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Fünf Windrädern im Wald bei Hassenhausen

Strom für 10000 Haushalte Fünf Windrädern im Wald bei Hassenhausen

Das auf dem Regionalplan ausgewiesene Vorranggebiet 3140 zur Nutzung der Windenergie in der Gemarkung Hassenhausen soll nun auch tatsächlich zu einem Windpark ausgebaut werden.

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Till Neumann (rechts) und Tobias Zinsser (Dritter von rechts) informierten interessierte Hassenhäuser über die jeweiligen Standorte im Windvorranggebiet 3140.

Quelle: Götz Schaub

Hassenhausen. Eins vorweg: Es ist nicht die Energiegenossenschaft Lumdatal, ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden in der Region, die dort investiert. Nein, es sind die Waldinteressenten Hassenhausen, die sich als strategischen, planenden und bauausführenden Partner die Firma Abicon aus Gilserberg ins Boot geholt haben. Wenn alles glatt läuft, soll im Sommer 2017 Einweihung gefeiert werden.

Der Status der Zusammenarbeit ist bereits per Unterschrift besiegelt. Die Firma Abicon wurde mit der Projektierung der Errichtung von fünf Windenergieanlagen beauftragt.

Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber, der am Freitagabend zu einer Info-Veranstaltung der Waldinteressenten nach Hassenhausen kam, bedauerte zwar diesen Schritt, weil er sich gewünscht hätte, die Vorrangfläche als Mitgliedskommune über die Energiegenossenschaft Lumdatal und ihre Partner umzusetzen, doch sagte er den Waldinteressenten auch zu, dass die Gemeinde das Vorhaben „vollumfänglich unterstützen wird“.

Holger Möller, Vorsitzender der Waldinteressenten Hassen­hausen, sowie Herbert Bodenbender, Sprecher der eigens eingerichteten Arbeitsgruppe „Windkraft“, erläuterten, dass sie sich durchaus auch eine Zusammenarbeit mit der Energiegenossenschaft Lumdatal hätten vorstellen können, mehrfach habe man entsprechende Gesprächsangebote unterbreitet, jedoch keine Reaktion erhalten beziehungsweise eher den Hinweis, noch abzuwarten. „Das wollten wir dann auch nicht mehr und haben schon vor längerer Zeit auch das Gespräch mit der Firma Abicon aufgenommen, die nun in einer Zusammenarbeit mündete“, fasst Bodenbender zusammen.

Die Firma Abicon wirbt ähnlich wie die Energiegenossenschaft für die Stärkung der Region. Anders als andere Firmen sagte sie zu, dass der Firmensitz der Betreibergesellschaft in der Gemeinde sein wird, in der die Windenergieanlagen entstehen.

Exkursion zu den fünf Standorten

Das sichert der politischen Gemeinde Fronhausen Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Von der Standortakquise über die Wirtschaftlichkeitsberechnung, das Genehmigungsverfahren, die Kapitalakquise und Bauphase bis zum Anlagenbetrieb liegt alles in der Hand der Firma Abicon, die bis dahin damit auch das alleinige finanzielle Risiko trägt. Neben den Waldinteressenten und der Kommune sollen auch Bürger und Landeigentümer über Pachteinnahmen und Gewinnbeteiligungen partizipieren können.

Die fünf Anlagen stehen von Hassenhausen aus gesehen relativ versteckt im Interessentenwald Hassenhausen. Am Samstag konnten sich bei einer angebotenen Exkursion in das Planungsgebiet alle Mitbürger schon einmal einen Überblick über die vorgesehenen Standorte verschaffen. Dabei fiel auf, dass die Anlagen recht weit voneinander entfernt stehen, und zwar stets in Waldgebiet, doch nie mehr als 50 Meter vom Waldrand entfernt, eher weniger, so dass die Zuwegung für den Bau der Anlagen nur eine minimale Fläche an Wald verbrauchen wird. In zwei Fällen befinden sich die Standorte in Regionen, in denen Windbruch bereits den Waldbestand zerstört hat.

Das Waldgebiet wird von einer mehrere hundert Meter breiten Freifläche durchzogen, die landwirtschaftlich genutzt wird. Sie soll unbebaut bleiben. „Da, wo Bäume fallen müssen, ist es erträglich, wir zerstören keinen wertvollen Bestand“, sagt Möller während des Präsentationsausfluges, der per Traktor und Anhänger stattfand. Als „Waldbauern“ sei es für sie sowieso eine Selbstverständlichkeit, den Wald später wieder so zu bewirtschaften wie jetzt auch. Pro Windenergieanlage sollen maximal 0,2 Hektar Waldfläche in Anspruch genommen werden, sprich für das Fundament und die Kranstellfläche. Die Waldinteressenten freuen sich darüber, dass sie gegen Erstattung der Kosten das vor über einem Jahr in Auftrag gegebene avifaunistische Gutachten von den Stadtwerken Marburg zur Verfügung gestellt bekommen. Auch wurden die Belange des Denkmalschutzes bezüglich der in der Gegend vorkommenden Hügelgräber schon abgearbeitet.

So zeigen sich auch Till Neumann und Tobias Zinsser, die das Vorhaben von der Firma Abicon aus betreuen, sehr zuversichtlich, dass die Planungen rasch vorangetrieben werden können, nachdem bereits das größte Hindernis aus dem Weg geräumt werden konnte. Denn das Plangebiet wurde bisher als Hubschraubernachttiefflugzone genutzt, doch wurde diese von der Bundeswehr entgegenkommend verändert.

von Götz Schaub

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