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„Landgraf“ hat einen schlechten Tag

Weimarer-Kaninhop-Open „Landgraf“ hat einen schlechten Tag

Kaninchen, die für die Zucht zu alt sind, können im Kaninhop noch glänzen. Größe oder Alter sagen in dieser Sportart nichts über den Erfolg aus.

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Nach dem Turnier, ohne Leine, hopst Sandra Pionteks Kaninchen „Landgraf“ ohne Probleme über jedes Hindernis.

Quelle: Freya Altmüller

Niederweimar. Landgraf ist ein Kaninhopper. Ein Kaninchen, das über Hindernisse hopst. Für das Turnier in Niederweimar ist er aus Harleshausen bei Kassel angereist. Im zweiten Weimarer Open soll er in der schweren Klasse der Kategorie „Gerade Bahn“ sein Können beweisen. Zwölf Hindernisse, in weniger als drei Minuten, bis zu 40 Zentimeter hoch und 55 Zentimeter weit springen und dabei möglichst keine Latten mitnehmen – so lautet seine Aufgabenstellung.

„Wenn du bereit bist, kann es losgehen“, sagt Schiedsrichterin Laura Schneider zu Sandra Piontek, der Besitzerin des Kaninchens. Landgraf nimmt das erste Hindernis und springt gegen das zweite. Alle Latten fallen herunter. „Oh“, rufen die Kinder, die am Rand der Bahn sitzen und zuschauen. Weil Regen angekündigt ist, muss die „Gerade Bahn“ hufeisenförmig verlaufen. Der Kaninchenzüchterverein Niederweimar, der das Turnier ausrichtet, hat die Veranstaltung in die Halle seines Heims verlegt.

Mehr als 50 Kaninhopper nehmen teil

In der schweren Klasse treten nur fünf Kaninchen gegeneinander an, die übrigen 47 warten in Käfigen auf ihren nächsten Auftritt. Am zweiten Turniertag finden in den drei Klassen von leicht bis schwer die Wettkämpfe in der Disziplin „Parcours“ statt – ähnlich dem Springreiten. Die 17 Teilnehmer sind zwischen acht und 23 Jahre alt.

Wer sein Kaninchen zum Kaninhopper ausbilden möchte, beginnt mit fünf Zentimeter hohen Stangen. Wenn das Tier nicht von selbst hoppelt, wird es mit einem Leckerli über das Hindernis gelockt oder im Notfall darüber gehoben – damit es die Richtung kennt. Wenn die Herausforderung gemeistert ist, wird höher gebaut.

„Der Tierschutz steht ganz weit oben“

„Was das Kaninchen macht, macht es freiwillig“, sagt der Vorsitzende des Niederweimarer Vereins Heiko Findt. „Der Tierschutz steht ganz weit oben.“ Vielleicht sind die erfolgreichsten Kaninchen deshalb die, die gerne hopsen. Landgraf hingegen, als deutscher Vizemeister eigentlich ein Siegertyp, hat einen schlechten Tag. „Er hätte sich besser einspringen müssen“, meint Besitzerin Sandra Piontek. Drei zu niedrige Hindernisse mit zu wenig Abstand auf der Übungsstrecke waren für Landgraf nicht das Richtige. Drei Minuten und zwei Sekunden braucht das schwarze Kaninchen für den Parcours. Zwei Sekunden zu viel – Landgraf wird disqualifiziert wegen Zeitüberschreitung.

Macht nichts, denn Sandra Piontek hat noch drei weitere Kaninhopper am Start. Dann ist Thunderheart dran. Er nimmt die ersten fünf Hindernisse mit Leichtigkeit, das sechste berührt er und am siebten stoppt ihn ein spannender Geruch. Der Rammler schnüffelt, während Besitzerin Sandra Piontek ihn mit sanftem Schubsen versucht, zum Hopsen zu animieren. Schließlich sagt sie: „Schluss jetzt!“ Thunderheart hat verstanden und springt weiter.

„Thunderheart“ holt Sieg in der schweren Klasse

Die Schiedsrichter Heiko Findt und Laura Schneider machen sich Notizen. Im zweiten Durchlauf nehmen sie die Zeit. Anschubsen gilt als Korrektur, ab drei Mal gibt es einen Fehlerpunkt. Thunderheart springt langsam, aber gut. Mit 102 Sekunden und nur vier Fehlern wird er am Ende der Sieger des Turniers sein. Platz eins in der schweren Klasse.

Die Jugendlichen des KZV Niederweimar trainieren mit ihren Kaninhoppern alle zwei Wochen den Hindernislauf. Kaninhop ist für den Niederweimarer Kaninchenzüchterverein (KZV) Teil der Jugendarbeit. Neben der deutschen Meisterschaft und der Europameisterschaft gibt es offene Turniere wie das in Niederweimar, welches das einzige in dieser Art in Hessen ist. „Neue Wege“ gehe der Verein mit dem Kaninhop, das belebe den Sport, sagt Bürgermeister Peter Eidam. Hans-Jürgen Brede, Ehrenvorsitzender des Kreisverbands der Rassekaninchenzüchter, war hingegen zunächst skeptisch. Heute jedoch ist er der Schirmherr des zweiten Weimarer Open und davon begeistert.

Siegerehrung: Pokale für die ersten drei Plätze

Der Tag endet mit der Siegerehrung. Für die ersten drei Plätze gibt es Pokale, für die anderen Einstreu, Leinen und Urkunden. In der leichten Klasse belegt Paula Schneider aus Niederweimar mit Arthur und Beryll den ersten und zweiten Platz. Platz drei geht an Vereinskollegin Celina Zoe Findt mit Rocky.

Auch in der mittelschweren Klasse belegt Paula Schneider die beiden ersten Plätze mit Opal und Simba. Ihr Erfolgsgeheimnis: doppelt so oft üben wie die anderen. Platz drei belegt Sandra Piontek mit dem achteinhalb Jahre alten Kaninchen Finn, das sie danach in Rente schicken will.

Auch die ersten beiden Plätze in der schweren Klasse gehen an ihre Kaninchen, neben Thunderheart an PS Black Lake’s Diamond. Platz drei belegt Tamara Werner aus Weitramsdorf mit Lennow.

von Freya Altmüller

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