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Größte Unterschiede liegen im Platzangebot

Boden- und Freilandhaltung Größte Unterschiede liegen im Platzangebot

Auch beim Futter, bei Impfungen und beim Auslauf unterscheiden sich die Haltungsformen teilweise stark voneinander, zeigen Einblicke in zwei Betriebe. Wer privat Hühner hält, weiß ganz genau, wie die Tiere leben.

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Auf seinem Geflügelhof hält Ludwig Klingelhöfer etwa 600 Legehennen pro Stall (oben) in konventioneller Bodenhaltung

Quelle: Nadine Weigel

Cyriaxweimar. Im Laub am Waldrand in Cyriaxweimar raschelt es. Erst beim zweiten Hinsehen wird erkenntlich, wer das Geräusch eigentlich verursacht. Ein braunes Huhn wühlt zwischen den Blättern auf der Suche nach Futter, nur das Hinterteil ragt noch heraus. Es gehört zu der kleinen Herde, die Familie Wedekind privat hält.

Annette Wedekinds 20 Hühner bekommen viel Bewegung. Sobald es morgens zu dämmern beginnt, öffnet sich an ihrem Stall eine elektrische Klappe. Dann können sie in den etwa 60 Quadratmeter großen Auslauf. Mittags öffnet Wedekind diesen, und die Hühner dürfen die Umgebung erkunden.

Zu Besuch auf heimischen Geflügelhöfen: Die OP bekam nun einen Einblick in die Hühnerzucht. Unter anderem ging es dabei um die Unterschiede von Boden- und Freilandhaltung.

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Auch die Hühner auf der Riedmühle bei Momberg haben viel Platz auf den Wiesen um ihre mobilen Ställe. Sarah und Hans Jürgen Bindbeutel halten in drei solcher mobiler Ställe jeweils 192 Hühner in ökologischer Freilandhaltung. Solange die Böden einigermaßen trocken und gut befahrbar sind, ziehen sie die Ställe mit dem

Schlepper wöchentlich ein Stück weiter, damit die Hühner genug Gras vorfinden. Bis zur Dämmerung dürfen sich die Hühner auf den fast 600 Quadratmetern bewegen. Mehrere Hähne pro Stall sollen die Hühner vor nahenden Greifvögeln warnen und schützen. „Mit manchen klappt das besser, mit manchen weniger. Aber auch tibetische Gebetsfahnen schrecken ab“, erklärt Sarah Bindbeutel. Annette Wedekind setzt ebenso auf einen Hahn und kleine Figuren als Vogelscheuchen.

Die rund 600 Hühner pro Stall auf dem Geflügelhof Klingelhöfer in Großseelheim haben keine Möglichkeit zum Auslauf. Etwa zwei Drittel ihres Stalls nimmt die sogenannte Kotgrube ein. Über einem Gitter sind hier auf mehreren Etagen Sitzstangen angebracht, auf denen die Hühner nachts schlafen. Jede Henne hat 20 Zentimeter Platz auf der Stange. Durch das Gitter kann der Kot durchfallen, und die Tiere kommen so nicht mehr mit ihm in Kontakt. Vor der Kotgrube befindet sich der sogenannte Scharraum. Dieser ist mit Stroh eingestreut. Hier können die Hühner ihrem natürlichen Bedürfnis zu scharren nachkommen. Außerdem betreiben sie hier Gefiederpflege, indem sie sich im Staub baden.

Sieben Legehennen auf einen Quadratmeter Stall

Vom Aufbau her ähneln sich die Hühnerställe der drei verglichenen Haltungsformen. Auch die Mobilställe sind aufgeteilt in ein Drittel Scharraum und zwei Drittel Kotgruppe. In dem ehemaligen Gartenhäuschen, das Familie Wedekind zum Hühnerstall umgebaut hat, finden die Hühner ebenso höhergelegene Sitzstangen zum Schlafen. Der Stall ist komplett mit Stroh eingestreut.

Was die Ausmaße der Ställe und die Anzahl der Hühner darin angeht, unterscheiden sich die drei Haltungsformen jedoch enorm. Bei Familie Wedekind kommen zwei bis drei Hühner auf einen Quadratmeter Stall.

Für die gewerblichen Hühnerhalter kommt es natürlich darauf an, bei Beachtung der geltenden Vorschriften, wirtschaftlich das meiste aus ihren Ställen herauszuholen. Für den Mobilstall auf der Riedmühle sieht die Bioland-Richtlinie vier Tiere pro Quadratmeter vor. Auf dem Geflügelhof Klingelhöfer kommen laut den Richtlinien für die konventionelle Bodenhaltung sieben Legehennen auf einen Quadratmeter Stall. Aus wirtschaftlichen Gründen fällt auch die Entscheidung auf Legehybride. Das sind Hühner, die für eine hohe Legeleistung gezüchtet sind. Beide Betriebe bekommen ihre Junghennen übrigens vom Geflügelhof Reinkemeier in Anzefahr geliefert.

