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Land greift Waldbauern tief in die Tasche

Erhöhung um bis zu 400 Prozent Land greift Waldbauern tief in die Tasche

Steigende Beförsterungskosten sorgen unter heimischen Waldbauern für Unmut. Deutlich wurde das bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Marburg-Kirchhain.

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Meterholz am Wegesrand wartet auf die Abholung. Für die Beförsterung verlangt das Land über seinen Betrieb Hessen-Forst einen deutlich erhöhten Beitrag von Privatwaldbesitzern.

Quelle: Frank May

Wittelsberg. Eine moderate Erhöhung der Beförsterungskosten sei wohl „nicht von der Hand zu weisen“, sagte FBG-Vorsitzender Thomas Groll. Den jüngst eingeschlagenen Weg Hessens hält er für „völlig falsch“. Groll ist zugleich Bürgermeister von Neustadt - und er hat Verständnis dafür, dass sich für die hessische Landesregierung durch den per Volksabstimmung gefassten Beschluss zur Schuldenbremse Sachzwänge in Bezug auf Einnahmen ergeben. Allerdings seien Erhöhungen der Beförsterungskosten von bis zu 400 Prozent „eindeutig zu hoch“.

Seine Kritik an den Plänen der Landesregierung hat Groll bereits in einem Schreiben an die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) zum Ausdruck gebracht. Er weist darin auf die Aufgaben hin, die insbesondere private Waldbesitzer für die Gesellschaft erfüllten: darunter der Erhalt der Kulturlandschaft und die Gewährleistung der Schutzfunktionen des Waldes. Ebenso leisteten Waldbesitzer einen Beitrag zur Energiewende; sie stellten ihre Wälder als Lernorte für Kindergarten und Schulen zur Verfügung sowie für Freizeitnutzung durch die Bevölkerung. Und sie versorgten die Industrie mit dem „derzeit knappen, nachwachsenden Rohstoff Holz“. Dies sei ein Beitrag zur regionalen Wertschöpfung.

Land führt als Grund das Neuverschuldungsverbot an

„In Kenntnis der Notwendigkeiten sprechen wir uns für eine schrittweise Anhebung der Beförsterungskosten aus“, teilt Groll in dem Schreiben mit. Ähnlich sei seinerzeit beim Kommunalwald verfahren worden. Aber auch bei einer schrittweisen Anhebung dürfe die Kostensteigerung nicht so dramatisch ausfallen wie bislang geplant. Groll begrüßt, dass die Landesregierung „nach einer Vielzahl von Protesten“ inzwischen gemeinsam mit den Betroffenen über Lösungen nachdenke. Was hat es mit der Erhöhung der Beförsterungskosten auf sich? Hintergrund sind ein neues Hessisches Waldgesetz und eine neue Privatwald-Verordnung.

Der Landesbetrieb Hessen-Forst begründet die neue Entgeltregelung mit dem ab 2020 greifenden Neuverschuldungsverbot. Die bisherige Beitragsregelung sei seit 2007 nicht mehr angepasst worden, teilte Annette Zitzer, Sprecherin des Hessischen Umweltministeriums, auf Anfrage der OP mit. „Die jetzt zur Diskussion stehenden Kostenbeiträge sehen auch in Zukunft vor, dass insbesondere Kleinprivatwaldbesitzer ein attraktives und preiswertes Betreuungsangebot von Hessen-Forst erhalten.“ So werde für Leistungen von Hessen-Forst, die im betreuten Privatwald dem Gemeinwohl zugerechnet werden können, kein Kostenbeitrag erhoben. Dazu zählten beispielsweise die „Sicherung der Erholungsfunktion einschließlich der Verkehrssicherung“, Biotop- und Artenschutz sowie Mitwirkung bei der Forstbetriebsplanung.

"Beitrag angemessen und zumutbar"

Weiterhin sei vorgesehen, dass kleinere private Forstbetriebe bis zu einer Größe von 30 Hektar für Leistungen, „die außerhalb von Holzeinschlagsmaßnahmen liegen“ - beispielsweise Pflanzungen und Pflege junger Baumbestände - ebenfalls keinen Kostenbeitrag entrichten müssten. In Sachen Holzernte und Unterstützung der Holzvermarktung sehe der neue Entwurf allerdings einen „angemessenen Kostenbeitrag“ vor, so die Ministeriumssprecherin. Dieser bewege sich „voraussichtlich in einer Größenordnung von fünf bis zehn Euro pro Festmeter“. Annette Zitzer: Dieser Beitrag wird für angemessen und auch für zumutbar gehalten, denn die Planung und Umsetzung der Holzerntearbeiten erzeugt bei den Revierförstereien und bei den Forstämtern einen beachtlichen Aufwand, der aber auch sein Geld wert ist.“ Private Waldbesitzer erzielten zurzeit im Durchschnitt aller Sortimente einen Verkaufserlös von 60 Euro pro Festmeter. Der genannte Kostenbeitrag erscheine angesichts der umfangreichen Hessen-Forst-Leistungen angemessen. Maßgeblich für die zukünftige Bemessung der Beförsterungskostenbeiträge sei, dass der Aufwand, der dem Landesbetrieb bei der Betreuung von Privatwald entstehe, zu 50 Prozent gedeckt werde - was bei einem Aufwand von sieben Millionen Euro einen Kostenbeitrag von 3,5 Millionen ergebe.

Lutz Hofheinz, Leiter des Forstamts Kirchhain, konstatierte eine Preisentwicklung auf hohem Niveau. „Wir befinden uns in einer guten Situation, die Rahmenbedingungen für Waldbewirtschaftung stimmen.“ Die Waldpflege sei auch in schwierigen topografischen Lagen organisierbar, Holzeinschlag und Verkauf hätten zuletzt auf einem „leicht überdurchschnittlichen“ Niveau gelegen.

Die FBG Marburg-Kirchhain besteht aus neun kommunalen und 70 privaten Waldbesitzern. Die Waldfläche beträgt 11430 Hektar, die Waldbetreuung übernimmt größtenteils der Landesbetrieb Hessen-Forst.

von Björn-Uwe Klein

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