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Junge Wacholderbäume auf der Weide

Naturprojekt in Stedebach Junge Wacholderbäume auf der Weide

Die Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern haben viele Pflanzen über die Jahrhunderte verschwinden lassen. Ein Opfer war der Wacholder, der Baum des Jahres 2002, der in Deutschland schon lange auf der roten Liste steht. 

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Scheuten weder Kälte noch Wind bei ihrer Wacholder-Pflanzaktion auf der Stedebacher Heide: Joachim Gabriel (von links), Uwe ­Krüger, Siegfried Koch, Marcus Ott, Dr. Heike Rupp und Dr. Maria Damm. Mit dabei war zudem Lucas Krusche.

Quelle: Götz Schaub

Stedebach. Manchmal passt eben alles zusammen. Und dann können interessante und einzigartige Naturschutzprojekte spielend einfach umgesetzt werden. Na ja, in der Theorie wenigstens. Wenn es dann tatsächlich in die konkrete Umsetzung geht, gibt es dann doch noch ein paar Kniffe zu meistern. Denn, so Marcus Ott, pädagogischer Leiter des Vereins Umweltpiraten, es war gar nicht so einfach, an Wacholderpflanzen, die das Prädikat „einheimisch“ tragen, heranzukommen. „Ich bin dann schließlich nach längerer Suche in Frankfurt fündig geworden“, berichtet er.

Wozu suchte Ott nun einheimischen Wacholder? Um ihn mit weiteren Mitgliedern des Weimarer Vereins Umweltpiraten in Zusammenarbeit mit dem Demeterhof Hof Stedebach und freundlicher Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises auf ein Wiesengrundstück des Hofs Stedebach  zu pflanzen. Konkret geht es darum, Tieren wie dem Neuntöter  einen Lebensraum zurückzugeben, der einmal Teil des Alltags hierzulande war.

Gabriel stellt 2,6 Hektär Wiese zur Verfügung

Der Neuntöter liebt sonnige­ offene Landstriche mit ausgedehnten Busch- und Heckenbeständen. Seine Eigenart ist es, seine Beute – Insekten –  auf Stacheln aufzuspießen. „Die Fortschritte in der Urbarmachung hat auch immer die Kulturlandschaft verändert“, sagt Siegfried Koch, selbst Mitglied der Umweltpiraten, aber auch Mitglied der BUND-Ortsgruppe Weimar/Fronhausen. „Im Mittelalter wurde der Wald zugunsten von Ackerland und Weiden zurückgedrängt. Erst im 17. Jahrhundert setzte wieder eine Aufforstung ein“, sagt Koch.

Das Vieh auf den Weiden fraß so ziemlich alles weg, insbesondere Schafe und Ziegen. Nur wenige Pflanzen wurden ausgespart und boten so Insekten Lebensraum, etwa der Wacholder. Doch wurde dieser dann von Menschenhand entfernt, um die Wiesen leichter bearbeiten zu können. Joachim Gabriel vom Hof Stedebach will nun mit der Bereitstellung einer 2,6 Hektar großen Fläche mit dazu beitragen, dass dieser verloren gegangenen Kulturlandschaft wieder Raum gegeben wird.

Ein bis zwei Mal im Jahr, so Joachim Gabriel, werde er etwa zehn Rinder für jeweils vier bis fünf Wochen auf die Fläche schicken. „Das ist eine tolle Sache, dass Herr Gabriel uns das ermöglicht. Nur so lässt sich die alte Kulturlandschaft für die Nachwelt erhalten“, meint Koch. Und Uwe Krüger von der Unteren Naturschutzbehörde bekräftigt: „Bei solchen Aktionen sind wir von der Behörde gerne dabei und unterstützen das auch finanziell. Wacholder verjüngt sich in ganz Europa kaum noch. Von daher ist das hier eine besondere Sache. Wichtig für uns ist nur, dass sich jemand für die Logistik findet und das alles organisiert.“

Kinder und Jugend für die Prejekte gewinnen

Nun, diese Aufgabe hatte, wie eingangs erwähnt, Marcus Ott übernommen. Und so trafen sich einige Mitglieder der Umweltpiraten mit Krüger und Gabriel noch vor Weihnachten, um die frisch gelieferten Wacholderbäume auf dem Grundstück auf der Stedebacher Heide in die Erde zu bekommen. Dieses Mal waren es praktisch nur Erwachsene, aber Ott, der zugleich Jugendpfleger der ­Gemeinde Weimar ist, kündigte schon mal an, dass der Verein seiner eigentlichen Ausrichtung entsprechend vermehrt Kinder und Jugendliche für solche Projekte begeistern möchte: „Dafür bringen wir wieder ein Programm raus.“    Das Ganze soll dann natürlich auch wieder mit ein bisschen Abenteuer verbunden werden und gerne auch mit Übernachtungen.

Für Samstag, 25. Februar, ist schon mal eine Veranstaltung fix: Dann sollen im großen Stil Nistkästen gebaut werden.

von Götz Schaub

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