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„Hier wird fahrlässig Gefahr produziert“

Radlerbrücke Bellnhausen „Hier wird fahrlässig Gefahr produziert“

1989 im Zuge des Neubaus der B 3a als Provisorium gebaut, befindet sich die Holzbrücke, über die Nutzer des Lahnradweges bisher die Zwester-Ohm überquerten, in einemabbruchreifen Zustand.

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Die Sperrung der Holzbrücke zwischen Bellnhausen und Sichertshausen sorgt für Ärger.Foto: Götz Schaub

Sichertshausen. Jahrelang war alles gut in Sichertshausen. Der überregionale Verkehr rollt nun fern des Ortes vorbei. Und obgleich auf der K 61 nur noch stark begrenzter lokaler Verkehr vorherrscht, strampelten die Radfahrer lieber sicher auf dem parallel dazu gebauten Fahrradweg ihren Zielen entgegen.

Seit wenigen Wochen ist die Holzbrücke über die Zwester-Ohm voll gesperrt. Radfahrer werden per Schilder dazu aufgefordert, von der Bellnhäuser Mühle bis zur viel befahrenen L 3048 direkt die K 61 zu benutzen. „Ein Unding“, befindet Lothar Mücke, Erster Beigeordneter der Gemeinde Fronhausen. Er selbst stammt aus Bellnhausen, ist oft und gerne mal mit dem Rad unterwegs und weiß die Vorzüge der Radwege sehr zu schätzen. „Hier wird fahrlässig Gefahr produziert“, sagt er. Die Brücke sei einfach gesperrt worden, ohne für die Radfahrer eine sichere Alternative, etwa eine abgetrennte Spur auf der danebenstehenden Autobrücke zu schaffen.

Mücke steht mit seiner Meinung nicht alleine. Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber hat bereits einen Brief an Landrat Robert Fischbach geschrieben. Er sieht den Kreis in der Verantwortung, um die Radfahrer wieder ausreichend zu schützen. Im Klartext erwartet Weber die umfassende Sanierung der Brücke.

Anfang April hatten der Landkreis und Hessen Mobil in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, dass die Brücke - eine reine Holzkonstruktion - aus Verkehrssicherungsgründen gesperrt werden muss. „Das Bauwerk weist erhebliche Schäden in Form von Pilzbefall und Fäulnis auf“, heißt es und: „Ein Neubau ist nicht vorgesehen.“

Dr. Markus Morr, Sprecher des Landkreises sagt: „Zur Zeit werden Möglichkeiten untersucht, wie die Radfahrer künftig entlang der Fahrbahn geführt werden sollen. Bis zur Entscheidung müssen die Radfahrer den Radweg kurz hinter der Kreuzung L 3048 / K 61 verlassen und auf der Kreisstraße Richtung Sichertshausen fahren.“

Weber kann darüber nur den Kopf schütteln. „Die Brücke ist planfestgestellter Bestandteil des Lahnradweges. Er ist ein überregional bedeutendes Aushängeschild für den Tourismus des Kreises und wird an schönen Tagen von bis zu 500 Radfahrern genutzt.“ Und dann wird er richtig ungemütlich: „Wir haben gerade die mit hohem finanziellen Aufwand sanierte historische Lahnbrücke Sichertshausen wieder geöffnet, nur um dann zu erfahren, dass die nächste Brücke nicht nur gesperrt, sondern auch nicht mehr erneuert werden soll.“ Weber spricht von einem Schildbürgerstreich des Kreises. Und wird noch deutlicher: „Der Kreis ist seiner Unterhaltungspflicht in keiner Weise nachgekommen.“

So sehen das auch Lothar Mücke und Sichertshausens Ortsvorsteher Reinhard Lauer. Die Lösung sei perfekt gewesen, jetzt habe der Kreis durch die unterlassene Pflege der Brücke für eine deutliche Verschlechterung der Situation gesorgt. Sicher sei der Verkehr nicht mit früher zu vergleichen, als die B3 noch durch Sichertshausen führte. Aber jeder Verkehr auf der Straße sei eine Gefahr für Radler. Erst recht, wenn die nicht darauf vorbereitet sind, plötzlich die Straße nutzen zu müssen. Beim Ortstermin an der Brücke zeigt Fronhausens Bauamtsleiter Michael Esken auf, dass die Brücke völlig sich selbst überlassen wurde. „Wenn wir uns so etwas als Gemeinde Fronhausen leisten würden, würde uns der Kreis als Bauaufsichtsbehörde ganz schnell auffordern, alles zu tun, um den Missstand abzuarbeiten. Er selbst kann offensichtlich ganz anders handeln.“

Lauer sagt: „Für Kinder ist das hier nicht leicht auf der Straße zu fahren. Hier fahren Busse und auch Autofahrer sind hier oft nicht mit 60 unterwegs.“ Kaum hat er das gesagt, fährt ein Auto vor. Ein Frau steigt aus und sagt: „Wo ich Sie alle hier an dieser Brücke stehen sehe, habe ich mir gedacht, Ihnen mitzuteilen, wie diese Sperrung von meinem Kind beurteilt wird. Mein Kind hat mir gesagt, dass es Angst hat, hier die Straße nutzen zu müssen.“

Mücke sieht sich bestätigt. Insbesondere auf der Auto-Brücke gibt es für Radfahrer und Fußgänger keine Ausweichmöglichkeit. Beide Seiten sind mit Leitplanken versehen. „Hier sind auch Schüler, die mit dem Bus kommen und nach Bellnhausen rüber laufen, gezwungen, die Straße zu nutzen“, sagt Mücke, Lauer bestätigt dies. Er sagt: „Das ist kein Zustand, muss denn immer erst was passieren, bis man reagiert?“

Mücke sieht auch den Kreis in der Verantwortung. Die Brücke hätte gepflegt werden müssen, dann wäre sie noch lange nutzbar gewesen und man hätte sich auf den Bau einer endgültigen Brücke schon längst finanziell vorbereiten können. So sei das nur ein Schlag ins Gesicht für alle Radfahrer, die glauben, sie könnten über den Lahnradweg sicher durch die Gemeinde Fronhausen radeln.

Bürgermeister Weber wartet noch auf Antwort von Robert Fischbach, der zuletzt im Urlaub weilte. Lothar Mücke will heute als Kreistagsmitglied die Chance ergreifen und das Thema in der Kreistagssitzung erörtern.

von Götz Schaub

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