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Kirche in Bewegung, nicht in Erstarrung

Frühjahrssynode Kirche in Bewegung, nicht in Erstarrung

Bei einer Gegenstimme und neun Enthaltungen beschlossen die 90 Synodalen des Evangelischen Kirchenkreises Marburg auf ihrer Frühjahrssynode im Gemeindezentrum den Doppelhaushalt 2016/2017.

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Die 90 stimmberechtigten Teilnehmer der Frühjahrssynode beschlossen unter anderem den Doppelhaushalt.

Quelle: Manfred Schubert

Niederweimar. Für 2016 sieht der Haushaltsplan Erträge von etwa 2,77 Millionen Euro und Aufwendungen von etwa 2,76 Millionen Euro, also einen Überschuss von 13.225 Euro vor. Für 2017 sind es Erträge von etwa 2,78 Millionen Euro und Aufwendungen von etwa 2,77 Millionen Euro, somit ein Überschuss von 15.296 Euro. Wie schon die vorherigen beiden Doppelhaushalte wird dieser durch Entnahmen aus den Rücklagen finanziert, wenn auch in erheblich geringerem Umfang.

„Um den Doppelhaushalt 2016/2017 wurde gerungen“, betonte Hans-Friedrich Wacker vom Finanzausschuss bei dessen Vorstellung und hob hervor, dass die Entnahme aus den Rücklagen, die für 2015 noch mit 124.000 Euro angesetzt war, auf 46.000 Euro zurückgefahren werden konnte.

Neue Geldquellen müsen erschlossen werden

Pfarrer Ralf Hartmann, Vorsitzender des Gesamtverbandes evangelischer Kirchengemeinden Marburgs, äußerte sich skeptisch. Es sei noch offen, ob das mit den vorgesehenen Einsparungen funktioniere: „Die eigentlich notwendige Konsolidierung des Haushaltes kriegen wir so nicht hin. Wenn wir nicht neue Geldquellen erschließen, werden wir die Arbeit im Kirchenkreis reduzieren müssen.“

Kirchenkreisamtsleiter Gerhard Rödiger wies darauf hin, dass in den beiden Haushaltsjahren 56.000 Euro an Personalzuweisungen der Landeskirche zusätzlich zur Verfügung stünden. Diese sollen laut Plan den Rücklagen zugeführt werden.

Antrag: Landeskirche soll Kitas Defizite erstatten

Um Geld drehte sich auch der zweite Beschluss der Synode, der bei zwei Enthaltungen gefasst wurde. Der Kirchenkreis Marburg beantragt bei der Landessynode eine Änderung des Finanzzuweisungsgesetzes mit dem Ziel, dass die Landeskirche den Trägern 9,7 Prozent des tatsächlichen Defizits der Kindertagesstätten des jeweiligen Jahres erstatten soll. Zurzeit wird die Zuweisung aufgrund eines Budgets und des Defizits des Vorjahres berechnet. Daher tragen Kirchenkreise oder Gemeinden das finanzielle Risiko, falls die tatsächlichen Defizite höher sind. Dazu seien diese zukünftig nicht mehr in der Lage.

Rödiger erklärte, es sei zu befürchten, dass bereits in diesem Jahr die Zuweisungen nicht mehr genügten, um das Defizit zu tragen: „Es ist eine große Sorge, die wir mit anderen Kirchenkreisen teilen, dass durch Kostensteigerungen insbesondere nach Einführung des Kifög die bisherigen Zuweisungen nicht mehr ausreichen werden.“

„Volkskirche qualitativ weiterentwickeln“

Susanne Hofacker vom Kirchenkreisvorstand gab einen Überblick über die Beschlüsse der Landessynode zum „Zukunftsprozess“ unter dem Motto „Volkskirche qualitativ weiterentwickeln“, durch die die Landeskirche bis 2026 etwa 30 Millionen Euro einsparen will.

Die vorgesehene Bildung so genannter „Kooperationsräume“, die neue Formen der Zusammenarbeit von Gemeinden ermöglichen sollen, sei im städtischen Bereich einfacher als im ländlichen, merkte Hofacker an. Pfarrer Dr. Matti Schindehütte, Stellvertreter des Dekans, äußerte Bedenken: „Ich glaube, wir sparen durch die Vorschläge nichts, wie wir auch durch die Fusion der Kirchenkreise nichts sparen. In die Kooperationsräume kann man die Hoffnung setzen, dass Laien sich verstärkt einbringen könnten und eine andere Ebene von Kirche sichtbar würde, dass wir dadurch Geld sparen, sehe ich nicht.“

Dekan äußert sich kritisch zu den Reformen

Dekan Burkhard zur Nieden (Foto: Schubert) hatte bereits zu Beginn der vierstündigen Synode in seinem Bericht kritisch zu den Reformen angemerkt: „Dass der Begriff Volkskirche eindeutig bleibt, bezweifle ich. Ich bin für Evangelische Landeskirche, das zeigt unsere Qualität. Unsere besondere Qualität ist, dass wir in Bewegung sind, nicht in Erstarrung.“ Eine weitere Qualität hatte er beim Thema Flüchtlinge herausgestellt: „Was wir einbringen können angesichts der gesellschaftlichen Polarisierung um die Flüchtlinge, ist evangelische Nüchternheit, die Fähigkeit, mäßigend zu wirken.“

Der Dekan wies auf den geplanten viertägigen Besuch des Bischofs im Sommer hin. „Wir brauchen deswegen in Marburg keinen zusätzlichen ,Glanz‘ zu entfalten. Wir werden keine Potemkinschen Dörfer aufstellen, wir gehen dorthin, wo es schwierig ist. Es geht nicht darum, Schwächen aufzudecken, sondern mit Herausforderungen offen umzugehen“, kündigte er an.

Anlässlich des Reformationsjubiläums soll der 7. Mai 2017 ein großer Tag für den ganzen Kirchenkreis werden, blickte zur Nieden weiter voraus: „Wir planen ein Riesending.“ Auch die Stadt Marburg mache sich jetzt das Jubiläum zu eigen und habe ein Faltblatt mit einer Reformationsroute herausgebracht, das „unsere Geschichte und Herzensanliegen mit touristischem Schmackes darstellt. Man kann entdecken, was es heißt, damals und heute evangelisch zu sein.“

von Manfred Schubert

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