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Heidschnucken helfen Orchideen

Auf dem Gebrannten Berg Heidschnucken helfen Orchideen

Gucken ist erlaubt, pflücken oder gar ausbuddeln definitiv verboten. Denn alle einheimischen Orchideen stehen unter Naturschutz und sollten dementsprechend behandelt werden.

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Rudolf Lehr vom OHGV Dreihausen (links) sowie Uwe Krüger und Armin Knebel von der UNB begutachten die Orchideen auf dem Grundstück des OHGV am gebrannten Berg.

Quelle: Götz Schaub

Dreihausen. Der Oberhessische Gebrigsverein (OHGV) Zweigverein Dreihausen besitzt auf dem Gebrannten Berg bei Dreihausen eine gut ausgestattete Schutzhütte, an oder in der schon manche Wandergesellschaften schöne gesellige Stunden verbracht haben.

Rund 40 Paare aus dem Verein sorgen im Wechsel dafür, dass die Hütte in der Regel jeden Sonn- und auch Feiertag zwischen 13 und 19 Uhr geöffnet hat. Das Grundstück drumherum lädt bei gutem Wetter dazu ein, Heimatkunde per Fernsicht zu betreiben. Freie Sicht zum Rimberg oder Dünsberg und darüber hinaus bis in angrenzende Bundesländer. Ruhebänke laden zudem dazu ein, die Natur zu genießen und seinen Gedanken nachzuhängen.

Doch derzeit sind Teile des Grundstücks mittels einer mobilen Zaunanlage eingezäunt worden. Wozu das? Antwort geben kann Rudolf Lehr, Vorsitzender des OHGV-Zweigvereins: „Auf einem Teilgebiet wachsen hier Orchideen, denen wir hier natürlich gerne ihren Lebensraum erhalten wollen.“

Der Zaun soll aber nicht nur Menschen davon abhalten ausufernden Orchideen-Tourismus zu betreiben, er soll nicht nur ausschließen, sondern auch einschließen, nämlich Heidschnucken. Sie gehören einem örtlichen Landwirt und haben dort eine Mission zu erfüllen.

Ganze Armeen von wilden Austrieben

Sie sollen fressen – natürlich nicht die Orchideen, sondern andere Pflanzen, die den Orchideen sonst durch Überwucherungen das Leben echt schwer bis unmöglich machen würden. Und in der Tat, wer genau hinschaut oder als etwas Ungeübter von Rudolf Lehr sanft drauf aufmerksam gemacht wird, stellt dann doch sehr rasch und erstaunt fest, zu was Obstbaumwurzeln in der Lage sind, obgleich es den Baum gar nicht mehr gibt.

Ganze Horden von wilden Austrieben sprießen munter, aber nicht gewollt, wie Armeen aus der Erde und wachsen dann schnell über das Gras und sämtliche anderen Pflanzen. „Hier, gerade auf dem abschüssigen Grundstück zu mähen, ist eigentlich nicht möglich“, sagt Lehr. Vielleicht mit der Sense? Ja, aber auch das kann er nicht als optimal bezeichnen. Schließlich bräuchte man dafür schon einige kräftige Helfer, und das nicht nur einmal, sondern dauerhaft. Die kann man sich aber sparen, wenn denn Heidschnucken vor Ort sind. Die sollen mit ihrem Appetit helfen, den Lebensraum für Orchideen zu erhalten.

Wachsender Verein für den Naturschutz

Der OHGV wurde in seinem Bestreben, etwas für den Naturschutz zu tun, von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf nicht nur mit Sachverstand, sondern auch mit Finanzspritzen unterstützt. So wurden 50 Prozent der Kosten für die Anschaffung des mobilen Elektrozauns übernommen wie auch die Hälfte der angefallenen Arbeitskosten für das Freiräumen von Gehölzen. „Das ist eine sehr lohnende Investition“, befindet Uwe Krüger von der UNB. Er nennt es einen Glücksfall, dass es dort viele Leute gibt, die sich mit dem Projekt identifizieren und sich entsprechend einbringen. So werde sehr viel für den Erhalt eines natürlich gewachsenen Biotops getan.

Die Obstbäume, von denen noch ein paar alte auf dem Gelände stehen, kamen hingegen nicht gerade von selbst auf den Gebrannten Berg. Lehr weiß es nicht bis ins letzte Detail, wie die Region einmal genutzt wurde, doch gebe es deutliche Anzeichen dafür, dass dort in früheren Jahren Beweidung stattgefunden hat und in diesem Zuge auch Obstbäume gepflanzt wurden. Dass das Projekt eine Zukunft hat, davon sind Lehr wie auch Krüger überzeugt. Lehr: „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren 30 neue Mitglieder hinzu gewonnen, und dabei handelt es sich nicht nur um etwas ältere Menschen. Wir liegen jetzt bei 230 Personen. Ich kann behaupten, dass wir ein wachsender Verein sind.“

von Götz Schaub

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