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Honiggeld finanziert die Schul-AG

Heskem Honiggeld finanziert die Schul-AG

Früh übt sich, wer sein Fach beherrschen will: An der GSE wird ungezwungen die Lust an der Bienenhaltung geweckt. Zehn Schüler sind jede Woche mit Eifer dabei.

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Cedric Neumann (von links), Sebastian Röder, Christopher Michel, Sebastian Luca Hausner Roy und Philipp Schmidt kontrollieren ihr Volk auf Weiselzellen. Links: Luca Graf (vorne) und Sebastian Röder entdeckeln die Honigwabe, damit sie geschleudert werden kann.Fotos: Martina Becker, Privatfoto

Heskem. Ob Peter Lustig mit seiner Sendung „Löwenzahn“ in den 80er und 90er Jahren oder Willi Weitzel mit „Willi will´s wissen“ in jüngster Vergangenheit - das Thema Bienen war schon immer ein Filmbeitrag wert. Und Sympathieträger ist das kleine nützliche Insekt sowieso, seit die Biene Maja erstmals durchs Fernsehbild flog.

Diese Fernsehsendungen können den Umgang und das Hantieren mit einem echten Bienenvolk allerdings nicht toppen. Einmal selber Imker sein, das ist genau das richtige für naturinteressierte Kinder. So wirkt es zumindest, wenn man mal bei der Bienen-AG an der Gesamtschule Ebsdorfergrund Mäuschen spielt. Im Wahlunterricht montagnachmittags betreuen hier zehn Kinder der Klassen fünf und sechs zwei Bienenvölker.

Da das Thema jahresfüllend ist, läuft das Angebot beide Schulhalbjahre durch und mündet im Höhepunkt des Bienenjahres - dem Schleudern von Honig. Bevor es aber soweit ist, machen die Bienenvölker auch eine ganze Menge Arbeit. Es werden beispielsweise Holzrähmchen gebaut, in die dann die Bienenwachswaben eingepasst werden. „Es darf kein Draht mehr freiliegen, damit sich die Bienen nicht verletzen“, erklärten die Schüler. In diesem Halbjahr treffen sich zu dem Wahlunterricht ausschließlich Jungen, was aber eher ein Zufall sei, meinte die Lehrerin Zita Sprengard. Die zwei Stunden unterteilen sich in der Regel in theoretischen Unterricht, der im Klassenraum stattfindet sowie das Arbeiten an den Völkern auf dem Gelände der Schule.

Im Moment ist die Zeit, in der die Waben nach Weiselzellen, sogenannten Schwarmzellen abgesucht werden. In diesen Zellen werden neue Königinnen gezogen. Sie müssen entfernt werden. „Tut man das nicht, kann es passieren, dass die alte Königin mit einem Teil des Bienenvolks ausschwärmt. „Eine solche Schwächung des Volkes will der Imker natürlich nicht“, erklärten die fachkundigen Schüler.

Tüchtiges Bienengewimmel herrscht derweil vor dem Flugloch. Angst vor einem Stich hat dennoch keiner der Jungen, schließlich sind sie alle mit der nötigen Schutzkleidung ausgestattet. Auf die Frage, was die Motivation für die freiwillige Teilnahme an dem Schulangebot sei, gab es nur eine Antwort. Das sei einfach ein sehr interessantes Thema, war man sich einig. „Ich habe selber schon zwei Völker und möchte mich hier noch ein bisschen weiterbilden“, so Lukas Graf aus Mölln.

Ermöglicht haben dieses naturnahe Lernen eine Reihe von Personen, allen voran die Biologielehrerin Sprengard. Selber Hobbyimkerin, rief sie das Projekt vor vier Jahren ins Leben. Sie bringt das notwendige Maß an Leidenschaft und Wissen mit und freut sich über das Interesse der Jugend: „Was will man als Lehrer mehr, als dass die Schüler freiwillig ihre Freizeit schenken?“ Unterstützt wurde das Projekt auch von einigen Imkern aus der Gemeinde, die selbst Kinder an der Schule haben. Sie stellten ihr Knowhow sowie Material zur Verfügung. „Sogar eine Honigschleuder hat man uns geschenkt“, freute sich Sprengard. Zudem gab es Hilfe vom Elternverein sowie eine Anschubfinanzierung durch die Schule. Die Anschaffungskosten für ein solches Hobby sind nicht unerheblich. Jüngst kam noch ein Schaukasten hinzu. Hier kann man die Arbeiterbienen, die Drohnen sowie die Königin beobachten. „Dieses Objekt wird auch fleißig von Kindergärten und Grundschulen aus der Gemeinde genutzt“, erzählte Sprengard. Die Firma Preis aus Niederklein hat die Sicherheitsverglasung dafür gespendet.

Grundsätzlich soll sich dieses schulische Angebot selber tragen. Das tut es mittlerweile auch, denn der geschleuderte Honig, sowie die Bienenwachskerzen, die im Winter gebastelt werden, werden an Elternsprechtagen verkauft. „Da bleibt kein Glas und keine Kerze übrig“, erzählte die Gruppe stolz. Zu schätzen weiß man die Leistung aber eigentlich erst, wenn man weiß, dass die Bienen für fünfhundert Gramm Honig eine Wegstrecke zurücklegen, die dreimal um die Erde reicht. Dies und noch viel mehr erfahren die Schüler ganz lebensnah in ihrer AG.

von Martina Becker

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