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„Gut betrunken“ und außer Kontrolle

Aus dem Gericht „Gut betrunken“ und außer Kontrolle

Den Bogen weit überspannt hatte ein 19-Jähriger aus der Gemeinde Weimar, der immer wieder durch Gewalt aufgefallen war. Das Amtsgericht verhängte eine saftige Haftstrafe und eine Entziehungstherapie.

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Mit einer Eisenstange wie auf diesem gestellten Foto malträtierte ein junger Mann einen anderen. Unter anderem deswegen stand er jetzt vor Gericht.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Richter Thomas Rohner sprach vor dem Marburger Amtsgericht einen mittlerweile 19-Jährigen der zweifachen gefährlichen Körperverletzung, der zweifachen vorsätzlichen Körperverletzung und eines Diebstahls schuldig. Mit dem Urteil von zwei Jahren und drei Monaten Haft und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt folgte Rohner weitestgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Laut Anklageschrift standen drei der fünf Anklagepunkte in Zusammenhang miteinander. Am 17. Juli des vergangenen Jahres schlug der Angeklagte „zur Begrüßung“ mit einer Eisenstange auf einen jungen Mann ein. Dieser trug von diesem Angriff blaue Flecke davon. Das Display seines Mobiltelefons wurde außerdem beschädigt. Der als Zeuge auftretende Geschädigte sagte aus, dennoch nach dem Vorfall wie besprochen vom Angeklagten mit nach Weimar genommen worden zu sein.

Während eines gemeinsamen Abends mit Bier und Schnaps kam es dort zu einem weiteren Vorfall. Nach Aussage des Zeugen habe der Angeklagte im Verlauf des Gesprächs sehr aggressiv gewirkt und dann unvermittelt mit einer Flasche auf ihn geworfen.

Die Platzwunde über seinem Auge ließ das Opfer im Krankenhaus nähen. Dort hingefahren wurde er von der Exfreundin des Angeklagten, die ihn mit den anderen beiden beteiligten jungen Männern nur im Krankenhaus ablieferte und danach wieder nach Weimar zurückkehrte.

Als sie dort offenbar gemeinsam den Rucksack des Geschädigten näher in Augenschein nahmen, entdeckten sie dessen Hausschlüssel. Zu dritt fuhren sie nach Marburg zu der Wohnung des 22-Jährigen und stahlen dort eine Spielekonsole, einen Laptop, eine Jacke und einige andere Gegenstände. Die Erklärung des Angeklagten, er habe geglaubt, nur das Eigentum seines Begleiters aus der Wohnung des Geschädigten zu holen, glaubten weder Staatsanwaltschaft noch Richter.

Im September des vergangenen Jahres schlug der Angeklagte schließlich einem ihm völlig Unbekannten unvermittelt mit der Faust aufs Auge.

Als er am 16. Dezember, aus einer Bar in Marburg geworfen wurde, ging eine Gruppe Passanten an ihm vorbei. Aus „Frust“, wie der Angeklagte es vor Gericht beschrieb, schlug er auch da zu.

Ein Sachverständiger bescheinigte dem 19-jährigen Mann vor Gericht eine Alkoholabhängigkeit, verneinte jedoch gleichzeitig die Frage nach einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit. Für diese Diagnose habe der Angeklagte noch zu viele Erinnerungen an die Taten.

Des Weiteren wurde er nach Auffassung des Sachverständigen von den Zeugen bei keiner Tat als „auffällig alkoholisiert“ beschrieben. Dass der Mann ohne Schulabschluss nach eigener Aussage bei einer Mehrzahl der Taten „gut betrunken“ gewesen sei, führte der Sachverständige auf eine Alkoholgewöhnung zurück. Am besten geholfen werden kann dem Mann nach Aussage des Sachverständigen in einer kombinierten Sucht- und Kriminaltherapie. Seit dem Zeitpunkt seines Unterbringungsbefehls im Dezember habe er in einer solchen Einrichtung schon die Bereitschaft zur Zusammenarbeit gezeigt.

Den Vorschlag des Verteidigers, seinem Mandanten die Freiheit zu geben, in eigener Verantwortung eine Therapieeinrichtung zu besuchen, lehnte das Gericht mit dem Verweis darauf ab, dass er in einem früheren Fall die ihm angelegte Fußfessel bereits einmal zerstört habe. Unter Einbeziehung eines Urteils vom 22. März des vergangenen Jahres verurteilte Richter Thomas Rohner den Angeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

In das Urteil schloss er die Fortdauer des Unterbringungsbefehls und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ein. Der Verteidiger behielt sich Rechtsmittel vor, das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.

von Sonja Achenbach

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