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Gekommen aus Portugal, geblieben im Grund

Integration Gekommen aus Portugal, geblieben im Grund

Arbeit hat die Familie Marques nach Deutschland geführt. Und weil die Portugiesen sich schnell wohlfühlten, blieben sie, schlugen Wurzeln, fanden die Liebe, bekamen Kinder.

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Toni Marques (rechts) und Manfred Schmidt sind seit 40 Jahren beste Freunde.

Quelle: Patricia Kutsch

Wermertshausen. Das feierte die Familie nun mit Freunden und Nachbarn mit einem deutsch-portugiesischen Fest in Wermertshausen. Dort zeigt die Familie Marques, wie es funktioniert, sich zu integrieren in einer neuen Heimat und trotzdem die eigene Kultur zu bewahren. Die große, herzliche Familie lebt seit 40 Jahren in Deutschland. Für die Portugiesen ist das ein Grund zum Feiern: Sie luden ihre Nachbarn, Freunde und Wegbegleiter zu einem Hoffest ein. Das stand ganz im Zeichen der portugiesischen Gastfreundschaft und der deutschen Küche.

Die Familie Marques bewirtete ihre Gäste mit deutscher Bratwurst, schenkte dazu Wein und Bier aus Portugal aus. Im Hintergrund liefen bekannte Musikstücke aus beiden Ländern.

Für die Familie Marques war es ein Fest der Freundschaft und der Dankbarkeit, aber auch eine Gelegenheit, um zurückzuschauen: Antonio Marques kam vor nunmehr 42 Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Er arbeitete hart, schaffte für seiner Familie ein Zuhause.

Kinder haben keine Vorbehalte

1975 kam seine Frau Carolina Gomez Ferrera mit den Söhnen Edo und Toni und den Töchtern Florbela und Martha nach. Zunächst lebten sie in Roßberg, zogen dann vor knapp 39 Jahren nach Wermertshausen in ein Fachwerkhaus. „Wir wurden super aufgenommen“, erinnert sich Martha zurück. Das Ehepaar Wisker habe sich der Familie angenommen, viel geholfen und sie auch mit ins Dorf genommen und integriert.

Besonders leicht fiel den Kindern das neue Leben. Deutsch konnten sie zwar noch nicht, aber „das war nicht schlimm, Kinder sind da nicht so, sie haben keine Vorbehalte“, sagt Martha. Toni hat damals sogleich Manfred Schmidt kennengelernt. Noch heute sind die beiden beste Freunde. „Wir haben schnell zusammengehalten. Wir sind ja beide nur so groß wie eine Bratwurst“, scherzt Manfred Schmidt. Er hat dem jungen Portugiesen damals „mit Händen und Füßen“ deutsch beigebracht. Als Toni nicht verstanden hat, dass Manfred Schmidt ihn zum Schwimmen mitnehmen wollte, habe dieser ihm kurzerhand Badehose und Handtuch unter die Nase gehalten. Seither kannte Toni die Bedeutung des Wortes „Schwimmen“.

Die Portugiesen und ihre Gäste schwelgten bei ihrer Feier in Geschichten voller Missverständnissen und Freundschaft. Dabei wurde deutlich, dass die Familie auch schlechte Erfahrungen machte. „Wir waren nicht überall willkommen“, sagt Toni. Die guten Erfahrungen überwogen allerdings und schnell fühlten sie sich so wohl, dass sie bleiben wollten. Eine dritte Schwester - Lilli - folgte.

Feste beider Länder werden gefeiert

Mittlerweile haben alle fünf Kinder Partner, sind verheiratet, haben selbst Kinder, leben im Ebsdorfer Grund, in Kirchhain und in Gießen. Antonio und Carolina freuen sich bereits über drei Urenkel, haben vor kurzem ihre Goldhochzeit gefeiert. Die meisten Familienmitglieder haben heute die deutsche Staatsbürgerschaft, sind hier zu Hause und fühlen sich wohl als deutsche Portugiesen - oder als portugiesische Deutsche. „Bei der Fußball-Weltmeisterschaft halte ich zu beiden Mannschaften, aber zur portugiesischen ein bisschen mehr“, erklärte Florbela.

Ihr Bruder Toni hat sich ein deutsch-portugiesisches Trikot machen lassen. „Wenn eine Mannschaft ausscheidet, haben wir immer noch eine zweite, mit der wir mitfiebern können.“

Außerdem hat die Familie Marques mehr Feste zu feiern: Sie feiern deutsche Feste, aber einmal im Jahr gibt es auch ein Kastanienfest in Staufenberg. „Das ist ein typisches Fest aus Portugal und dort sind eigentlich nur Portugiesen - außer wir bringen unsere deutschen Familien als Gäste mit“, erklärt Tochter Florbela mit einem Augenzwinkern. Auch Weihnachten ist bei der Familie ein Fest voller Traditionen aus beiden Ländern.

So gibt es bei ihnen am Heiligen Abend auch nach 40 Jahren immer wieder Stockfisch - und den essen auch die deutschen Ehepartner gerne mit.

von Patricia Kutsch

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