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Kein Bier mehr: Festbesucher schlägt zu

Gericht Kein Bier mehr: Festbesucher schlägt zu

Aus Ärger über den beendeten Bierausschank rastete ein Besucher der Ebsdorfer Kirmes im vergangenen Jahr aus und schlug einen Thekenhelfer krankenhausreif. Die Verhandlung wurde noch vor der Beweisaufnahme vorübergehend ausgesetzt.

Marburg. Weil er kein weiteres Bier mehr bekam, attackierte der stark alkoholisierte Festbesucher sein Opfer mit einem schweren Bierkrug. Nun musste er sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

Im Oktober vergangenen Jahres verbrachte der angeklagte Mann aus dem Südkreis mehrere Stunden auf einem Gemeindefest. Gegen Abend endete der Bierausschank der Feier.

Auch auf mehrfache Nachfrage erhielt der bereits stark angetrunkene 28-Jährige keinen weiteren Alkohol. Wütend beschwerte er sich darüber bei der Thekenmannschaft. Als einer der Helfer sich entfernte, folgte ihm der aufgebrachte Angeklagte und schlug ihm mit einem massiven Bierkrug heftig gegen den Kopf.

Als das Opfer daraufhin zu Boden ging, trat der Angreifer laut Anklage noch mehrmals mit den Füßen zu. Der Geschädigte verlor durch die heftige Attacke kurzzeitig das Bewusstsein und erlitt massive Verletzungen, darunter eine drei Zentimeter lange Platzwunde am Kopf sowie eine Gehirnerschütterung und ein Schädelhirntrauma.

Während der Verhandlung gab der Täter den Großteil der Vorwürfe zu. „Ich will mich gar nicht herausreden, das war eine ziemlich bescheuerte Sache“, sagte der 28-Jährige. Bereits im Vorfeld sei es zum Streit zwischen ihm und dem Geschädigten gekommen, weil dieser die Theke geschlossen hatte. An den genauen Ablauf des Abends erinnere er sich nicht mehr, gab der Mann an. Er war stark angetrunken, im Laufe des Tages habe er etwa vier Liter Bier zu sich genommen. Den Schlag mit dem Krug gab er zu, an eine gezielte Verfolgung oder an Tritte gegen den am Boden Liegenden könne er sich nicht erinnern.

Beide Männer waren bereits seit längerer Zeit miteinander bekannt, Probleme habe es vorher nie gegeben. Auslöser des Streits an diesem Abend war der erhöhte Alkoholpegel des Angreifers, ein Wort ergab das andere, so der Angeklagte. „Das ist alles aus dem Ruder gelaufen, es tut mir wirklich sehr leid“, entschuldigte er sich vor Gericht.

Angeklagter zahlt bereits

Bereits vor dem Strafprozess hatten sich beide Beteiligte im Zivilverfahren auf einen Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 3500 Euro für den Geschädigten geeinigt. Bisher konnte der Angeklagte die Hälfte des Schmerzensgeldes begleichen.

Sein Mandant habe ein gutes Nach-Tatverhalten gezeigt, sei geständig und durch den starken Alkoholgenuss beeinflusst gewesen, betonte der Verteidiger. In einem offenen Rechtsgespräch versuchte er das Gericht bereits vor der Anhörung diverser Zeugen mehrfach von einem minder schweren Fall und einem geringen Strafrahmen zu überzeugen.

Eine daraus resultierende verminderte Schuldfähigkeit sah Strafrichter Dominik Best zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung jedoch nicht als erwiesen an. Bisher gebe es keinen Grund für ein solch „sauberes Führungszeugnis“, so der Richter. Auch der Polizeibericht zeige eine andere Auffassung über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Dieser stand zudem nicht zum ersten Mal vor Gericht, ist bereits im vergangenen Jahr wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Da sich die Verteidigung auf die polizeiliche Aussage eines nicht geladenen Zeugen stützte, riet das Gericht zu einer Aussetzung der Verhandlung sowie zur Einbeziehung eines rechtsmedizinischen Sachverständigen.

Die Hauptverhandlung wurde schließlich ausgesetzt. Mit einer Fortsetzung des Prozesses ist nicht vor November zu rechnen.

von Ina Tannert

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