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Gedenkstein und Chronik zum Jubiläum

700-Jahr-Feier Gedenkstein und Chronik zum Jubiläum

Gerade mal 65 Einwohner zählt Erbenhausen. Dass dieses kleine Dorf von seinen Nachbarn geschätzt wird, zeigten das mit rund 200 Menschen besetzte Festzelt und die vielen Gratulanten.

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Applaus gab es für die Mannschaft, die sich um die Chronik gekümmert hatte.

Quelle: Martina Becker

Erbenhausen. „Ein Stein ist beständig - er ist ein Mal, wie das Dorf, die Häuser, wie die Menschen, die hier leben und lebten“, sagte Ortsvorsteher Bernt Dieterich fast philosophisch zur Begrüßung der Jubiläumsgäste am Samstagabend. Damit bezog er sich auf den vorangegangenen feierlichen Akt an der kleinen Zwester-Ohm-Brücke, der Pforte ins Dorf.

An diesem idyllischen Ort enthüllten der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und der Ortsvorsteher unter Applaus einen Findling, der von nun an an das Fest erinnern soll. In Stein gemeißelt wurde auf ihm die Inschrift: „700 Jahre Erbenhausen 1315 - 2015“.

Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber sagte anlässlich der Enthüllung, dass es sich hierbei um ein Mahnmal der positiven Erinnerung handle. In seinen späteren Grußworten im Festzelt, das nur wenige Schritte weit entfernt in der Dorfmitte aufgebaut war, knüpfte das Gemeindeoberhaupt weiter an: „Wer sich hier verbunden fühlt, weiß, dass die Geschichte nicht erst mit ihm beginnt“.

Erbenhausen ist klein, eher sogar sehr klein. Hier leben nicht viel mehr als fünf Dutzend Menschen. Es gibt kein Geschäft, keine Kirche, kein Gemeinschaftshaus. Dennoch fehlt es nicht an Wohlfühlkomponenten, wie Idylle, Gemeinschaft und Geschichte. Letztere hatte in fünfjähriger, mühevoller Kleinarbeit ein ganzer Stab an ehrenamtlichen Helfern in einem Buch, einer Chronik in Worten und Bildern, zusammengetragen.

Geschichte des Dorfes zu erfassen war große Fleißarbeit

„Ein Dorf an der Zwester Ohm“ titelt das 149-seitige Werk. Die Redaktion oblag der Fronhäuserin Renate Hildebrandt. Sie erklärte dem Publikum, dass die „alte Dame“ Erbenhausen deutlich älter sei und ihr in 15 Jahren eigentlich der 900. Geburtstag zustände. Aufgrund historischer Gesetze, die nur urkundliche Erwähnung gelten ließen, müsse sich das Dorf mit den rund zweihundert Jahren weniger zufrieden geben, so Hildebrand.

Sie erzählte, dass es eine große Fleißarbeit gewesen war, die Geschichte des Dorfes zu erfassen. Zu finden sind darin Informationen über die Höfe und ihre Besitzerfolge, Familiengeschichten, die evangelische Tracht, den Zweiten Weltkrieg, die Gemarkung, den Wald oder die Zwester Ohm.

Eine wichtige Passage nimmt auch die „Hunsburg“ ein. Das ist nicht etwa eine Burg im klassischen Sinne. Es ist eine Gastwirtschaft, die seit 95 Jahren von der Familie Wallon geführt wird und eine wirkliche Besonderheit für ein so kleines Dorf darstellt.

Die "Hunsburg" wird schließen

Sie wurde im Jahr 1945 komplett zerstört und danach neu aufgebaut. In diesem Jahr will man den Traditionsbetrieb, der ungezählte Hochzeiten, Konfirmationen oder Geburtstage erlebt hat, aus Altersgründen schließen, so die Wirtin Elisabeth Wallon im Gespräch mit der OP.

Das kleine Erbenhausen wird zudem von der Landstraße 3048 durchschnitten. Eine Ampelanlage ermöglicht das sichere gegenseitige Besuchen. Obwohl das sowieso schon winzige Dorf noch geteilt ist, zeichnet es sich durch eine große Gemeinschaft aus. Darin waren sich die Gastredner einig. „Mit dem Engagement, ein solches Fest auf die Beine zu stellen, verleihen Menschen ihrem Dorf ein Gesicht“, meinte der Vize-Landrat Zachow.

Er überreichte dem Ortsvorsteher die Ehrenmedaille des Landkreises Marburg Biedenkopf. Dr. Lothar Mann, Ortsvorsteher von Bellnhausen, überbrachte die Glückwünsche auch im Namen seiner Kollegen aus Sichertshausen und Hassenhausen. Er betonte, dass man gemeinsam mit Erbenhausen den Teil der Gemeinde Fronhausen östlich der Lahn bilde, der sich durch viel Zusammengehörigkeit auszeichne.

Glückwünsche kamen auch von zahlreichen Vereinsvertretern oder den Ortsvorstehern der Nachbardörfer Hachborn und Ilschhausen. Der offizielle Teil mündete dann in einen geselligen Abend mit Tanz. Am Sonntag setzte ein Kirchspielgottesdienst mit Posaunenchor das Jubiläumsfest fort. Nach Kaffee und Kuchen klang es am späten Nachmittag langsam aus.

von Martina Becker

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