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Hilfe für die „vergessenen“ Katzen

Verwilderte Streuner Hilfe für die „vergessenen“ Katzen

Nach Schätzungen der Tiernothilfe Tasso leben in Berlin mehr herrenlose streunende Katzen als die Stadt Marburg menschliche Einwohner hat. Und auch hierzulande gibt es viele verwilderte Katzen.

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Verwilderte Katzen sind im Kern alle Hauskatzen, manchmal gar Rassekatzen, die nicht ganz der Norm entsprachen und deshalb ihre Bleibe verloren. Verwilderte Katzen sind aber keinesfalls mit den sehr selten vorkommenden Wildkatzen gleichzusetzen.

Quelle: Privatfoto

Ebsdorfergrund. Streunende Katzen. Sie leben mitten unter uns. Man sieht sie allerdings nur selten, weil sie menschenscheu sind, sich bei der geringsten Bewegung „unsichtbar machen“.Von der Anzahl her dürften sie aber den gepflegten Hauskatzen überlegen sein. Denn immer wieder landet ungewollter Katzen-Nachwuchs auf der Straße und wird sich selbst überlassen.

Sabine Bender-Wehn aus Ebsdorfergrund, dort vielen auch als die „Katzenfrau“ bekannt, hat es sich schon seit knapp 30 Jahren als ehrenamtlich tätige Tierschützerin zur Aufgabe gemacht, das Leid streunender Katzen zu lindern und darüber hinaus herrenlose Katzen kastrieren zu lassen, damit nicht noch mehr verwilderte Hauskatzen geboren werden, die auf sich alleine gestellt sind.

Im Laufe eines Jahres kommen da mal leicht 100 Tiere zusammen, die Bender-Wehn kastrieren lässt. Nicht auszumalen, was mit der Katzenpopulation jenseits der menschlichen Wärme in ihrer Heimatgemeinde Ebsdorfergrund passieren würde, wenn sie es nicht täte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jede Kastration Geld kostet. „Wir versuchen das über den Verein zu regeln, aber die Mittel sind begrenzt“, sagt Sabine Bender-Wehn. Mit Verein meint sie den TSV Sorgenfelle Reiskirchen. Mit TSV ist natürlich Tierschutzverein gemeint. Einige Mitglieder des TSV Sorgenfelle kümmern sich ehrenamtlich auch um verwilderte Katzen.

Tierärzte kommen Tierfreundin entgegen

„Tierheime können definitiv keine verwilderten Katzen aufnehmen. Der Stress ist für diese Tiere so enorm, dass sich eine Unterbringung im Tierheim aus tierschutzrechtlichen Gründen regelrecht verbietet“, sagt Bender-Wehn.

Die Tierärzte, mit denen Sabine Bender-Wehn zusammenarbeitet, seien alle sehr entgegenkommend und kulant. Eine Kastration kostet immerhin über 100 Euro. Für den einzelnen Katzenbesitzer eigentlich eine zu machende und auch lohnende Ausgabe, wenn er sicher sein will, nicht plötzlich einen Korb voll junger Katzen zusätzlich zu bekommen und dies bis zu dreimal im Jahr. Bei freilaufenden Katern wäre es eine moralische Pflicht, diese kastrieren zu lassen, damit sie weder streunende Katzen noch die Katzen von anderen Katzenbesitzern ungewollt mit Nachwuchs segnen, meint Bender-Wehn.

Doch aus ihren Erfahrungen allein nur in der Großgemeinde Ebsdorfergrund weiß sie, dass das alles nur fromme Wünsche sind. Immer und immer wieder tauchen neue verwilderte Katzen auf. Sich um alle kümmern zu wollen, ist ein Fass ohne Boden. Die Tiere sind nicht schuld an ihrer Lage, sie sind nur das lebende Produkt menschlicher Gefühlskälte, menschlichen Geizes und menschlicher Ahnungslosigkeit. Sabine Bender-Wehn kauft für die herrenlosen Katzen Futter, das an bestimmten Plätzen zu bestimmten Zeiten angeboten wird. „Die Katzen kriegen das schnell raus, wann sie wo zu einem Futterplatz kommen müssen“, sagt Bender-Wehn.

Spender von Tierfutter gesucht

Das Futter kauft sie in Säcken, für fünf Säcke im Monat sind 100 Euro fällig. Für die Frührentnerin Geld, das sie sich selbst abspart. Manchmal helfen ihr andere Menschen aus. „Ich versuche, transparent darzustellen, dass ich Geldspenden auch wirklich nur für das Katzenfutter verwendet habe“, sagt Bender-Wehn. Das, was sie macht, übersteigt schon lange ihre finanziellen Möglichkeiten. Sie möchte aber nicht aufhören, den Tieren zu helfen, ihr Leid zu minimieren, Katzen vorsorglich kastrieren zu lassen.

Für die Bestückung der Futterplätze in Ebsdorfergrund sucht sie deshalb „dringend Paten, welche regelmäßig 20 Euro pro Monat für einen Sack Trockenfutter sponsern würden“, so Bender-Wehn. Ebenso erhofft sie sich Patenschaften für noch offene Tierarztkosten. Um dem Grundproblem Herr werden zu können, müssten Katzenbesitzer stärker kontrolliert werden, findet sie. Kommunen sollten Katzenbesitzer dazu bringen, ihre Katzen kastrieren zu lassen.

Sabine Bender-Wehn kann viele Geschichten erzählen. Viele traurige, aber auch einige anrührende. Nun hofft sie auf finanzielle Hilfe, um ihre Arbeit im gewohnten Umfang fortsetzen zu können.

Hintergrund: Der TSV Sorgenfelle ist ein in Reiskirchen ansässiger Verein, dessen Mitglieder sich um Katzen und Hunde kümmern, die zunächst niemand haben möchte. Der Verein sorgt für die Tiere und vermittelt Pflegeplätze. Mehr im Internet unter www.tsv-sorgenfelle.de

  • Sabine Bender-Wehn kümmert sich ehrenamtlich um verwilderte Katzen und ist erreichbar unter 06424/4103.

von Götz Schaub

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