Während Ludwig Klingelhöfer auf ein Verhältnis von zwei Dritteln Warmbraunen und einem Drittel Weiße-Lohmann-Hennen setzt, sind die Mobilställe in Momberg mit braunen Legehennen besetzt. „Mir kommt es da eher auf eine schöne, bunte Mischung an“, sagt Annette Wedekind. Sie hält schwarze Hühner der Rasse Marans, die dunkelbraune Eier legen. Außerdem besteht ihre Herde aus gestreiften Amrocks und einigen Grünlegern, die tatsächlich grüne Eier legen (siehe Fotos in der Online-Fotostrecke).

Damit die Hennen möglichst viele Eier legen, gilt es einiges zu beachten. „Nur wenn die Bedingungen optimal sind, erzielen die Tiere eine optimale Legeleistung und legen Eier in guter Qualität“, erklärt Ludwig Klingelhöfer.

Dazu gehört es auch den Tagesablauf zu steuern. Jeden Morgen um fünf Uhr beginnt für die Hennen in Großseelheim der Tag, wenn das Licht langsam angedimmt wird. Um 18 Uhr wird das Licht dann wieder heruntergedimmt. Auf der Riedmühle peilt man gar 16 Stunden Tageslicht an. „Wir arbeiten der Jahreszeit hinterher und steuern morgens Licht dazu. Den Strom dafür erzeugen wir über ein Solarmodul auf dem Stalldach“, erklärt Sarah Bindbeutel. Die Hühner in Cyriaxweimar leben mit den jahreszeitlich unterschiedlichen natürlichen Lichtverhältnissen. „Deswegen legen sie im Moment eher weniger Eier, dafür im Sommer umso mehr“, freut sich Wedekind.

Neben dem Licht kommt es auf die Temperatur an. Ludwig Klingelhöfer heizt seine Ställe im Winter auf 18 bis 20 Grad, im Sommer kühlt er sie über Wasserdüsen. „Sonst trinken die Hühner zu viel und die Eierschalen werden brüchig“, erklärt Klingelhöfer. Die Mobilställe sind zwar etwas isoliert, die Temperatur ist deshalb oft nah an der Außentemperatur, fällt aber nie unter null. „Wenn es draußen friert, lassen wir die Hühner morgens etwas länger im Stall“, sagt Bindbeutel. Ähnlich handhabt es Annette Wedekind in Cyriaxweimar.

Tiere erbringen ein bis zwei Jahre lang Höchstleistung

Ein weiterer Faktor für die Legeleistung ist das Futter. „Bei uns bekommen die Tiere Futter aus hauptsächlic h eigenem Anbau“, erklärt Klingelhöfer. Darin enthalten ist Getreide- und Maisschrot. Das zugesetzte Sojaschrot, Mineralfutter und Kalk kauft er zu. Die Zusammensetzung wird von einem Labor berechnet.Sarah Bindbeutel bezieht ihr Hühnerfutter in Bio-Qualität fertig gemischt aus einer Mühle in der Region.

Es besteht aus gemahlenem und gebrochenem Weizen und Gerste, Erbsen sowie Sojaschrot und Muschelkalk. „Es ist für die Verdauung der Hühner wichtig, dass sie auch mal unterschiedlich große Körner fressen. Im Sommer verbrauchen wir weniger Futter, weil die Tiere auch genügend Gras und Würmer picken“, erklärt Bindbeutel. Auch Annette Wedekind füttert ihre Tiere mit einem Bio-Körnerfutter. „Außerdem bekommen die Hühner Essensreste, die bei uns anfallen“, erklärt die Privathalterin.

Stimmen die Bedingungen, erreicht die Legeleistung annähernd 90 Prozent. Das bedeutet 480 bis 510 Eier am Tag bei 576 Hühnern auf der Riedmühle. Ludwig Klingelhöfer hält bis zu 3000 Hühner - je nachdem, ob mit Ostern oder Weihnachten die Hochzeiten der Nachfrage anstehen. Bei 90 Prozent Legeleistung sammelt er täglich 2700 Eier ein. Annette Wedekind freut sich im Sommer über bis zu 18 Eier am Tag.

Die Eier legen die Hennen in Nester. In Privathaltung genügen dazu vier ausgepolsterte Kisten. Auf dem Geflügelhof Klingelhöfer und in den Mobilställen in Momberg können sich die Hühner in abgedunkelte Nester zurückziehen. Diese sind mit Kunststoffmatten ausgelegt und leicht schräg, damit die Eier auf das Förderband rollen, sobald das Huhn aufsteht.

Auf dem Hof Klingelhöfer erhalten die Legehennen halbjährlich über das Trinkwasser eine Impfung gegen die Geflügelpest. Alle anderen wichtigen Impfungen haben sie, wie auch die Hühner in Momberg und Cyriaxweimar, bereits beim Aufzüchter erhalten. Diese Impfung hält etwa ein Jahr. „Weil die Hühner nicht nachgeimpft werden und sie wirklich eine große Leistung erbringen, müssen sie nach 12 bis 15 Monaten geschlachtet werden“, erklärt Sarah Bindbeutel. In Großseelheim leben die Tiere anderthalb bis zwei

Jahre. „Ich bringe es schwer übers Herz, aber nach zwei Jahren lassen wir die Tiere schlachten“, sagt Annette Wedekind.

  • Einen Artikel über die Hühneraufzucht auf dem Geflügelhof Reinkemeier in Kirchhain-Anzefahr finden Sie hier.

von Philipp Lauer

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