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Gesamtschule bleibt ihrer Linie treu

Flexible Unterstufe Gesamtschule bleibt ihrer Linie treu

Die Gesamtschule Niederwalgern hat ihren Kurs reflektiert und ihn in allen Instanzen bestätigt bekommen. Schulkonferenz, Gesamtkonferenz und Elternbeirat wollen die flexible Unterstufe beibehalten.

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Die Gesamtschule Niederwalgern bleibt die einzige G-8-Gesamtschule im Kreis. Durch die flexible Unterstufe muss aber kein Schüler Sorge haben, den Anschluss zu verlieren.

Quelle: Götz Schaub

Niederwalgern. G8 oder G9? Was die Gymnasien momentan umtreibt, ist für die Gesamtschule Niederwalgern nicht wirklich das Thema. Und warum nicht? „Weil die Frage mit einem falschen Ansatz verbunden ist“, sagt Schulleiter Dr. Horst Tritschler. Er nennt die Diskussion um G8 und G9 sogar „absurd“. „Der Ansatz muss doch der sein, die Schüler individuell, nach ihren Bedürfnissen und ihrem Wissensstand zu fordern und fördern“, sagt Tritschler.

Man müsse eine Antwort darauf bieten, wie Schüler, die nach der vierten Klasse durchaus einen Wissens- und Entwicklungsabstand von bis zu zwei Jahren haben können, bestmöglich gefördert werden können. In erster Linie müsse der unterschiedlichen Lerngeschwindigkeit Rechnung getragen werden, ohne die Kinder zu früh auf bestimmte Schulformen festzulegen. So könnten auch Spätzünder viel einfacher ihren Weg machen.

„Für die Schulleitung war es jetzt wichtig, dass nach den nun gemachten Erfahrungen mit der flexiblen Unterstufe, der eingeschlagene Weg auch bestätigt wird“, sagt Tritschler. Deshalb habe es eine interne Reflexion gegeben wie auch eine Reflexion in der Elternschaft, für die der Schulelternbeirat eintrat.

Kirsten Lotz, Mitglied des Schulelternbeirats hat zwei Kinder. Ihr Sohn durchlief die Schule noch im „normalen“ Ablauf, ihre Tochter hat die flexible Unterstufe kennengelernt. Lotz sagt dazu: „Ich wünschte, mein Sohn wäre schon in den Genuss der flexiblen Unterstufe gekommen.“ Die in der flexiblen Unterstufe unerlässliche Selbstständigkeit und Selbstorganisation der Schüler führe auch zu mehr Selbstbewusstsein. Durch die regelmäßigen Reflexionen innerhalb der Lerngruppen sei gewährleistet, dass jeder Schüler seinen Leistungsstand einschätzen könne. So kann er sich auch selbst Herausforderungen stellen, indem er nach einer erfolgreichen Arbeit etwa auf Realschul-Niveau sich an einer Arbeit auf dem Niveau eines Gymnasiums versuchen kann. Die Schülerinnen Michelle und Vivien sind vom Alter her in den Klassen 7 und 6. Sie haben sich in der flexiblen Unterstufe kennengelernt und sind Freundinnen geworden. Beide finden das System gut. Michelle: „Ich finde es gut so. Man kommt mit anderen Jahrgangsstufen in Kontakt und findet sich schnell in die Arbeitsform ein. Vivien bestätigt dies und sagt zudem: „Die Reflexionsrunden zeigen mir, wie ich gearbeitet habe, was ich kann und wo ich noch etwas tun muss.“ Dabei kann der Lernfortschritt in den Fächern auch mal unterschiedlich ausfallen. In Mathe ist sie zurzeit zwei Schritte voraus, in Englisch hapert es dagegen noch ein bisschen. Dass die Arbeitsform von den Schülern angenommen und umgesetzt wird, liegt auch an den Lehrern, die sich darauf einlassen und eine mitunter neue Rolle im Unterricht wahrnehmen. Rene Norwig ist Lehrer in der flexiblen Unterstufe, und er ist begeistert.

„Ich bin jetzt seit vier Jahren hier. Es hat sich in dieser Zeit sehr viel verändert. Man kann nun behaupten, dass Lehrer hier Schüler unterrichten und nicht ein Fach geben.“ Um den neuen Methoden gerecht zu werden, haben sich auch die Lehrer neu aufgestellt. „Wir arbeiten im Team, zeigen uns gegenseitig, welche Materialien wir einsetzen und wie wir was machen.“

Dr. Horst Tritschler ist zufrieden: „Wir haben erste Erfahrungen gemacht und Schwachstellen erkannt und uns darum gekümmert. Wir sind jetzt sehr viel besser aufgestellt und auf einem guten Weg.“ Und dieses Engagement wird auch vom Land gewürdigt. In entsprechenden Veröffentlichungen der Landesregierung wird der Weg der GSN als ein „best practice“-Modell genannt und gelobt.

Die neue Form des Unterrichtens zeigt auch auf einem anderen Gebiet positive Entwicklungen.

„Früher wurden die Schüler in A-, B- oder C-Kurse unterteilt. Die C-Kurs-Schüler haben sich dabei wie die Verlierer des Systems gefühlt“, sagt Norwig. Jetzt haben sie ganz andere Möglichkeiten, werden nicht mehr auf diese Schiene festgelegt. Das schafft auch sozialen Frieden an der Schule. „In den vergangenen eineinhalb Jahren hatte wir nur ein ernstes Vorkommnis“, sagt Tritschler. Das sei früher doch etwas häufiger der Fall gewesen. Bei all den positiven Meldungen aus der Schule verschweigt der Schulleiter aber auch nicht, dass es Fälle gegeben hat, dass sich Eltern mit diesem System nicht anfreunden wollten. Insgesamt sei es zu sechs Abmeldungen gekommen. Diesen stünden allerdings auch einige Anmeldungen gegenüber von Schülern, deren Eltern genau in dieser Form die große Chance für ihre Kinder sehen, dass sie die Kurve bekommen und sich selbst motivieren können, etwas erreichen zu wollen.

„G8 ist sicherlich nicht für alle Schüler geeignet. Mit der flexiblen Unterstufe haben wir darauf aber eine gute Antwort gefunden, so dass jeder Schüler seine angemessene Zeit bekommt“. so Tritschler.

von Götz Schaub

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