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Kerzen leuchten für die Opfer

Erinnerung an die Pogromnacht Kerzen leuchten für die Opfer

Sie ist die vielleicht einzige noch lebende Jüdin, die einst in Roth wohnte: Trude Meyer, geborene Löwenstein. 1924 kam sie in dem kleinen Ort zur Welt, 1941 wurde sie ihrer Heimat entrissen.

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Auf dem Foto an der Wand sind Trude (links) und Jenni (rechts) Löwenstein zu sehen, ein Geschwisterpaar aus Roth, das die NS-Zeit überlebt hat. Mit den Kerzen erinnerten sich Bürgerinnen und Bürger aus Roth an jene Menschen, die nach 1938 aus ihrer Mitte ­verschwanden. Dazu trugen Amnon Orbach (vorne links) und Thorsten Schmermund (vorne rechts) ein Gebet in hebräischer und deutscher Sprache vor.

Quelle: Marcus Hergenhan

Roth. Gemeinsam mit ihrer Schwester Jenni, der Mutter, sowie den Brüdern Karl und  Friedrich, wurde Trude Meyer von den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges in das Ghetto von Riga deportiert. Den Weg zurück über ein Torflager und das Konzentrationslager Bromberg fanden nur die zwei Schwestern. Am vergangenen Sonntag, genau 77 Jahre nach der Pogromnacht 1938, erinnerten sich die Mitglieder des Arbeitskreises der Landsynagoge Roth in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten zusammen mit den Bürgern an die Schicksale der jüdischen Einwohner dieser Zeit.

Für jeden verschleppten Menschen, der nie mehr heimgekehrt war, wurde eine Kerze aufgestellt. Judith Oehler trug dazu passagenweise einen Brief Trude Löwensteins vor, den sie in den 90er Jahren verfasst hatte und der ihre Erlebnisse im Ghetto und den Lagern schildert. Es ist die Geschichte einer Sechzehnjährigen, die mit ansehen musste, wie ihre Familie  von der SS auseinandergerissen wurde. Wie Menschen, die zu schwach zum Marschieren waren, einfach erschossen und ihr Ende in Gräben am Wegesrand fanden. Wie ihre kleine Schwester beinahe aufgegeben hätte. Und die bei ihrer Rückkehr nach Roth vier Jahre später vergeblich darauf wartete, dass die Mutter und ihre Brüder ebenfalls heimkommen würden. Die Schwestern wanderten schließlich nach San Francisco aus.

Trude Meyer hält noch heute Kontakt zu ihrer Heimat

In Roth leben heute keine Menschen jüdischen Glaubens mehr, aber Trude, die nach ihrer Heirat Meyer heißt, hält noch immer Kontakt. „Meine Mutter hat vor dem Krieg mit den Löwensteinkindern gespielt, als ich älter wurde habe ich sie dann gefragt, was aus ihren Mitmenschen von damals geworden ist. So kam ich selbst auf das Thema und unser Arbeitskreis hat den Kontakt hergestellt, bis heute telefoniere ich immer wieder mit Trude,“ erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises, Annemarie Schlag.

Die Synagoge überstand den Krieg, wurde zuerst landwirtschaftliche Lagerfläche und schließlich teilweise restauriert zum Mahnmal. Mittlerweile ist sie ein sogenannter außerschulischer Lernort der Gesamtschule Niederwalgern, deren Schülerinnen und Schüler an diesem Abend die Kerzen anzündeten. Durch diese Jugendarbeit soll gewährleistet sein, dass die Erinnerung auch über die Lebenszeit der Zeitzeugen hinaus bewahrt bleibt.

von Marcus Hergenhan

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