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Halter gerät bei Beißerei dazwischen

Aus dem Gericht Halter gerät bei Beißerei dazwischen

Weil sein kleiner Terrier einen anderen Hund attackierte und während der Beißerei dessen Halter in den Arm schnappte, musste sich ein Mann aus dem Südkreis nun vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

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So oder ähnlich wie auf unserem Themenfoto mag es sich abgespielt haben, als die beiden Hunde aus dem Südkreis ihre „Beißerei“ oder ihr „Gerangel“ hatten.

Quelle: Kai Remmers

Marburg. Der Rüde war Anfang August vergangenen Jahres durch das offene Hoftor des Grundstücks auf die Straße gelaufen und hatte sich auf den Hund des Nachbarn gestürzt, der gerade mit seinem Halter vorbei kam. Der zweite Rüde, ein größerer Jagdhund, wurde dabei mehrfach gebissen.

Während der kurzen Keilerei sprang und schnappte der Terrier mehrmals nach dem Kontrahenten. Als der angreifende Hund sich schließlich kurz zurückzog, beugte sich der Halter über sein Tier, um dessen Verletzungen zu untersuchen. Dadurch geriet er zwischen seinen Hund und den kleineren Rüden. Dieser sprang erneut vor und bekam den Arm des Mannes zu fassen. Er biss einmal zu und suchte dann das Weite.

Dabei erlitt der Geschädigte eine Bisswunde am Oberarm, die mehrere Wochen lang ärztlich behandelt werden musste. Er zeigte den benachbarten Hundehalter wegen Körperverletzung an.

Der angeklagte 61-Jährige stellte die Geschichte am Mittwoch anders da. Er gab zu, dass sein Hund zugebissen hatte, jedoch sei das Tier provoziert worden. Zudem hätten sich die Attacken gegen den anderen Hund gerichtet, nicht gegen den Menschen, der in die Beißerei geraten war.

Beide benachbarten Tiere, zehn und elf Jahre alt, kennen sich schon lange, hätten sich schon des Öfteren ein wenig „gekabbelt“. Jedoch sei es nie zu Bissen oder zu mehr als kleinen Streitereien unter Rüden gekommen.

Der Angeklagte warf dem Nachbarn vor, seinen Hund während der Auseinandersetzung massiv geschlagen und damit angestachelt zu haben. So habe er es über Dritte gehört. Denn er selbst hielt sich während des Hundestreits in seinem Haus auf. Von dem Vorfall erfuhr er erst, als der Nachbar im Anschluss bei ihm klingelte.

Er sei immer ein verantwortungsvoller Tierhalter gewesen, habe sein Hoftor immer fest verschlossen wenn sein Terrier frei auf dem Gelände herumlief, aber nicht, weil das Tier aggressiv sei, sondern damit es nicht herumstreunt.

Dass sein Hund rassetypisch gerne jagt, sei ihm bewusst, daher sicherte er auch an diesem Tag sein Gelände ab, bevor sein Hund das Haus verlassen durfte. Warum das Tor plötzlich offen stand, konnte er sich nicht erklären. „Es gab noch nie Zwischenfälle mit meinem Hund, er ist nicht bissig“, betonte der Angeklagte vor Gericht.

Zwischen den beiden Nachbarn sei es zudem nicht zum ersten Mal zu Konflikten gekommen, diverse Auseinandersetzungen und Anzeigen beim Ordnungsamt wurden nicht weiter vor Gericht erörtert.

Hund wurde inzwischen als gefährlich eingestuft

Der Geschädigte, der als Zeuge vor Gericht aussagte, wies den Vorwurf zurück, er habe das Tier geschlagen oder getreten. Er habe nur versucht, die beiden Rivalen zu trennen. Nachdem er sich bei seinem Nachbarn beschwerte, hätte dieser keinerlei Einsicht gezeigt und die Schuld ignorant von sich gewiesen, daher habe er ihn angezeigt.

Die Bisswunde sei tief gewesen, durch eine Entzündung habe er mehrmals den Arzt aufsuchen müssen, so der Zeuge.

Parallel zu dem Strafverfahren läuft daher ein weiterer Prozess wegen Schmerzensgeld gegen den Angeklagten. Wie und ob der Hund provoziert worden war, konnte vor Gericht nicht genau geklärt werden. Die Ordnungsbehörden haben den Hund aufgrund des Vorfalls mittlerweile als gefährlich eingestuft.

Im Laufe der Verhandlung versicherte sich das Gericht, dass es zu keinen weiteren Vorfällen gekommen war, der Hund sicher gehalten wird und suchte nach einer friedlichen Lösung des Konfliktes.

Eine hundertprozentige Sicherheit oder Berechenbarkeit eines Tieres gibt es nicht, sagte Strafrichter Thomas Rohner. Doch auch, wenn es sich in diesem Prozess um einen geringfügigen Fall handelte, sei für einen Freispruch zu viel passiert.

Die Beteiligten einigten sich darauf, das Verfahren wegen geringer Schuld und gegen eine Zahlung von 300 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig einzustellen.

von Ina Tannert

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