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„Juwelen“ vor dem Verfall gerettet

Denkmalschutzpreis „Juwelen“ vor dem Verfall gerettet

Der Kreis hat seinen jährlich wiederkehrenden Denkmalschutzpreis ausgelobt. Ein Bauernhaus, ein historisches Dreiseitgebäude und eine Kapelle überzeugten die Jury.

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Der Denkmalschutzpreis des Landkreises wurde in diesem Jahr an drei Preisträger verliehen: Den Verein „Dorf erleben“ in Niedereisenhausen, das Ehepaar Schwenen und die Hofgemeinschaft in Kehna.

Quelle: Patricia Grähling

Kehna. „Wir sind gewarnt worden, weil dieses Dorf unter Denkmalschutz steht“, sagt Michael Gehrke bei der Verleihung des Denkmalschutzpreises. Die Gruppe der Preisträger, Denkmalpfleger, Mandatsträger und Mitarbeiter des Kreises sitzt im sanierten Dachgeschoss in „Oarms Hof“ in Kehna.

In den 90er-Jahren kaufte die Familie Gehrke drei alte Höfe in Kehna, sanierte sie nach und nach und verhalf ihnen zu neuem Glanz. Zuletzt steckte die Hofgemeinschaft viel Arbeit in diesen Dreiseithof, in dem nun eine Kaffeerösterei Menschen mit und ohne Behinderung ­Arbeit bietet.

Trotz Warnung hat Gehrke damals die drei Höfe gekauft und viel Zeit und Geld investiert. ­Finanzielle Unterstützung habe­ es etwa vom Land gegeben, mehr als 150 000 Stunden in Eigenleistung wurden eingebracht. Das jüngste Juwel, dem die Wohngemeinschaft wieder zu neuem Glanz verholfen hat, wurde nun mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.

Zachow: „Gemeinschaft macht Denkmal“

„Die Denkmalpflege passt zu unserem Konzept“, erklärt Gehrke. „Uns sind Ästhetik und eine gesunde Umwelt wichtig – wir nennen es Seelenpflege.“ Ähnlich sei es mit der Denkmalpflege: Es gehe nicht nur um ­einen hübschen Anstrich, sondern um eine Sanierung in der Tiefe, dort, wo man es vielleicht nicht sieht. „Aber man spürt es, wenn man hier lebt.“ Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Verein „Dorf erleben“ aus Niedereisenhausen für die Sanierung der alten Kapelle. „Die Kapelle war im Verfall“, erklärt Dr. Renate Buchenauer von der Jury. Sie sei ganz akribisch und behutsam wieder hergestellt worden – so wie sie einmal gewesen sei. „Gemeinschaft macht Denkmal“, fasst es der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow zusammen.

Denn der Verein und das gesamte Dorf hätten die alte Kirche wieder zu neuem Leben erweckt. „Das zeigt, dass Denkmalschutz eben kein bloßes konservieren ist, sondern auch Verbundenheit auslöst.“ Der Denkmalschutzpreis des Kreises geht zudem nach Elnhausen.

„Denkmalschutz ist kein bloßes Konservieren“

Dort haben Christine und Dr. Ludger M. Schwenen ein altes­ Bauernhaus gekauft – und erhalten es laut Buchenauer so, wie es einst war. „Hier sieht man, was dabei herauskommt, wenn ein Chemiker ein Haus saniert. Er wird zum Hausforscher“, sagt sie lachend. „Hier schafft das Denkmal Gemeinschaft“, ergänzt Zachow. Denn das Paar habe berichtet, dass es noch nie zuvor so oft von anderen Menschen angesprochen und besucht worden sei – viele hätten eine Verbindung zum Haus und wollen nun mal sehen, was die Schwenens daraus gemacht haben. „Sie machen sich zum Teil der Geschichte eines Hauses. Denn ein Denkmal ist mehr als nur Steine, es ist geronnene Geschichte vieler Menschen.“

Buchenauer führt aus, dass der Preis bereits zum vierten Mal vergeben wurde. Dieses Mal habe es 15 Bewerbungen gegeben. „Da ist es nicht immer einfach, satzungsgemäß und objektiv die Gewinner auszusuchen“, erklärt sie.
Denn jeder, der ein Denkmal saniere, benötige Mut, einen langen Atem und müsse viel ­Eigenleistung einbringen.

„Wir wollen mit diesem Preis einen positiven Akzent setzen und zeigen, dass es sich lohnt und dass es unsere Geschichte­ und Baukultur ist, die wir erhalten.“ Gerade in „Oarms Hof“ sehe man jedoch, dass nicht immer alles so akribisch erhalten werden müsse, wie es einmal war: „Hier ist es gelungen, Alt und Neu zusammenzubringen – und das ist uns auch wichtig“, betont die Denkmalschützerin.

von Patricia Grähling

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