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Keine Ruhe im Ruhestand

Was macht eigentlich... Keine Ruhe im Ruhestand

Karl Krantz hat die Gemeinde Weimar geprägt und engagiert sich noch heute für sie. Bereits vor der Gebietsreform 1974 war er Bürgermeister. Danach war er noch weitere 30 Jahre Rathauschef der neuen Großgemeinde.

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Hat früher regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt: Karl Krantz war lange Bürgermeister der Gemeinde Weimar.

Quelle: Archiv

Niederweimar. Karl Krantz war 30 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Weimar, wie sie 1974 nach der Gebietsreform entstanden ist. Doch auch zuvor war er schon politisch aktiv in der Gemeinde und ein richtiger Macher: Seit März 1969 war er als Bürgermeister tätig. Zunächst in der Gemeinde Niederweimar, dann zusätzlich in der Gemeinde Hermershausen und in den Gemeindegebilden, die durch verschiedene Zusammenschlüsse mit Niederweimar folgten.

Krantz war auch nicht ganz unbeteiligt daran, wie die Gemeinden im Südkreis aufgeteilt wurden: So wollten sich eigentlich Roth und Wenkbach einer geplanten Gemeinde Walgern mit Niederwalgern anschließen, Wolfshausen plante einen Anschluss an Marburg. Krantz überzeugte sie alle von der Gemeinde Weimar. Niederwalgern verlor an Einfluss – und so entstanden die beiden Gemeinden Fronhausen und Weimar, statt einer gemeinsamen Großgemeinde „Walgern“.

Von Reisen bringt er Filmmaterial für Dokus mit

2004 endete schließlich die lange Amtszeit des Weimarer Bürgermeisters. Für seine Verdienste, die allerdings vor allem im ehrenamtlichen Engagement lagen, bekam er das „Verdienstkreuz am Bande“ der Bundesrepublik Deutschland. „Menschen in ihrer Gemeinde, die 35 oder 40 Jahre alt sind, kannten bis Ende letzten Jahres nur Karl Krantz als Bürgermeister“, sagte der damalige Landrat Robert Fischbach. Krantz habe die noch junge Gemeinde zusammengeführt und geformt, außerdem habe er sparsam gewirtschaftet und dennoch viel erreicht – etwa die Kanalisierung der Ortsteile.

Daneben setzte Krantz sich noch für die Vereine der Gemeinde ein, gestaltete Vereinsversammlungen mit seinen Bildervorträgen mit. Fotos und Videos zählen noch heute zu seiner Leidenschaft. Der hat er sich fast ganz verschrieben, seit er im Ruhestand ist. „Ich mache viele Dokumentationsfilme“, erklärt Krantz. Derzeit arbeite er an einer großen Doku über den Landkreis. Im ersten Teil beschäftigte er sich mit dem Hinterland, machte Luftaufnahmen und Videosequenzen in den einzelnen Dörfern, sammelte Bilder. „Im Herbst soll der Teil fertig werden“, sagt er.

Mit den Marburger Geografen reise er außerdem viel: „Dieses Jahr war ich für Filmaufnahmen mit in Costa Rica“, erklärt der Ex-Bürgermeister. Daraus sei ein 60-minütiger Film entstanden. Seine Filme zeigt er dann beispielsweise im Rahmen der Seniorenarbeit der Volkshochschule. „Da sind auch meine Dokus über Deutschland gerne gesehen“, erklärt Krantz. So etwa sein Film über die Weser von Hannoversch-Münden bis zur Nordsee. „Da steckt natürlich viel Arbeit dahinter“, erklärt er. So würde er an einer Film­minute etwa 60 Minuten arbeiten. „Das ist ein zeitintensives Hobby.“

Die „Zeiteninsel“ ist sein neues Steckenpferd

Eines seiner neuesten Steckenpferde ist das Freilichtmuseum „Zeiteninsel“, dass bei Argenstein im Entstehen begriffen ist. So ist er im Förderverein aktiv und zudem gemeinsam mit dem Bezirksarchäologen Dr. Andreas Thiedmann im Vorstand der Genossenschaft, die die Trägerschaft über das Museum übernimmt. „Das Projekt läuft an, deswegen mehrt sich die Arbeit“, sagt Krantz. Die bürokratischen Hürden müssten noch überwunden werden, aber der Ex-Bürgermeister hofft, dass es mit dem Bau noch in diesem Jahr losgehen könne – zumindest mit ersten Kleinigkeiten. Die Erfahrungen, die er als Bürgermeister gesammelt habe, würden Krantz bei der Arbeit helfen: „Die Bürokratie hat sich nicht viel geändert“. Geändert habe sich nur, dass er keine Sekretärin mehr habe: „Da muss ich meine vielen Unterlagen und Mails schon selbst beisammen halten und sortieren“, sagt er mit einem Lachen. Jeden Morgen verziehe er sich daher zunächst für mindestens zwei Stunden in sein Arbeitszimmer.

„Das alles ist ein selbstgewählter Stress, der richtig Freude macht“, sagt Krantz über seinen nicht sehr ruhigen Ruhestand. Es sei toll, wenn seine Vorträge Senioren dazu anregen würden, in Erinnerungen zu schwelgen oder wenn die Arbeit an der „Zeiteninsel“ schrittweise vorangehe. Natürlich übernimmt Krantz auch bei den Schritten, die das Freilichtmuseum macht, die Dokumentation. Und der Politik hat Krantz auch noch nicht ganz den Rücken gekehrt: Er sitzt immer noch im Kreistag.

von Patricia Grähling

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