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Gemeinde preist Kauf des Freizeitheims ein

Weimars Haushalt Gemeinde preist Kauf des Freizeitheims ein

Ein Punkt in Weimars Haushalt sorgte Mittwochabend im Hauptausschuss für Diskussionen. Es ging um einen Ausbau der Jugendpflege, die das Freizeitheim Nesselbrunn von der Kirche übernehmen will.

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Mitten im Wald von Nesselbrunn gibt es ein Freizeitheim, das derzeit der Kirche gehört. Die Jugendpflege Weimar will es für Waldpädagogik und touristische Angebote übernehmen.

Quelle: Privatfoto

Niederweimar. Die Hälfte der Ausschussmitglieder erschien mit einer Stunde Verspätung - man hatte vergessen, dass die Sitzung ausnahmsweise früher beginnt. Die Diskussion war dann teils schon über die Bühne gegangen. Doch bekamen die Spätankömmlinge noch den Vortrag des gemeindlichen Jugendpflegers Marcus Ott mit, der das Konzept für die Nutzung des Freizeitheims Nesselbrunn vorstellte.

Die Gemeinde will das Gebäude erwerben, derzeit befindet es sich in Kirchenbesitz und wird mit seinem 24 Betten in einem Haus und einer Blockhütte auch aktuell noch als Übernachtungs- und Freizeitstätte genutzt. Die Kirche will das Gebäude allerdings aufgeben. Ott sprach von derzeit 600 Übernachtungen im Jahr, „schon so, ohne gezielte Werbung für das Freizeitheim“. Unterstützt von Bürgermeister Peter Eidam geht Otts Vorstellung dahin, dass das Gebäude nach einem Ankauf durch die Gemeinde für die Nutzung in der örtlichen Jugendarbeit zur Verfügung steht. „Das kommt für uns äußerst passend, wir wollten das Thema Wald mehr voranbringen in unserer Arbeit, derzeit spielt Wasser bei den meisten Angeboten die zentrale Rolle“, sagte Ott und war der Meinung, dass das Projekt bei einem Kaufpreis von 20000 Euro sowie veranschlagten Renovierungskosten von rund 10000 Euro „zusammen mit meinem Versprechen, dass die Sache läuft, drin sein müsste“.

Neben der Nutzung für die eigene Jugendarbeit könne der Tourismus in der Gemeinde durch das Freizeitheim als attraktivem Domizil mitten in der Natur ausgebaut werden, ist Ott überzeugt und denkt dabei an etwa eine Übernachtungsstätte für wandertouristische Angebote. Zudem kämen beispielsweise auch Vermietungen für Kindergeburtstage infrage.

Das Gebäude wurde vor 25 Jahren zuletzt renoviert, ist aber nach Otts Schilderungen in einem Zustand, der keine grundlegende Sanierung erforderlich macht. So stammten beispielsweise die Stromleitungen aus dem Jahr 1987, „da wurde das Gebäude erst ans Netz angeschlossen“. Bürgermeister Eidam verdeutlichte, dass das die 20000 Euro für den Kauf des Gebäudes und die 10000 Euro für die Renovierung vorsorglich im Haushalt eingepreist seien. Die Verhandlungen mit der Kirche liefen noch. Er betonte, dass die Gemeinde Weimar mit ihrer gut ausgebauten Kinder- und Jugendarbeit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region habe und die kinderfreundlichste Gemeinde in Marburg-Biedenkopf sein wolle. Dieser Stellenwert könne durch den Kauf des Gebäudes und die Schaffung weiterer Freizeitangebote ausgebaut werden.

Winfried Laucht, Fraktionsvorsitzender der Freien Bürgerliste Weimar, war äußerst skeptisch: „Jetzt wollen wir uns noch Gebäude zulegen - dabei haben wir schon Probleme mit den Bürgerhäusern, für die schlüssige Nutzungskonzepte fehlen. Warum kann man dann nicht das Dorfgemeinschaftshaus in Allna als Freizeitstätte nutzen?“, fragte er.

CDU-Fraktionsvorsitzender Jost-Hendrik Kisslinger hob hervor, dass der Zustand des Gebäudes der Knackpunkt sei. „Davon, dass es derzeit genutzt wird, kann man nicht auf eine gute bauliche Substanz schließen“, sagte er und wünschte sich einen Termin vor Ort, damit die Gemeindevertreter sich das Freizeitheim vor einem Kauf anschauen könnten. Und Ausschussvorsitzender Jürgen Rabenau (SPD) regte an, man möge mit einer Sperrklausel im Haushalt arbeiten. Falls die Gemeinde das Gebäude nach erfolgreichen Kaufverhandlungen dann tatsächlich übernehmen wolle, müsse das Parlament noch einmal entscheiden.

Reinhard Ahrens (Grüne) war von Jugendpfleger Otts Konzept sofort überzeugt und zeigte sich begeistert: „Alles, was wir im Sinne einer vernünftigen Jugendpflege tun können, sollen wir auch machen, es ist ja kein Riesenbetrag.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Stephan Wenz fand, „bei dem schlüssigen Konzept“ sei es schwierig, sich dem Vorhaben entgegenzustellen, „aber wir haben auch andere Baustellen“, mahnte er. Über den Haushalt wurde im Ausschuss noch nicht abgestimmt - das Parlament bekommt damit in seiner Sitzung nächste Woche Donnerstag ab 19 Uhr im Bürgerhaus Niederwalgern dazu keine Beschlussempfehlung. Die Mitglieder des Gremiums formulierten, dass sie in ihren Fraktionen noch Redebedarf hätten und deshalb kein Votum abgeben könnten. Ein Vorgehen, das in der heimischen Kommunalpolitik allmählich zur Tradition wird.

von Carina Becker-Werner

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