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In Niederweimar traut man sich

Alte Kirche liegt im Trend In Niederweimar traut man sich

Kurz vor Jahresende macht es Weimar dreistellig: 100 Trauungen verzeichnete die kleine Gemeinde in diesem Jahr. Beliebtester Ort, um den Bund für das Leben zu schließen, ist die Alte Kirche Niederweimar.

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Winterhochzeit in Niederweimar: Verena und Christian Haack, hier mit Tochter Frieda, gaben sich in der Alten Kirche das Jawort. Es war die 100. Trauung in der Gemeinde Weimar in diesem Jahr.

Quelle: Ina Tannert

Niederweimar. Von den 100 Hochzeiten wurden im Jahresverlauf alleine 81 Zeremonien in dem kleinen historischen Bau begangen, der keine Kirche mehr im eigentlichen Sinne ist.

Musik schallt aus dem hübschen Sandsteinbau, im Inneren herrscht fröhlicher Trubel, rund 50 Hochzeitsgäste treffen letzte Vorbereitungen. Vor dem spätgotischen Portal aus Sandstein steht ein sichtlich aufgeregtes junges Paar, das an diesem frostigen Wintertag den Bund für‘s Leben eingehen möchte. Nervös lächeln sich Braut und Bräutigam an, begrüßen letzte Gäste und warten auf den Beginn der Zeremonie.

Alte Kirche: Ein attraktiver Ort zum Heiraten

Als eines der letzten Paare in diesem Jahr gaben sich am vergangenen Samstag Verena Romankiewicz und Christian Haack in der Alten Kirche das Jawort. Der 32 Jahre alte Bräutigam und seine drei Jahre jüngere Gattin sind vor kurzem nach Marburg gezogen, fanden jedoch keinen Platz mehr in den Kirchen der Universitätsstadt. Schnell stieß das Paar auf die Alte Kirche in der Nachbargemeinde und verliebte sich gleich ein bisschen in das Bauwerk.

„Es ist ein sehr attraktiver Ort und ein besonderer Platz, gerade zum Heiraten toll“, erzählte die etwas nervöse Braut an ihrem großen Tag. Gemeinsam mit Tochter Frieda auf dem Arm schreitet das glückliche Paar durch das Portal ins Innere, durchquert den kurzen Mittelgang, wo in den vergangenen Jahrhunderten zahlreiche Gläubige ein- und ausgingen. An den ursprünglich romanischen Bau erinnern heutzutage nur noch Überbleibsel der Vergangenheit.

Mit historischem Charme ist der rechteckige Saalbau mit quadratischem Chorturm dennoch allemal. Als eigentliche Kirche wird der restaurierte Sandsteinbau allerdings schon lange nicht mehr genutzt, es gibt keine Gottesdienste mehr, es wird auch nicht mehr kirchlich geheiratet. Eine Hürde ist das bei weitem nicht für alle Heiratswilligen.

Standesamtliche Trauungen in der Kirche

Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall: Selbst in Zeiten, in denen sich immer weniger Menschen als aktive Gläubige begreifen oder gar keiner Konfession mehr angehören, empfinden dennoch viele das klassische Ambiente einer Kirche als passend für eine Hochzeit. „Viele Paare sind nicht mehr in der Kirche, möchten aber trotzdem eine entsprechende Zeremonie – Kirche gehört einfach dazu und es ist eine schöne Location“, erzählt die Weimarer Standesbeamtin Rita Rohrbach. In der Alten Kirche Niederweimar darf seit rund zehn Jahren auch standesamtlich getraut werden – für viele Heiratswillige ein ausschlaggebender Punkt, auch für die Familie Haack.

Das Paar sitzt mittlerweile glücklich vor dem großen Altar, im Kreise der Trauzeugen, Familien und Freunde. „Ja, ich will“, sagen beide, und lächeln sich an. Als erste gratuliert die Standesbeamtin zur Vermählung.

Seit fast 40 Jahren traut Rita Rohrbach in der Gemeinde Weimar. „Die Alte Kirche ist eine schöne Alternative mit besonderem Charme, die sich mittlerweile weit herumgesprochen hat“, berichtet die Standesbeamtin. Bis 1974 wurde das Gebäude als Gemeindezentrum genutzt, später aufwendig saniert. Seit den 1980er-Jahren kümmert sich der Förderverein Alte Kirche Niederweimar um das Gebäude, heute ein beliebter Ort für kulturelle Veranstaltungen und, seit 2005, eben Hochzeiten.

Im ersten Jahr nutzten lediglich fünf Paare das neue Angebot – heute, mehr als zehn Jahre später, sind es 100. Eine große Zahl für eine Gemeinde von rund 7000 Einwohnern. Viele Heiratswillige kommen mittlerweile von außerhalb, so wie das frischgebackene Ehepaar Haack. Schon jetzt verzeichnet das Standesamt fast 40 Buchungen für das kommende Jahr.

von Ina Tannert

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