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Gut geölt und poliert durch den Winter

Motorrad winterfest machen Gut geölt und poliert durch den Winter

Für viele Motorradfahrer, ist seit Dienstag Winterpause. Wie man sein Bike fachgerecht einmottet und mit dem Motorrad  unbeschadet die „Eiszeit“ übersteht, verrät Konni Ammenhäuser.

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Seit Dienstag sind viele Motorradfahrer, die ihre Maschinen mit Saisonkennzeichen bis Ende Oktober angemeldet hatten, mit dem „Einmotten“ ihrer Gefährte beschäftigt. So auch Konni Ammenhäuser, der hier seinen „Café Racer“ pflegt, putzt und poliert.

Quelle: Hartmut Berge

Allna. Für Konni ist Motorradfahren Leidenschaft. Der Niederweimarer ist gerne und oft auf der Straße unterwegs, widmet aber auch der Pflege seiner Maschinen viel Zeit. Er besitzt eine Reihe von Motorrädern, die er nur in der warmen Jahreszeit bewegt, hat aber auch den Winter über zwei Maschinen angemeldet.

Für viele Motorradfahrer, ist seit Dienstag Winterpause. Wie man sein Bike fachgerecht einmottet und mit dem Motorrad  unbeschadet die „Eiszeit“ übersteht, verrät Konni Ammenhäuser.

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Von seinem über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungsschatz gibt er wichtige Tipps weiter. Als ich ihn in Allna besuchte, bereitet er gerade seine Suzuki GSX-R 1100 auf den „Winterschlaf“ vor. „Seit es dieses Motorrad gibt, habe ich immer mindestens eins davon besessen“, sagt er voller Begeisterung. Ein Original-Modell in Vollverkleidung, ohne jegliche Veränderungen, gehört zu seiner Sammlung.

Die Maschine, die er am Dienstag putzte, ölte und schmierte,­ ist eine zum Café Racer umgebaute GSX-R 1100, Baujahr 1987. Der Café-Racer-Kult komme aus England. „Serien Motorräder werden umgebaut, leichter gemacht und getuned“, erklärt er. Seine Maschine hat eine knallharte Sitzbank. Die sei gerade so bequem, dass man von Café zu Café fahren könne, berichtet Konny schmunzelnd.Bei seiner Suzuki hat er gerade einen neuen Winterreifen aufgezogen. „Das passt“, sagt er und erklärt, dass man die Maschine bei ausgebautem Hinterrad noch besser saubermachen könne.

Mit Polierwatte bringt er die Felgen auf Hochglanz.

Bezüglich der neuesten Pflege­mittel halte ihn ein Freund aus einem Fachgeschäft in Linden auf dem neuesten Stand, sagt er. Für die Grundreinigung benutzt er ein spezielles Waschgel, mit dem er die komplette Maschine einsprüht. Das lässt er einwirken und spritzt dann das Motorrad mit dem Strahl aus einem normalen Gartenschlauch ab. „Niemals einen Dampfstrahler verwenden“, warnt Konni­ und ergänzt: „Empfindliche ­Teile könnten dabei Schaden nehmen.“ Das Gleiche gelte für Hochdruckreiniger. Anhaftender Schmutz müsse komplett entfernt werden, denn der ziehe Feuchtigkeit an, und das führe unweigerlich zu Korrosionsschäden, warnt er.

Wenn die Maschine abgetrocknet ist, geht‘s an die Feinarbeit mit Mikrofasertuch. Vor der großen Wäsche hat Konni das Öl gewechselt. „Ich fülle einen Motorraumreiniger ein, lasse den Motor ordentlich warm laufen und lasse dann das Altöl ab“, sagt er und berichtet: Der Zusatzreiniger löse Stoffe, die ansonsten im Motorraum haften bleiben. In den Tank füllt er einen Kraftstoffsystemreiniger und lässt den Motor laufen.

Auf diese Weise würden betriebsbedingte Verschmutzungen und Verharzungen im Kraftstoffsystem entfernt – vom Tank bis zu den Brennräumen. Verklebungen im Vergaser- und Einspritzdüsenbereich, Verkokungsrückstände und Rußablagerungen würden entfernt,  beschreibt Konni. Den Stahltank seiner Maschine füllt er randvoll, um Kondenswasser keinen Raum zu bieten. Er verwendet ausnahmsweise hochwertigen Kraftstoff, „ohne Bio-Plörre“, wie er sagt. Damit meint er die Bio-Ethanol-Zusätze im ­gewöhnlichen Benzin.

Deshalb entleert er auch die Schwimmerkammern des Vergasers. Anderenfalls könnten Ablagerungen aus dem Kraftstoff Vergaserdüsen verkleben und verstopfen, weiß Konni. „Bei Maschinen mit Kunststofftank sollte das Benzin komplett abgelassen werden“, sagt er. Die lackierten Teile konserviert er mit einer Versiegelungspolitur „mit wenig Schleifpartikeln“.

Zur Bordausstattung der Ural gehört auch eine Handpumpe.

Kette, Kettenkranz und Ritzel hat er gesäubert und eingefettet. Um die Kette wickelt er dann alte OPs. Der Schutz aus Zeitungen verhindere, dass  während des Winters aufgewirbelte Staubpartikel am Fett haften bleiben, erklärt Konni.
Matt gewordene Metallteile­ bringt er mit Polierwatte auf Hochglanz, der besten Polierwatte, die es auf dem Markt ­gebe und die jeder Motorradbesitzer kenne, sagt er.
Auch für die Pflege empfindlicher Gummi- und Kunststoffteile benutzt er ein spezielles­ Pflegemittel. Damit behandelt er etwa den Ansaugstutzen und die Flanken der Reifen. Zur Reinigung, Pflege und Konservierung verwendet er auch WD 40. Dieses oder ein gleichwertiges Multifunktionsöl empfiehlt er für zahlreiche Arbeiten. Er schraubt die Zündkerzen heraus und gibt kurze Sprühstöße in den Brennraum, ölt damit die Schalter und Schlösser an seiner Maschine, „alles, was korrodieren kann“.

Er sprüht Öl in den Auspuff und verschließt ihn mit einem Lappen. Und er reinigt damit die Holme der Gabel, etwa von angetrockneten Mücken. Das verlängere  genauso die Haltbarkeit der Simmerringe wie das regelmäßige Einfedern der Gabel während der langen Standzeit.Die Batterie baut er aus und lädt sie alle sechs Wochen auf. Konni bockt die Maschine auf, sodass die Räder komplett entlastet sind, und er schickt seine hochwertigen Reifen mit einem Druck von 3,5 bar in den „Winterschlaf“, um Unwuchten und Verformungen vorzubeugen.

Ein hochwertiges Konservierungsspray schützt die Metallteile seines Ural-Gespanns und seiner ­Enduro vor Korrosionsschäden.

Metallteile schützt Konni mit einem Konservierungsspray, aber nur bei den Maschinen, die Temperaturschwankungen ausgesetzt sind und sich somit Kondenswasser bilden kann. Dieses Spray wendet er auf jeden Fall bei seinen Winter-Motorrädern an: einer Yamaha XT, die mit Saisonkennzeichen von Dezember bis März angemeldet ist, und einem 650er Ural-Gespann, Baujahr 1984.

von Hartmut Berge

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