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GSN steht vor neuen Herausforderungen

Schule will zu G9 zurück GSN steht vor neuen Herausforderungen

Die mit 66 wohl etwas überraschend niedrige Anzahl an neuen Fünftklässlern für das aktuelle Schuljahr mag der Auslöser gewesen sein, dass in den vergangenen Wochen viele Gerüchte die Runde machten.

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Englisch altersgemischt im Sitzkreis. Das ist ein typisches Unterrichtselement der flexiblen Unterstufe. Wie diese künftig ausgestaltet wird, ist eine vorrangige Aufgabe der Schule.

Quelle: Götz Schaub

Niederwalgern. Nichts Genaues weiß man nicht. Und aus diesem Stand entwickelten sich rund um die Gesamtschule Niederwalgern Gerüchte, die quasi ohne Fakten zum Selbstläufer wurden. Zuletzt gab es zu hören, dass die Schule gar geschlossen werden soll oder wenigstens ihren gymnasialen Zweig verliert, weil es dafür zu wenige Schüler gebe. Solche Gerüchte machen es der Schule derzeit nicht gerade leicht, ihre wahren Probleme anzugehen.

Denn die gibt es in der Tat, doch geht es dabei um eine Kurskorrektur zur Schulentwicklung. Monika Kruse, Vorsitzende des Schulelternbeirats bestätigt, öfters haarsträubende Gerüchte zur Zukunft der Schule gehört zu haben. So haarsträubend diese auch sein mögen, sie kann durchaus verstehen, wie sich diese Gerüchte entwickeln konnten.

Denn zuletzt, das ist ihre grundsätzliche Kritik, gab es in Richtung Elternschaft nur spärliche Informationen, obgleich jeder spüren konnte, dass etwas in Fluss ist. Seitdem Dr. Horst Tritschler zum Ende des ersten Schulhalbjahres 2012/2013 in den Ruhestand verabschiedet wurde, gibt es an der Schule nur eine kommissarische Leitung. In die Elternschaft drangen nur Hinweise, dass an der Schule mit der Besetzung des Schulleiter-Postens auch ein großer Richtungsstreit ausgebrochen sei. Einige Eltern fürchteten, dass darunter die Unterrichtsqualität leiden könnte. Ehemalige GSN-Lehrer wollen gar eine größere Fluktuation im Lehrerkollegium wahrgenommen haben. Dann im Sommer der Paukenschlag: nur 66 Anmeldungen für die neuen Fünferklassen. In den beiden Vorjahren waren es jeweils noch 113 gewesen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo es mit der flexiblen Unterstufe so richtig losgehen sollte. Tritschler verfolgte den Ansatz, dass Kinder nicht nur im Klassenverband, sondern auch altersgemischt lernen sollten, also Fünftklässer, Sechstklässler und Siebtklässer zusammen in einem Raum mit einem gemeinsamen Lehrer.

Damit soll es in Teilen beziehungsweise in der Form, wie es jetzt angelegt ist, zum Schuljahr 2014/2015 wieder vorbei sein, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Sabine Schäfer-Jarosz. „Die Jahrgangsstufe 7 soll ab dem genannten Zeitpunkt wieder schulformbezogen unterrichtet werden. Es wird unsere Aufgabe sein, daran zu arbeiten. Es gibt verschiedene Optionen. Das bedeutet nicht, dass die flexible Unterstufe jetzt wieder abgeschafft wird, wir müssen uns eine andere sinnvolle Organisationsform überlegen“, sagt Schäfer-Jarosz. Zudem informiert sie darüber, dass die Vorbereitungen laufen, im gymnasialen Bereich wieder zurück auf G9 zu gehen, was alle übrigen Gesamtschulen im Kreis schon getan haben. Niederwalgern wählte einen Sonderweg, um schnellen Lernern zu ermöglichen, die Unterstufe in zwei statt den vorgesehenen drei Jahren absolvieren zu können.

Niederwalgern befindet sich nicht im Schulversuch

Warum nur muss die flexible Unterstufe überarbeitet werden? Bernhard Drude, leitender Schulamtsdirektor beim Staatlichen Schulamt Marburg, sagt dazu: Die Gesamtschule Niederwalgern ist eine ganz normale kooperative Gesamtschule. Sie hat ein bestimmtes Modell für den Rahmen einer Förderstufe entwickelt. Nach den geltenden Richtlinien ist dies aber nur für die Jahrgangstufen fünf und sechs möglich, nicht für die Jahrgangsstufe sieben.“ Niederwalgern befinde sich nicht in einem Schulversuch, der die Jahrgangsstufe sieben miteinschließt. Also fehlt schlicht die rechtliche Grundlage.

Das war wohl auch dem ehemaligen Schulleiter bewusst, der deshalb versuchte, mit der damaligen Kultusministerin Dorothea Henzler einen Sonderweg für Niederwalgen auszuhandeln.

So heißt es denn auch aus dem jetzigen hessischen Kultusministerium dazu: „Das Projekt flexible Unterstufe verfolgt im Kontext der Schulentwicklung einen innovativen Ansatz und bietet unter anderem durch die besondere Betonung, dem Anspruch der individuellen Förderung gerecht zu werden, sicherlich viele Vorteile. Dennoch ist zu bedenken, dass es sich bei diesem Konzept um ein Schulentwicklungsprojekt handelt, das der Bewährungsprobe durch die Praxis ausgesetzt ist. Das bedeutet auch, dass eine begleitende Evaluation und im Bedarfsfall eine schulaufsichtliche Steuerung zwingend erforderlich sind.“

Die Steuerung wurde nun also vorgenommen, jetzt muss die Schule darauf reagieren.

Monika Kruse setzt darauf, dass jetzt die Eltern in die bevorstehende Arbeit mit einbezogen werden. Denn es liegen ihrer Ansicht nach einige Fragen auf der Hand, die beantwortet werden müssen. Schließlich wurde den Eltern der jetzigen Fünft-, Sechst- und Siebtklässlern die derzeitige Form der flexiblen Unterstufe vorgestellt und versprochen. „Kommt jetzt die zweite Fremdsprache in der sechsten oder siebten Klasse und was bedeutet der Wechsel zu G9 für die jetzigen Klassen“, nenn Kruse Beispiele der wohl wichtigsten Fragen. Gleichzeitig entwickelt Kruse nun auch ein „gewisses Verständnis“ für die Schule, weil die Zeitvorgabe des Staatlichen Schulamts es ihrer Meinung nach so gut wie unmöglich macht, dass alles, was bis zum neuen Schuljahr auf den Weg gebracht werden muss, in allen Gremien besprochen werden könne.

Doch es gibt auch Entscheidungen, die unmittelbar bevorstehen und für die Weiterentwicklung von großer Bedeutung sind. Zum einen, soll was die Schulleiter-Stelle angeht, eine Auswahlentscheidung „unmittelbar bevorstehen“, so Christian Henkes, Sprecher des Hessischen Kultusministeriums.

Zum anderen ist ganz sicher, dass es mit der Gesamtschule weitergehen wird. Der gymnasiale Zweig sei nicht in Gefahr. Eine Aufgabe zugunsten der Schule in Gladenbach sei nicht beabsichtigt und nie im Gespräch gewesen. „Von solchen Überlegungen ist uns nichts bekannt. Sie müsste eine Änderung der Schulform nach sich ziehen. Hier ist der Schulentwicklungsplan des Schulträgers ganz zentral“, so Henkes. Dr. Markus Morr, Sprecher des Landkreises, bestätigt: „Die Schule wird laut Entwicklungsplan natürlich eine Gesamtschule bleiben.“

von Götz Schaub

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