtnerinnen.

Die Gesamtschule möchte jedes Jahr etwa 12.000 Euro aufbringen, um damit die Sozialprojekte weiterhin zu verwirklichen. Feste monatliche Kosten in Höhe von 1400 Euro, entstehen für die zwei Kindergärtnerinnen, die beiden Hilfskräfte sowie für  die drei Köchinnen, den Gärtner und notwendige Reparaturen. Weitere Kosten der Projekte werden aus Einzelspenden finanziert.     

Das größte Spendenaufkommen erwirtschaften dabei die Schüler während dem Sponsorenlauf. Seit 2012 gibt es zudem die Aktion für die Klassen acht bis zehn mit „Spende deine Hände“. Dabei können die Schüler einen Tag lang in einem Betrieb tätig werden, ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen und werden dafür entlohnt.

Die Schüler gestalten außerdem an zwei Tagen ein musikalisch kulturelles Programm, bei dem ebenfalls Spenden zusammenkommen. Zudem gibt es Einzelaktionen: In diesem Jahr spielten drei Schülerinnen zum Beispiel als Straßenmusiker in Marburg, um weitere Spenden für das Sozialprojekt zu sammeln.

Landkreis spendet 20 Computer für Schüler

Eine Spende kam zum Beispiel vom Landkreis, der zum Jahresende 20 ausrangierte Computer mit Zubehör für das Colegio Manual Gonzales in Quirio beisteuerte sowie an eine Firma aus Hamburg, die den Container für den Transport kostenlos zur Verfügung stellten. Die Computer, so Werding, werden bereits fleißig genutzt. Seit 2014/2015 wirkt das Gymnasium Philippinum gemeinsam mit der GSN bei dem Sozialprojekt mit, ebenso wie die  Käthe-Kollwitz-Schule, die sich mit Einzelaktionen engagiert.

Den Kontakt für das Projekt  hat ein Lehrer, der an der GSN wirkte und zuvor etliche Jahre an der Deutschen Schule Beata Imelda in der Nähe von Chosica tätig war, hergestellt. Dort lernte er den Pfarrer kennen und erhielt für den Bau einer Kirche Spenden aus einer Gemeinde in Süddeutschland. Seit vielen Jahren koordiniert Patricia Guainazza Lopez, ein aktives Gemeindemitglied, die Arbeit vor Ort.

Zudem arbeitet mit Werding eine ehemalige Lehrerin der GSN jedes Jahr für zwei Monate im Ort an den Projekten. So konnte mit Unterstützung der GSN bereits in 2003 eine Kinderbetreuungsstelle gebaut und eingeweiht werden.
In diesem Haus werden 50 Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren von ausgebildeten Kindergärtnerinnen betreut. Die Kinder werden gefördert und erhalten die notwendige Aufmerksamkeit. „Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft“, betont Werding. Während die Kinder betreut werden, können die Mütter einer Tätigkeit nachgehen und damit für den nötigen Unterhalt der Familie sorgen.

Neuer Kinderhort und ein Speisesaal mit Küche

Zum ersten Mal haben die Kinder bei der Einweihung des Kinderhortes „Santa Monica“ grünen Rasen gesehen, von dem sie hellauf begeistert waren. Ende Oktober 2002  wurde der Comedor (Speisesaal mit Küche) eingeweiht. Dort werden täglich bis zu 100 Menschen mit günstigem und reichhaltigem Essen versorgt. Für viele von ihnen ist das die einzige Mahlzeit an einem Tag.

Die GSN sorgt außerdem für soziale Unterstützung und zwar dort, wo die Not am größten  ist. Zum Beispiel beim Bau von Hütten, dem Kauf von stabilen Dachlatten oder bei der Verstärkung der Mauern, um diese an den Hängen vor Regen und Erdrutschen zu schützen. Aber auch Arztkosten und Medikamente, die dringend benötigt, aber nicht bezahlt werden können. Zudem gibt es Unterstützung beim Kauf von Betten und Matratzen, Kochgelegenheiten, einfachen Möbeln, Brillen oder Gehhilfen.

von Ingrid Lang

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