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Ist es zu warm, setzen Milben Bienen zu

Milder Winter Ist es zu warm, setzen Milben Bienen zu

Milde Temperaturen im Winter, selbst in der Arktis taut es derzeit. Was aber verursachen milde Temperaturen in der eigentlich kalten Jahreszeit direkt bei uns vor der Haustür?

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Imker Rudolf Zander mit einem Umlarvlöffel. Im OP-Interview nimmt er Stellung zu möglichen Auswirkungen für die Bienenvölker, wenn es im Winter einfach nicht richtig kalt werden will.

Quelle: Thorsten Richter

Oberweimar. „Summ summ summ, Bienchen summ herum. Ei, wir tun dir nichts zuleide, flieg nur aus in Wald und Heide“ - so lauten die ersten Zeilen eines Kinderlieds aus der Feder von Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1789 bis 1874). Ach, die gute alte Zeit. Im 21. Jahrhundert haben die Bienen ganz schön zu kämpfen. Mancherorts müssen sie sogar schon importiert werden, wie etwa in Südengland, wo in den letzten Jahren immer wieder Bienen aus Schweden angesiedelt wurden. Die Umweltorganisation Greenpeace macht unter anderem Insektizide, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, für massenhaftes Bienensterben verantwortlich.

Aber auch das ganz einfache Wetter kann den fleißigen Bienen zusetzen. Etwa wenn der Winter kein echter Winter sein will. Genau darüber sprechen wir mit Rudolf Zander aus Oberweimar. Er ist Imker und darüber hinaus auch Vorsitzender des Imkervereins Marburg und Umgebung.

OP: „Milder Winter lässt die Bienen sterben“, titelten die Medien im März dieses Jahres. Was hat ein milder Winter konkret mit Bienensterben zu tun?

Rudolf Zander: In einem milden Winter geht es den Honigbienen, aber auch ihrem Hauptparasiten, der Varroamilbe, die in allen Völkern zuhause ist, gut, denn das milde Spätherbstwetter sorgt bei beiden Insektenarten für überdurchschnittlich gute Vermehrungsbedingungen.Dies liegt daran, dass die Bienenköniginnen immer noch aktiv sind und für neue Bienenbrut sorgen. Diese wiederum brauchen die Milben, um sich zu vermehren. Je länger das milde Wetter also anhält, desto günstiger ist das für die Milben und desto ungünstiger für die Bienen! Denn eine wirksame Bekämpfung der Milben setzt voraus, dass die Völker möglichst brutfrei sind. Je länger sich dieser Zeitpunkt nach hinten verschiebt, desto weniger erfolgreich wird die Behandlung sein.

OP: Es gibt Imker, die freuen sich über einen milden Winter, weil sich dann ihre Bienen rege vermehren. Was ist nun besser für Imker und Bienen, ein strenger Winter oder milde Temperaturen in der kalten Jahreshälfte?

Zander: Strenge, trockene Winter schaden den Bienen kaum, milde Temperaturen über den Jahreswechsel machen ihnen dagegen sehr viel mehr zu schaffen. Kann die Bruttätigkeit lange aufrecht erhalten werden, muss das Volk dafür auch viel Energie aufwenden, so dass es im Frühjahr knapp werden kann mit den Futtervorräten. Herrscht an vielen Tagen Flugwetter, finden die Bienen keine Nahrung mehr, dafür aber andere Bienen, von denen sie Milben „übernehmen“ und mit nach Hause bringen können.

OP: Hat ein Imker die Möglichkeit, über den Standort seiner Völker einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung seiner Bienen zu nehmen?

Zander: Natürlich gibt es gute und schlechte Standorte für Bienenvölker. Ein guter Standort ist vor allem durch in der Nähe wachsende Frühblüher wie Weide und Haselnuss gekennzeichnet, die für eine gute Frühjahrsentwicklung wichtig sind. Liegt noch ein Gewässer in der Nähe und hat die Sonne keine Schwierigkeiten die Völker in der Mittagszeit zu erreichen, so ist der Standort noch besser geeignet. Ein milder Winter verändert die Qualitäten eines guten oder schlechten Standorts jedoch kaum.

OP: Ab wann wird Frost und Schnee zu einer größeren Gefahr für die Bienen als etwa ein milder Winter?

Zander: Frost und Schnee stellen in unseren Breitengraden keine Gefahr für die Bienen dar. Im Gegenteil, nach einem trockenen und sehr kalten Winter ist eine gute Frühjahrsentwicklung eher zu erwarten als nach einem milden Winter. Die größten Gefahren stellen dann eher zugeschneite und vereiste Fluglöcher dar, oder ein Specht schaut vorbei und hämmert sich einen Zugang, um sich an den Leckereien eines Bienenvolkes zu bedienen. Auch ist in einem harten Winter der Schutz des Fluglochs durch ein Mäusegitter besonders wichtig. Ein Imker muss also auch im tiefsten Winter seine Völker im Auge behalten. Trotz bislang eher ungünstiger Prognose waren die Herbstverluste bei den Bienenvölkern jedoch erstaunlich gering. Nur jedes 40. Volk ist bislang eingegangen; im vergangenen Jahr waren es etwa dreimal mehr. Setzt sich dieser positive Trend über den Winter fort, kann mit nur 10 bis 15 Prozent Winterverlusten gerechnet werden - das wäre ein normaler Wert. Fragt sich nur, ob bei anhaltend milder Witterung der gute Trend fortgeschrieben werden kann? Wie immer müssen wir uns in Geduld üben und den Frühling abwarten. Egal wie sich der Winter noch entwickeln wird, die Imker freuen sich bereits auf das neue Bienenjahr.

von Götz Schaub

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