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Im Sommer wird gedroschen wie früher

Niederwalgern Im Sommer wird gedroschen wie früher

Über ihre Neuerwerbung, eine noch funktionstüchtige Dreschmaschine der Firma Carl Geringhoffaus Ahlen, freuen sich die Landtechnikfreunde aus Niederwalgern.

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Die Landtechnikfreunde mit ihren Gästen vor der Neuerwerbung, die voll funktionsfähige Dreschmaschine aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts.Foto: Ingrid Lang

Niederwalgern. Die Dreschmaschine, die wohl Anfang der 50er Jahre gebaut wurde, und deren Eigentümer die Stadt Wismar war, wurde den Landtechnikfreunden, die in Kooperation mit dem Heimatverein „Hinz Hob“ in Weidenhausen wirken, übergeben. Da es dem Holz-und Technikmuseum in Wettenberg an Personal fehlte, übernahmen die Landtechnikfreunde jetzt die Dreschmaschine.

Die Landtechnikfreunde um Hans-Heinrich Heuser, Reinhold Deutsch, Konrad Meier und Richard Kreschner zeigten sich begeistert von dem Gerät, das keine Eisenräder mehr hat, sondern schon gummibereift ist. Die Dreschmaschine ist noch voll funktionsfähig und wird über Winter von den Freunden hergerichtet, so dass sie im Sommer bei der Ernte zum Einsatz kommen kann.

Schon jetzt freuen sich die Freunde, dass sie die Maschine auf dem Jubiläumsfest in Kehna vorführen können. Dazu haben sie bereits Getreide in einem dicht verschlossenen Container bei der Firma Hof eingelagert, um es vor der eigentlichen Ernte dreschen zu können. Stolz sind die Kameraden auch auf die Wasserwaage, die wichtig war, wenn die Dreschmaschine aufgestellt wurde, denn die Maschine musste genau in der Waage stehen.

An der Dreschmaschine ist auch ein Sackheber zu sehen, der nachträglich angebracht wurde, um dem Träger das Anheben der vollen Getreidesäcke, die teilweise bis zu eineinhalb Zentner und mehr wogen, zu erleichtern.

Angetrieben werden kann die Dreschmaschine über einen Flachriemen mit dem Lanz-Bulldog oder über einen Starkstromanschluss. Die Freunde führten den Besuchern, zu denen auch Rainer Bastian und Jochen Becker sowie weitere Mitglieder vom Heimatmuseum Weidenhausen zählten, den Ablauf vor. Nachdem die Dreschmaschine die richtige Drehzahl erreicht hatte, begann früher der Arbeitsablauf mit dem Einlegen der Garben. Die Getreidekörner wurden in große Säcke gefüllt und die Spreu über das Kaffrohr ausgeblasen. Die Spreu sammelte sich zu einem großen Haufen, während das Stroh selber, in große Bunde gepresst, die Maschinen über die Stangenführung rutschend auf den Boden verließ.

Bei den Großbauern wurde damals in der Scheune gedroschen, während sich die Kleinlandwirte auf einem Dorfplatz zum Dreschen trafen. Die Arbeitsstunde mit der Dreschmaschine betrug im Jahre 1955 etwa 8 Mark, während die Kleinbauern zirka 30 Pfennige pro Dreschminute zahlten.

Ausgerüstet ist die Dreschmaschine mit Treibrädern und Antriebsriemen. Das Arbeiten auf und um die Dreschmaschine war eine sehr staubige Angelegenheit, so dass jeder Helfer sich freute, wenn das Getreide endlich gedroschen war.

Die Landtechnikfreunde aus Niederwalgern wollen mit ihren alten landwirtschaftlichen Geräten den Menschen die Arbeit in den fünfziger und sechziger Jahren wieder näherbringen. Dazu veranstalten sie jedes Jahr einen Erntetag und präsentieren die Feldarbeit. Dazu gehört auch die Kartoffelernte. Der Verein hat schon eine kleine Dreschmaschine, alte Holzpflüge, Holzwagen, einen Grubber, eine Kartoffelsetzmaschine sowie einige Traktoren. Zudem stellen die Traktorfreunde Lohra, die im kommenden Jahr am 8. und 9. August ihr Jubiläum feiern, dort immer ihre Traktoren aus.

Wer Interesse hat und die Dreschmaschine zu einer Vorführung bei einer Veranstaltung präsentieren möchte, kann sich gerne an die Landtechnikfreunde wenden, zum Beispiel über Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser.

von Ingrid Lang

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