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Geruchsbelastung ist ernstes Problem

Info-Abend in Fronhausen Geruchsbelastung ist ernstes Problem

Eine Überschreitung der Grenzwerte heißt nicht automatisch, dass deshalb mit gesundheitlichen Gefahren gerechnet werden muss. Eine zu hohe Geruchsbelastung kann aber viele persönliche Bauvorhaben durchkreuzen.

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Der Ortskern ist von Fachwerkhäusern geprägt, die größtenteils zu Höfen gehörten. Misthaufen gibt es aber noch.

Quelle: Götz Schaub

Fronhausen. Noch ist keine Konsequenz unumstößlich in Zement gesetzt. Es drohen aber einschneidende Veränderungen in der Altortslage von Fronhausen. Warum? Weil ein Geruchsgutachten, das im Zuge der Überplanung der Alt­ortslage vom Fronhäuser Gemeindevorstand in Auftrag gegeben worden war, nun Zahlen erbracht hat, die offensichtlich so nicht erwartet wurden. Aber warum gab man überhaupt ein solches Gutachten in Auftrag? Das war so mit die erste Frage der 120 Bürger, die am Dienstagabend zur Informationsveranstaltung der Gemeinde Fronhausen ins Bürgerhaus gekommen waren. Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer, das schon viele Projekte im Auftrag der Gemeinde umgesetzt hat, informierte darüber, dass bei allgemein bekannten aber auch bei individuell geäußerten Bedenken Gutachten erstellt werden müssen, die im Falle der Fälle „gerichtsfest“ sein müssen. Dazu muss zunächst eine Methode angewandt werden, die auch anerkannt ist. Dafür sorgte der TÜV Süd, dessen Vertreter Dr. Stefan Schmitz an diesem Abend auch anwesend war und Rede und Antwort stand.

Um der Altortslage einen Bebauungsplan geben zu können, müsse zunächst zwischen Wohn-, Misch- und Dorfgebieten unterschieden werden. Für diese Gebiete gebe es aber auch unterschiedliche Grenzwerte bei der Geruchsbelastung. Allerdings wurden diese bis auf ein kleines Gebiet überall überschritten.

Bürgermeister Reinhold Weber benannte das eigentliche Problem für die Bewohner der Alt­ortslage: Die Gemeinde könnte durch die Überschreitung der Grenzwerte gezwungen werden, keine Baugenehmigungen mehr erteilen zu können, weil sie wider besseren Wissens Menschen an Orten investieren lasse, an denen die ortsüblichen Geruchsbelastungsgrenzen überschritten sind. Selbst wenn es dem jetzigen Bauherrn nichts ausmache, könnte ja ein möglicher Käufer des Objekts plötzlich eine Eingabe machen und die Gemeinde verklagen. Somit steht im Raum, dass die Geruchsbelastungen Immobilenpreise drücken können und eben noch vorhandene Baugrundstücke zu Gartenland werden müssen, so der Bürgermeister. Derzeit müsse also befürchtet werden, dass die Gemeinde keine Baugenehmigung mehr für neue Wohnflächen wie An- und Umbau erteilen könne, fasste Martin Wenz, der für die Initiative Fronhausen im Gemeindeparlament aktiv ist, zusammen und wurde in dieser Annahme nicht korrigiert. Weil die Gemeinde verantwortlich dafür sei, dass ihre Bürger gesund leben können, müsse das Thema jetzt angegangen werden, sagte Weber.

Das „gesund leben“ wurde vom Plenum allzu wörtlich genommen: Schnell wurden Fragen nach Gesundheitsgefahren gestellt, doch wiegelte der Experte vom TÜV Süd ab. Eine­ ­festgestellte zu oft im Jahr vorkommende Geruchsbelastung könne nicht automatisch mit dem Vorkommen von gesundheitsgefährdenden Keimen gleichgesetzt werden. Viel eher gehe es um die Lebensqualität der Menschen im Ort. Die Gerüche wurden vom TÜV ausschließlich landwirtschaftlichen Betrieben zugeordnet, allerdings ohne für die unterschiedlichen Kontrollstellen konkrete Quellen zu nennen.

Unter den Besuchern der Veranstaltung waren auch Fronhäuser Vollerwerbslandwirte. Sie gaben an, nicht anders zu arbeiten als Landwirte in jedem anderen x-beliebigen Dorf. Von Gesundheitsgefahren wollten sie erst gar nichts wissen, schließlich würden sie seit vielen Jahrzehnten direkt auf den Höfen arbeiten und sich dabei bester Gesundheit erfreuen. Landwirt Ulrich Zick merkte zudem an, das die Qualität nach den neuesten Erkenntnissen sicher einmal schlechter gewesen sein muss, weil in den zurückliegenden Jahren viele Landwirte aufgegeben hätten und andere, wie beispielsweise er selbst, ihre Tiere aus der Ortslage genommen hätten.

Auch wenn es einigen der 120 Bürgern schwerfiel zu akzeptieren, dass der Grad der Geruchsbelastung ausschließlich von Menschen durch geschultes Riechen festgestellt wird, hielt Bürgermeister Weber als Fakt fest, dass sich die Gemeinde nun mit diesem Thema auseinanderzusetzen habe. Lösungswege wurden noch nicht aufgezeigt, wohl aber das weitere Vorgehen skizziert. „Wir werden uns nun mit den Fachbehörden beim Ministerium und Regierungspräsidium an einen Tisch setzen und die Sache diskutieren“, so Weber. Über das dort erzielte Ergebnis wolle er dann in einer zweiten Informationsveranstaltung ausführlich berichten.

von Götz Schaub

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