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In der Brutzeit gilt die Leinenpflicht

Südkreis-Kommunen appellieren an Hundehalter In der Brutzeit gilt die Leinenpflicht

Der Frühling ist da, und mit ihm hat die Brut- und Setzzeit für Wildtiere begonnen. Städte und Gemeinden rufen Hundehalter zur Rücksichtnahme auf, damit weder Wildtiere noch Hunde Schaden nehmen.

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Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter brauchen in dieser Jahreszeit besonderen Schutz und sind durch nicht angeleinte Hunde gefährdet.

Quelle: Archivfoto

Südkreis. Allgemein gilt im Frühling eine besondere Aufsichtspflicht für Hunde im freien Feld. Die heimischen Kommunen setzen dabei weniger auf scharfe Verordnungen als vielmehr auf ein verantwortungsvolles Handeln der Hundehalter. Denn mit dem Frühling beginnt auch die Schonzeit für Wildtiere, in der trächtige Rehe, Kitze oder brütende Vögel besonders gefährdet sind – freilaufende Hunde müssen nicht, können aber eine Gefahr für den Nachwuchs darstellen.

Regelmäßig machen im Frühling grausige, blutige Berichte über jagende Hunde und getötete Rehkitze die Runde. Vom flüchtigen Vierbeiner, der „nur“ am Boden brütende Vögel wie Rebhuhn, Lerche oder Wachtel aufstöbert, bis zum jagenden Raubtier, das trächtiges oder neugeborenes Wild über Feld, Wald und Straße hetzt oder das versteckte Rehkitz stellt. Im schlimmsten Fall bedeutet das den Tod des Wildtieres oder auch des wildernden Hundes, der im Ernstfall von einem Jäger erschossen werden darf. Damit dies nicht passiert, ist gerade im Frühling Vorsicht geboten.

Das liebste Haustier kann zum Jäger werden

Die Gemeinden Weimar, Fronhausen und Ebsdorfergrund appellieren derzeit, wie viele andere Kommunen und Städte, verstärkt an die Hundehalter, ihre vierbeinigen Begleiter in den nächsten Wochen und Monaten auf freiem Feld an die Leine zu nehmen. Denn auch der liebste Bello – in den eigenen vier Wänden der wohlerzogene Engel mit dem Temperament einer Schlaftablette – kann zum Schrecken für brütende, trächtige oder junge Wildtiere werden.

Einen generellen Leinenzwang gibt es in Hessen dabei nicht. Allgemein gilt die Leinenpflicht hauptsächlich an öffentlichen Orten, Plätzen oder bei Versammlungen. Auf freiem Feld und Flur ist die Leine nicht verpflichtend. (Ausnahmen bilden die als sogenannte „gefährliche Hunde“ eingestuften Tiere.)

Appell an Hundehalter: Veranstwortungsvolles Mitdenken

Manche Städte und Gemeinden erstellen im Rahmen der Gefahrenabwehrverordnung wiederum eigene, mehr oder weniger strenge Vorschriften für das Führen von Hunden. Wie die Gemeindeverwaltungen von Ebsdorfergrund, Weimar und Fronhausen auf OP-Nachfrage mitteilten, setzten die heimischen Kommunen vor allem auf ein verantwortungsvolles Mitdenken der Hundebesitzer und appellieren an den gesunden Menschenverstand.

Fronhausen weist sogar auf der Gemeinde-Homepage auf die Brut- und Setzzeit hin und ermahnt alle Halter, zwischen dem ersten März und dem 15. Juni ihre Hunde auch außerhalb der Ortslage an der Leine zu führen. „Es ist keine Pflicht, aber eine strikte Empfehlung – die Leute sollten Verständnis dafür haben“, sagt Sabine Becker vom Ordnungsamt Fronhausen. Gerade während dieser sensiblen Zeit für Wildtiere bestehe eine erhöhte Gefahr für Konflikte. Auch die Jagdpächter der Gemeinde würden darauf hinweisen, dass ein wildernder Hund im Ernstfall geschossen werden kann, wenn er eine sichtliche Gefahr für das Wild darstellt.

Schulz verweist auf Leinenpflicht im Gesetz

Weimar und Ebsdorfergrund verzichten auf eine feste Terminierung, nehmen die Hundehalter dennoch in die Pflicht der Eigenverantwortung. Während Weimar keinen speziellen Leinenzwang verfügt hat, verweist Bürgermeister Andreas Schulz auf eine sich bereits aus dem Gesetz ergebende Leinenpflicht im Frühling für Ebsdorfergrund. „Diese Zeit ist eine besondere Situation, Hunde dürfen in der Feldgemarkung nicht frei laufen gelassen werden“, so Schulz.

Neben einem eigenverantwortlichem Handeln ergebe sich diese Verpflichtung schon alleine aus dem Gesetz zur Gefahrenabwehrverordnung, das ein allgemeines Gebot der Rücksichtnahme beinhaltet: Im Paragrafen eins der „Hessischen Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“ (HundeVO) heißt es: „Hunde sind so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. Sie dürfen außerhalb des eingefriedeten Besitztums der Halterin oder des Halters nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden.“

Vierbeiner gehören  während der Schonzeit an die Leine  

Die Gemeinde verzichtet auf eine eigene Regelung, doch beinhalte alleine dieser gesetzliche Passus schon von Rechts wegen die Pflicht, den Vierbeiner während der risikoreichen Schonzeit für Wildtiere an die Leine zu nehmen, so Schulz. „Wir setzen auf Eigenverantwortung der Hundehalter, entsprechend Rücksicht auf die Tierwelt zu nehmen.“ Es gebe zwar einige Hundebesitzer, die sich nicht daran halten, doch seien das „nur einige wenige – dafür wollen wir nicht alle Halter in Sippenhaft nehmen“.

In jedem neuen Jahr spaltet das Thema Leinenpflicht die Geister. Generell steht fest: Der Jagdtrieb ist dem Hund angeboren, dafür kann des Deutschen liebstes Haustier nichts. In der Pflicht steht der Halter, der dafür Sorge zu tragen hat, dass weder der Hund eine Gefahr für seine Umgebung darstellt, noch dass dem Tier aufgrund fehlendem Verantwortungsbewusstsein des Menschen ein Leid geschieht.

von Ina Tannert

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