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Gemeinde plant ein neues Betreuungssystem

Zu viele Plätze frei Gemeinde plant ein neues Betreuungssystem

Zu wenig Nachwuchs, zu viele freie Kita-Plätze und das Kinderförderungsgesetz machen bei der Kinderbetreuung im Ebsdorfergrund ein Umdenken nötig.

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Bürgermeister Andreas Schulz (von links), Gemeindemitarbeiterin Heike Schick, zuständig für Kindertagesstätten, Kitaleiterin Dagmar Lohr und Pfarrerin Margret Ortmann werben für ein zweistufiges Betreungskonzept in der Kita Ebsdorf.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Die Gemeinde Ebsdorfergrund hat zu viele unbesetzte Kitaplätze – in diesem Sommer fehlen sogar 51 Kinder. Das Angebot in der Kinderbetreuung übersteigt bei weitem die Nachfrage, weitere Gruppenschließungen drohen. Darauf will die Gemeinde reagieren und erarbeitet ein neues Konzept für die Kita Ebsdorf.

Wie es ab dem nächsten Sommer mit den Kitas im Grund weiter geht, erklärten Gemeinde, evangelische Kirche und Kitaleitung im Pressegespräch. Die Träger der Kindertagesstätten müssen sich an den demografischen Wandel, die regionale Lage und gewünschten Betreuungszeiten der Eltern anpassen, teilten die Verantwortlichen mit und rechnen vor: Gemeindeweit gab es noch 390 Kinder im Kindergartenalter, heute sind es nur noch 220.

Bezieht man die Geburtenrate mit ein, werden es in zwei Jahren gerade noch 209 sein, betonte Bürgermeister Andreas Schulz. Die Auswirkungen auf die Kindergärten in der Gemeinde wurden in der Vergangenheit bereits deutlich, mehrere Kita-Gruppen mussten schon geschlossen werden. Im nächsten Jahr wird eine weitere am Standort Dreihausen folgen.

Die aktuellen Zahlen belegen jedoch auch, dass diese allein nicht ausreicht, um die fehlende Nachfrage auszugleichen. Pro Gruppe werden 25 Kinder betreut. Insgesamt sind jedoch 51 Plätze offen. „Im kommenden Kitajahr greift zudem das KiföG in seiner vollen Dimension. Darauf muss reagiert werden“, sagt Schulz. Das Kinderförderungsgesetz unterstütze nicht speziell die Kita-Gruppen, sondern die Anzahl der Plätze an sich. Dadurch steige der finanzielle Handlungsdruck.

Eigentlich müsste im kommenden Jahr eine zweite Gruppe geschlossen werden, um das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder herzustellen, insbesondere wenn der geplante Waldkindergarten seine Türen öffnet. Davon betroffen wären die Standorte Ebsdorf oder Beltershausen.

Um eine weitere Verknappung zu verhindern, plant die Gemeinde „aus der Not eine Tugend zu machen“ und entwickelte zusammen mit der evangelischen Kirche ein spezifisches, gemeindeübergreifendes Betreuungsmodul. Dieses beinhaltet eine Halbtags- sowie eine Ganztagsbetreuung für eine der Gruppen im evangelischen Kindergarten „Pusteblume“ in Ebsdorf. Bei Ersterem würden die Kinder zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr in der Einrichtung betreut. Das Ganztagsangebot würde hingegen von 7.30 bis 16.30 Uhr gelten. Auf Anfrage könne diese Zeitspanne auch eine halbe Stunde früher beginnen beziehungsweise später enden.

Anstatt wie bisher von morgens bis zum frühen Nachmittag, hätten die Eltern damit die Wahl, ihren Nachwuchs halbtags- oder ganztags betreuen zu lassen, je nachdem wie es der Familienalltag erfordert, erklärte Pfarrerin Margret Ortmann als Vertreterin der Kirche. Das geplante Modul würde sich zudem an die gesamte Gemeinde richten und nicht nur an das übliche Einzugsgebiet Ebsdorf und Leidenhofen gelten. Die Kurzzeitbetreuung würde 124 Euro im Monat kosten, das Ganztagsangebot 218 Euro. „Der Bedarf nach einer Ganztagsbetreuung ist bei vielen Eltern vorhanden“, sagte Kitaleiterin Dagmar Lohr.

Um das neue Konzept umsetzen zu können, benötigen die Träger die Mitarbeit und Zustimmung der Eltern. Und das so schnell wie möglich. Bis zum ersten November dieses Jahres müssen mindestens 20 konkrete Zusagen vorliegen, ansonsten könne das System nicht anlaufen, so der Bürgermeister.

Sollte das neue Konzept scheitern, müsse durch den Nachwuchsmangel langfristig eine der beiden Kita-Gruppen am Standort Ebsdorf geschlossen werden. Dabei handele es sich um eine Verknappung der Gruppen, nicht der fünf Standorte der Gemeinde: „Wir werden auf keinen Fall einen ganzen Standort schließen und auch keine Mitarbeiter entlassen“, versprach Schulz.

Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnumer 06424/3788.

von Ina Tannert

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