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Kleiner Ort mit großem Fest

875-Jahrfeier Kleiner Ort mit großem Fest

Mit einem großen Dorffest und buntem Programm auf den historisch gewachsenen Höfen feiert das kleine Kehna am 30. und 31. Mai die 875 Jahre alte Geschichte des Ortes mit einem bunten Fest.

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Marlene Keil (von links), Michael Gehrke, Gabriele Scholtes, Wilfried Nickel, Ortsvorsteher Günter Schömann, Petra Emig und Claudia Gerlach-Heilig vom Festausschuss Kehna, hier im frisch geputzten historischen Backhaus, bereiten sich intensiv auf die 875-Jahr-Feier des kleinen Weimarer Ortsteils Ende Mai vor.

Quelle: Ina Tannert

Kehna. Für die 875-Jahr-Feier haben sich die Bewohner des kleinen Kehna so einiges einfallen lassen: Neben einem bunten Festprogramm mit jeder Menge musikalischer und kultureller Unterhaltung auf den ortsbildprägenden Höfen des Dorfes planen die Bewohner eine Kunst- und Fotoausstellung sowie einen historischen Dorfrundgang. Sie wollen die Geschichte des kleinen Ortsteils in der Gemeinde Weimar wieder aufleben lassen.

Schriftlich erwähnt wird Kehna in einem Dokument erstmals im Jahr 1140, in dem ein Lehenshof als Eigentum des Grafen Otto von Gleiberg benannt wird. Lehen in Kehna besaßen bis ins 16. Jahrhundert hinein mehrere regionale Adelshäuser sowie Bürger aus Marburg. Die Kirche des Dorfes wurde im 18. Jahrhundert nach dem Einsturz des alten Gotteshauses von der Kehnaer Bevölkerung in Eigenarbeit erbaut.

Das Gemeindebackhaus wurde vor etwa 150 Jahren errichtet, später erweitert und dient heute als kleines Bürgerhaus. Die neun großen, ortsbildprägenden Höfe des Ortes stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Im Jahr 1989 wurde der gesamte Ortsteil vom Landesamt für Denkmalpflege in die Arbeitsliste der Kulturdenkmäler aufgenommen. „Die Anlage steht unter Denkmalschutz“, erklärt Ortsvorsteher Günter Schömann. Das Orts- wie auch das Landschaftsbild Kehnas ist über die Jahrhunderte weitestgehend erhalten geblieben, seit Jahrzehnten gab es im Ort keine bauliche Veränderung. Im Gegensatz zu anderen Dörfern wuchs Kehna daher nicht um einen typischen alten Dorfkern herum, sondern blieb in seiner Gesamtheit erhalten.

Derzeit wird ein neues Wohnhaus errichtet - ein seltenes Ereignis in dem kleinen Ort. „Seit 1945 wurde in Kehna nicht mehr gebaut“, erklärt Wilfried Nickel vom Festausschuss. Mit dem neuen Gebäude verfügt das Dorf über 16 Häuser. Heute hat der kleine Ort 83 Einwohner, „genau wie vor 100 Jahren auch“, berichtet Schömann.

Doch auch, wenn sich das Ortsbild dem Wandel der Zeit stets widersetzt hat, die Höfe als Mittelpunkt des Dorfes können sich einer äußerst umfangreichen und modernen Entwicklung erfreuen.

Röstkaffee und eine lebendige Gemeinschaft

Wurde das Leben des Ortes bis vor etwa 50 Jahren noch weitestgehend von der Landwirtschaft bestimmt, entwickelten sich drei der Höfe zum Mittelpunkt eines erfolgreichen, integrativen Gemeinschaftslebens. Seit Mitte der 1990er Jahre betreibt die „Gemeinschaft Kehna“ eine sozialtherapeutische Lebensgemeinschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben und arbeiten. In den anerkannten Werkstätten sind die Bewohner in den Bereichen Landschaftspflege, Weberei, Schreinerei, Hauswirtschaft und Kaffee-Rösterei tätig, verkaufen ihre Produkte in alle Welt.

Bis heute entwickelt sich die integrative und florierende Wohn- und Arbeitsgemeinschaft stetig weiter und hat sich fest in das dörfliche Leben integriert, beim Thema Inklusion „ist Kehna einer der innovativsten Orte in ganz Hessen“, erzählt Leiterin Gabriele Scholtes.

Da liegt es auf der Hand, dass sich die Gemeinschaft auch an der Jubiläumsfeier ausgiebig beteiligt. „Die Höfe machen den Ort einfach aus, ihre Entwicklung hat Kehna verändert“, weiß auch der Ortsvorsteher.

Seit mehr als einem Jahr arbeitet der zwölfköpfige Festausschuss bereits am Programm der 875-Jahr-Feier. Das sind rund 15 Prozent der Einwohnerschaft, die rund um das Dorfoberhaupt die Planung übernehmen. Zum Programm: Am Samstag, 30. Mai, und Sonntag, 31. Mai, findet im gesamten Ort ein buntes Dorffest statt. Den Anfang macht die integrative Band „Station 17“, eine Musikband bestehend aus behinderten und nicht-behinderten Musikern aus Hamburg, die am Samstagabend im großen Festzelt spielen wird. Das Programm am Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, ab 11 Uhr findet ein Festakt mit musikalischen Beiträgen und Grußworten statt. Bis 18 Uhr erwartet die Festbesucher im Anschluss auf sieben Höfen ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt. Am Nachmittag können sich vor allem die kleinen Besucher auf ein Zaubertheater sowie den Auftritt von Feuerspucker „Wulle“, alias Wilfried Nickel aus dem Festausschuss, freuen.

Dorfspaziergang zum Auftakt und zur Einstimmung

Auch andere Mitglieder des Gremiums planen unterhaltsame Auftritte. Für weitere musikalische Unterhaltung sorgen die Chöre „N-Joy“ und der Neue Chor Argenstein. Außerdem werden Trachtentänzer aus der hessischen Volkskunstgilde erwartet. Die Landtechnikfreunde aus Niederwalgern wollen gleich mit mehrere historischen Landmaschinen anrücken.

Neben einer Kunstausstellung mit Gemälden des Ortes erwartet die historisch interessierten Besucher eine Fotoausstellung sowie eine Filmvorführung über die Geschichte des Dorfes. Anlässlich der Feierlichkeiten werden die drei Höfe der Gemeinschaft Kehna einen Tag der offenen Tür veranstalten und ihre Werkstätten für Besucher öffnen. Auf einem Hofmarkt haben die Gäste die Möglichkeit, sich mit allerhand Kunst- und Töpferwaren, Pflanzen, Käsesorten und Dekoartikeln zu versorgen. Es gibt ein Kuchen- und Salatbuffet sowie mehrere Grillstände auf drei Höfen. Im alten Backhaus werden frisch gebackenes Brot und Schmandkuchen angeboten. Anlässlich der Jubiläumsfeier plant der Festausschuss bereits am 17. April einen historischen Dorfspaziergang unter dem Motto „Sichtbare Vergangenheit, vielfältige Gegenwart, inklusive Zukunft“. „Bei dem Rundgang werden wir zeigen, dass Kehna nicht ausgestorben ist und was auf den Höfen heute so los ist“, verspricht Schömann. Treffpunkt ist um 17 Uhr auf dem „Hermeshof“, Kenenstraße 6.

Während der beiden Festtage im Mai soll die Ortsdurchfahrtsstraße für den Autoverkehr gesperrt werden.

von Ina Tannert

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