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Gemeinde warnt vor „Windkraft-Wild-West“

Nutzungsrechte Gemeinde warnt vor „Windkraft-Wild-West“

Der Teilregionalplan Energie Mittelhessen ist außer Kraft. Fast überall außerhalb der Ortslagen, wo der Wind stark weht, könnten derzeit Windkraftanlagen genehmigt werden. Doch genau das will die Gemeinde Ebsdorfergrund verhindern.

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Die Rotoren von
Windkraftanlagen
drehen sich auf einem Feld bei
Istha im Kreis Kassel.

Quelle: Uwe Zucchi

Dreihausen. „Wildwest und Wildwuchs wären in der jetzigen Situation die Folge, wenn wir uns nicht gemeinsam mit sechs Nachbarkommunen etwas hätten einfallen lassen“, sagt Andreas Schulz, Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund. Die Kommune hat bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Nachbargemeinden Allendorf/Lumda, Staufenberg, Fronhausen, Reiskirchen, Rabenau und Buseck einen Flächennutzungsplan für Windkraftanlagen aufgestellt. Er gilt für alle Gebiete innerhalb der Grenzen dieser sieben Gemeinden. Die Bürgermeister und Gemeindevertretungen haben klare Ziele für diese Zusammenarbeit festgeschrieben. Schulz fasst sie zusammen: „Wir wollen unseren Nachbarn nicht einfach unabgestimmt Windkraftanlagen vor die Nase setzen, wir wollen Wildwuchs und die vollständige Verspargelung unserer Kulturlandschaft sowie die Umzingelung ganzer Dörfer durch Windkraftanlagen verhindern.“ 40 Windkraftanlagen auf den Hügeln des Ebsdorfer Grunds - das sei keine Utopie, wenn Grundstückseigentümer in Eigenregie die Nutzungsrechte für ihre windkrafttauglichen Flächen an Investoren verkauften, befürchtet Schulz und hebt hervor, dass die Gemeinwohlinteressen im Vordergrund stehen sollten: „Wir wollen Energie aus Wind gewinnen und die Wertschöpfung auch in unserer Region behalten - alle Bürger sollen durch Genossenschaften profitieren und mitdiskutieren können, wenn es um die Standorte geht.“

Durch ein gerichtliches Urteil ist der Teilregionalplan Energie, den das Regierungspräsidium Gießen für ganz Mittelhessen aufgestellt hat, außer Kraft. „Zurzeit wäre es möglich, grundsätzlich fast überall - wo der Wind stark weht - im Außenbereich der Orte, Windräder vom Regierungspräsidium genehmigt zu bekommen“, führt Schulz aus. Doch dem haben die sieben Kommunen mit ihrem gemeinsamen Flächennutzungsplan als Energiegesellschaft Lumdatal einen Riegel vorgeschoben. Er gilt für zwei Jahre - das bedeutet, das vorerst ohne das Einverständnis der ­Gemeinden keine Windkraftanlagen errichtet werden dürfen. Dieser Umstand hält Investoren jedoch nicht ab, sich jetzt bereits Nutzungsrechte zu sichern. „Da fallen gerade ganze Clams über uns her“, schildert Schulz und berichtet von einigen Grundstückseigentümern, die bereits Nutzungsrechte an Windkraftinvestoren veräußert haben. Die Gemeinde appelliert nun an die Bürger, von solchen Geschäften vorerst Abstand zu nehmen und die Entwicklung der gemeinsamen Ziele abzuwarten. „Wir wollen gemeinsam profitieren von dem Potenzial, das wir hier haben - Einzelinteressen sollten da nicht in den Vordergrund rücken“, sagt er und befürchtet, dass die Kommunen später in die Situation kommen könnten, Nutzungsrechte für Flächen von Investoren teuer zurückkaufen zu müssen.

von Carina Becker

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