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Kostenfresser Strom Einhalt geboten

Kläranlage Hachborn Kostenfresser Strom Einhalt geboten

Kommunale Kläranlagen verbrauchen in Deutschland über 4,4 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr und sind damit der größte kommunale Stromverbraucher - noch vor den Schulen.

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Dieses Becken der Kläranlage Hachborn, über dem Bürgermeister Andreas Schulz (links) und Fachdienstleiter Harald Bausch stehen, ist nach den Umrüstungsarbeiten überflüssig geworden. Dort wächst nun ein Biotop heran.

Quelle: Götz Schaub

Ebsdorfergrund. „Ja, wenn man über Energiesparen nachdenkt, kommen einem sofort Straßenlampen und Bürgerhäuser in den Sinn, nicht aber Abwasseranlagen“, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. Doch hat er zur Kenntnis genommen, dass gerade dort ein gewaltiges Einsparpotential zu erzielen ist und entsprechend reagiert. Das Ergebnis, und das wird die Einwohner der Gemeinde sicher sehr freuen, ist ein deutlich verbessertes und soll direkt an die Verbraucher weitergegeben werden. Zum Jahresende wurde die Kläranlage Hachborn technisch umgerüstet. Zudem wurden diverse Arbeitsvorgänge überprüft und den aktuellen Begebenheiten angepasst.

Die bereits feststehenden Verbrauchszahlen für die Monate Januar bis Mai 2015 weisen einen Durchschnittsverbrauch von 18540 Kilowattstunden an Strom pro Monat aus. In den selben Monaten des Vorjahres waren es noch satte 30210 Kilowattstunden. Das bedeutet „eine erhebliche Einsparung an Energie und damit auch an Kosten“, sagt Harald Bausch, Fachdienstleiter des Fachbereichs 3 Bauen, Planen, Umwelt und Energie der Gemeinde Ebsdorfergrund. Schulz und Bausch rechnen mit einer monatlichen Ersparnis von 2620 Euro. Aufs Jahr hochgerechnet sind das mehr als 31000 Euro. „Und dieses Ergebnis basiert auf den Verbrauchswerten der ersten fünf Monate. Da wir im April noch zusätzlich ein effizienteres Gebläse in Betrieb genommen haben, erscheint eine Energieeinsparung von rund 40 Prozent durchaus realistisch“, freut sich Schulz. Und als sei das nicht schon ein ausreichender großer Erfolg, wartet der Bürgermeister mit einer weiteren Überraschung auf: Die Gesamtkosten der Umrüstung inklusive Ingenieurskosten betrugen 138468 Euro.

Bürger sollen 0,30 Euro pro Kubikmeter Wasser sparen

Davon verblieben gerade mal 32000 Euro als Eigenmittel von der Gemeinde. Der Rest wird über Förderungen des Landes Hessen und Erstattungen aus der Abwasserabgabe finanziert. „Das heißt der Amortisationszeitraum für unsere Investition beträgt gerade mal ein Jahr“, sagt Schulz. Deshalb will er schon zum Start 2016 die Gebühren für Schmutzwasser um mindestens 0,30 Euro pro Kubikmeter senken.

Die Stadt Kirchhain freute sich 2014 nach der Auflösung eines Sanierungsstaus bei der Kanalsanierung, so der dortige Bürgermeister Jochen Kirchner, über eine Absenkung der Schmutzwasser-Gebühren um acht Cent pro Kubikmeter von 3,81 auf 3,73 Euro. Die Bürger der Gemeinde Ebsdorfergrund können ab 2016 mit einer Gebühr rechnen, die dann 3,07 Euro betragen wird, vielleicht gar noch weniger. Der Erfolg geht auf eine Info-Veranstaltung zurück, die das Land Hessen 2011 auf Einladung der Gemeinde in Beltershausen für alle interessierten Abwasser-Anlagenbetreiber veranstaltete. „Es hat sich für uns gelohnt, und wie“, sagt Schulz. Und weiter: „Manchmal muss man Geld in die Hand nehmen und investieren, um dann Geld sparen zu können.“ Und die Umbauarbeiten waren auch keine große Zauberei, ergänzt Bausch. Schon der simple Einbau einer Zeitschaltuhr, mit der auf veränderte Begebenheiten reagiert werden kann, zeigte Wirkung. „Der demografische Wandel ist auch hier zu spüren. Die Anlagen wurden eigentlich so gebaut, dass sie einem Zuwachs standhalten. Real kommt man aber jetzt mit weniger Aufwand aus und kann bestimmte Arbeitsvorgänge zeitlich beschränken“, sagt der Bürgermeister.

von Götz Schaub

Hintergrund
Die Gemeinde Ebsdorfergrund hat ihre insgesamt vier Abwasseranlagen in eigener Hand. Andere Kommunen im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben ihre Anlagen einem gemeinsam gegründeten Zweckverband übergeben. Dem Zweckverband Mittelhessische Abwasserwerke (ZMA) mit Sitz in Gießen gehören die Kommunen Fronhausen, Gladenbach, Lahntal, Münchhausen, Neustadt, Rauschenberg und Wetter an. Laut Wirtschaftsplan 2014 zahlen die Bürger dieser Kommunen je Kubikmeter Frischwasserverbrauch bei zentraler Abwasserreinigung zwischen 3,73 Euro (Lahntal) und 4,62 Euro (Fronhausen). Die Niederschlagswassergebühr beträgt bei jeder dieser Kommunen je Quadratmeter abflusswirksamer bebauter und künstlich befestigter Grundstücksfläche 0,51 Euro. In der Gemeinde Ebsdorfergrund liegen derzeit die Gebühren bei 3,37 Euro für den Verbrauch von Frischwasser und 0,50 Euro beim Niederschlagswasser. Sollte die Gebühr für die Reinigung von Frischwasser wie angekündigt um 0,30 Euro gesenkt werden, zahlen Bürger im Grund bereits 1,55 Euro pro Kubikmeter weniger als Bürger der Nachbargemeinde Fronhausen.
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