Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Jetzt muss erst ein Gericht entscheiden

Ortsumgehung Heskem Jetzt muss erst ein Gericht entscheiden

Noch in diesem Jahr sollte der Bau der Ortsumgehung Heskem beginnen - darauf haben viele Menschen gehofft. Jetzt ist unklar, wann es losgehen kann. Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsgericht in Gießen.

Heskem. Die Enttäuschung in der Gemeinde Ebsdorfergrund ist groß. „Jetzt entscheidet ein Gericht, ob und wann die dringend benötigte Ortsumgehung für Heskem gebaut wird“, sagt Bürgermeister Andreas Schulz und berichtet, dass ein Cappeler Bürger, Grundstücksbesitzer von Flächen, die für den künftigen Straßenbau benötigt werden, gegen die Baurechtschaffung Klage erhoben hat. Einen Monat lang lag der Beschluss öffentlich aus - am 3. September endete die Klagefrist offiziell.

Schulz hofft auf eine rasche Entscheidung des Gerichts, „damit die Geschichte bald ein Ende hat und besonders den Heskemer Bürgern in der Ortsdurchfahrt, aber auch allen Pendlern, die morgens und abends durch das Nadelöhr Heskem fahren müssen, geholfen wird“.

Noch in diesem Jahr sollte Baubeginn sein - das war die große Hoffnung in Heskem. Jetzt ist unklar, wann die Bagger anrollen dürfen. Beim Verwaltungsgericht Gießen muss zunächst entschieden werden, ob die Klage berechtigt ist - schlussendlich können für solche Bauvorhaben sogar Grundstücksenteignungen vorgenommen werden, wenn Landeigentümer zum Verkauf ihrer Flächen nicht bereit sind. Wie lange das Verfahren sich hinziehen wird, ist derzeit unklar. Das Verwaltungsgericht konnte gestern noch nichts sagen zu der Klage.

Von planerischer Seite ist indes alles in trockenen Tüchern. Im Dezernat Planung Westhessen bei Hessen Mobil, der zuständigen Behörde für das Straßen- und Verkehrsmanagement in Hessen, haben Dr. Lars-Hennig Fischer und Bernd Schneider das Straßenbauprojekt vorbereitet.

Die reine Bauzeit schätzt Fischer auf zwei Jahre - inklusive der Naturschutzprojekte, die zum Ausgleich für den Eingriff in die Landschaft und in die Ökosysteme erfolgen, kommt er auf etwa vier Jahre. „Die landschaftspflegerischen Aspekte nehmen durch EU-Verordnungen einen großen Raum ein - und sie brauchen oft viel Zeit“, erklärt Hessen-Mobil-Regionalbevollmächtigter WilliKunze. Sobald Baurecht besteht, können die Straßenbauer mit einer Brücke beginnen, die als Ausweichstrecke für bestehende Wirtschaftswege im Feld bei Heskem vorgesehen ist. Den ökologischen Ausgleich, der dafür notwendig ist, hat die Gemeinde Ebsdorfergrund bereits geschaffen.

Es handelt sich um eine 100 Meter lange und zweireihige Hecke, die am Feldweg beim sogenannten Hexenbäumchen zwischen Heskem und Dreihausen entstanden ist. Weißdorn, Heckenrosen, Holunder, Schlehen, Hasel und Vogelbeeren bieten unter anderem Fledermäusen einen neuen Schutzraum. „Wir haben die Hölzer extra schon im vergangenen Jahr gepflanzt - damit die Tiere schon umziehen können, bevor die Arbeiten beginnen“, berichtet Bürgermeister Schulz.

Neue Heimat für Schmetterlinge und Vögel

Ein weiter Ausgleich für Tiere und Pflanzen wird jetzt von Hessen Mobil vorbereitet - er greift schätzungsweise erst nach drei Jahren, berichtet Kunze. Somit aber aller Voraussicht noch rechtzeitig bis zum Beginn des zweiten und letzten Bauabschnitts der Ortsumgehung bei Mölln. Dieser Teil der Bauarbeiten greift in ein Gebiet ein, in dem der unter Schutz stehende Schmetterling Dunkler-Wiesenknopf-Ameisenbläuling heimisch ist - nebst seiner Wirtspflanze, dem dunklen Wiesenknopf, versteht sich.

Auch die Schafsstelze, ein gefährdeter Vogel, lebt dort. Da diese Tiere durch die Straße vergrämt werden, bekommen sie eine Ausgleichsfläche bei Leidenhofen, für die noch Grundstücke erworben und vorbereitet werden müssen, erläutert Straßenplaner Bernd Schneider. Die Wiese wird künftig beweidet und nicht mehr durch landwirtschaftliche Maschinen bearbeitet - somit soll sie geeignet sein als Lebensraum für Schafsstelze und Ameisenbläuling.

Am Anfang der Bauarbeiten steht die rund 22 Meter lange Brücke, über die künftig die Wirtschaftswege verlaufen. Danach beginnt der Bau der Ortsumgehung an der L 3048 rund 400 Meter hinter dem Ortsausgang Heskem in Richtung Moischt. Eine etwa 1,3 Kilometer lange neue Trasse wird angelegt - sie führt in nord-östlicher Richtung an Heskem vorbei. Danach entsteht ein neuer Verkehrsplatz, ein Kreisel, der alte und neue Wege zusammenführt. Zuletzt erfolgt der Bau eines 300 Meter langen Straßenabschnitts, der östlich von Mölln entlang führt und dort wieder auf die Straße nach Dreihausen trifft.

Um den Bau der Ortsumgehung kämpfte das stark verkehrsbelastete Heskem vieleJahre lang. Zuletzt ging es so schnell voran, weil die finanzstarke Gemeinde Ebsdorfergrund entschied, dem Land Hessen für den Bau 3,8 Millionen Euro vorzuschießen. Insgesamt wird der Bau der 1,6 Kilometer langen Straße rund vier Millionen Euro kosten.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis