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Kirchenmitglieder wollen das Andenken ihrer Vorfahren ehren

Selk-Gemeinde Kirchenmitglieder wollen das Andenken ihrer Vorfahren ehren

Neuer Putz, neue Fassade, neue Elektrik und sanierte Fenster – die Renovierungsarbeiten in der Kirche der Selk-Gemeinde sind in vollem Gange.

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Pfarrer André Stolper (von links),  Architekt Richard Fischer, Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen und Hans Steitz, kommissarischer Vorsitzender des Kirchenvorstandes, stellten den Fortschritt der Kirchensanierung vor.

Quelle: Ina Tannert

Dreihausen. Geschäftige, staubige Baustellen-Atmosphäre statt Andachtsstimmung herrscht derzeit in der Selk-Kirche. Die ersten Teile der maroden Böden sind bereits entfernt, die Holzwürmer mittlerweile ausgezogen, im Inneren beginnt langsam der Wiederaufbau.

Seit Oktober vergangenen Jahres laufen die umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, finanziert durch die selbständige evangelisch-lutherische Kirche Dreihausen/Roßberg und Heskem (Selk). Und die sind auch dringend notwendig. Bereits seit 1974 konnten wegen fehlender Geldmittel der Gemeinde keine größeren Renovierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Was folgte war ein jahrzehntelanger Investitionsstau, notwendige Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen am gesamten Kirchengebäude blieben auf der Strecke. Das soll sich ändern.

Außenwandverkleidung ist erneuert

Teils marode Bereiche der Kirche sind bereits saniert, andere werden demnächst folgen. Bislang konnte die Außenwandverkleidung aus Naturschiefer erneuert werden, die Decke im Kirchenraum wurde gedämmt, die Wandverkleidung aus Gipskarton entfernt und die Wände mit frischem Kalkmörtel verputzt. Die gesamte Elektroinstallation, Beleuchtung, Heizanlage samt Kamin wurden modernisiert. Eine Warmwasser-Fußbodenheizung sorgt nun für die Grundheizung und für warme Füße. Daneben konnten in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz die historischen Holzfenster saniert und erhalten werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte eine komplette Erneuerung abgelehnt.

Derzeit wird an dem Wiederaufbau des abgerissenen Dielenbelags auf der Empore gearbeitet. Das teils schon verrottete, wurm-zerfressene Holz wurde bereits entfernt, ein neuer Boden wird demnächst verlegt. Dem folgt im Anschluss die Erneuerung des 40 Jahre alten Fußbodens der Kirche aus Asphalt- und Spaltplattenbelag, der durch Sandstein ersetzt wird.

Kontinuität im Farbkonzept

Im kommenden Frühjahr sollen der Außenwandputz des Chorraumes sowie die Eingangstüren erneuert werden. Als letzter großer Schritt wird der komplette Innenbereich neu gestrichen und mit frischer Farbe aufgepeppt. Dabei orientieren sich die Planer an dem ursprünglichen Farbkonzept, das hauptsächlich in einem Blau-Grau-Ton gehalten ist. „Wir bleiben bei den ursprünglichen Farben und bei einer gewissen Kontinuität“, erklärte Architekt und Bauleiter Richard Fischer. Einerseits, um das stimmige Farbkonzept zu erhalten, und nicht zuletzt, „um die Leistungen der Erbauer, unserer Vorfahren, in angemessener Weise zu würdigen“, betonte Fischer.

Und die haben einiges geleistet: Im Jahr 1877 errichteten die Mitglieder der neu gegründeten Selk-Gemeinde in nur drei kurzen Monaten ihre neue Kirche, erklärt Hans Steitz, kommissarischer Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Mit der Zeit folgten ein Pfarrhaus, Gemeindesaal, ein Turm und ein Anbau mit Chorraum samt Sakristei. Überraschenderweise entstanden während der äußerst rasanten Bauphase keine gravierenden Mängel, so der Architekt. Allerdings gab es bei nachfolgenden Renovierungsarbeiten „einige Bausünden“, wie stilistisch unpassende Anbauten, Styropor- oder Gipsplatten-Verkleidungen, die im Zuge der Sanierung ausgebügelt werden. Planmäßig sollte der Umbau bis zum Sommer kommenden Jahres abgeschlossen sein. „Das nächste Weihnachtsfest wollen wir auf jeden Fall wieder in unserer eigenen Kirche feiern“, zeigte sich Steitz zuversichtlich.

Sanierung kostet 360.000 Euro

Insgesamt kostet das Großprojekt stolze 360.000 Euro. Die Finanzierung übernimmt komplett die Selk-Gemeinde. Etwa ein Drittel der nötigen Mittel werden durch Darlehen gedeckt. Insgesamt 90.000 Euro stemmen die Kirchenmitglieder durch Eigenleistung und Beteiligung zahlreicher Freiwilliger. Durch Spendenaufrufe, Benefizveranstaltungen und der Bausteinsammlung der Kirche konnten weitere 90.000 Euro an Spendengeldern gesammelt werden. Für den Rest ist die Kirche auf weitere Zuschüsse angewiesen, der Vorstand hofft auf die Unterstützung der Gemeindemitglieder – noch fehlen rund 50.000 Euro, dann wäre das Großprojekt voll finanziert.

Mit bisher 7000 Euro beteiligte sich das Landesamt für Denkmalpflege an den Kosten für die Erneuerung der Außenwände. „Bautechnisch ist die Kirche ein ganz wichtiges Gebäude“, betonte Oberkonservator Dr. Bernhard Buchstab. Nicht nur der Außen- auch der Innenraum samt Empore und Chorbereich mit Triumphbogen weise „eine hohe Qualität“ auf. „Die Erbauer haben sich Mühe gegeben ein wertvolles Kirchengebäude zu schaffen“, lobte Buchstab und stellte bereits weitere Zuschüsse in Aussicht.

„Die Renovierung ist schon eine Herkulesaufgabe für unsere Gemeinde, aber wir können das stemmen“, betonte Steitz und dankte den Projektbeteiligten und ehrenamtlichen Helfern aus der Kirchengemeinde.

von Ina Tannert

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