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Front gegen Mastanlage formiert sich

Bürgerinitiative gegen Hähnchenmastbetrieb Front gegen Mastanlage formiert sich

Bellnhäuser Bürger wollen nicht hinnehmen, dass in ihrer Nähe ein Hähnchenmastbetrieb für knapp 39.900 Tiere entsteht. Sie gründeten am Freitag eine Bürgerinitiative.

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Bei der Gründung der „Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung“ nahmen im Dorfgemeinschaftshaus Bellnhausen 30 Menschen teil. Zur Leiterin und Pressesprecherin der Initiative wurde Sonja Haese (rechts am Tisch in der Mitte) gewählt.

Quelle: Manfred Schubert

Bellnhausen. Der Bellnhäuser Landwirt Günter Jung kann die Sorgen der Menschen verstehen, hält sein Vorhaben aber für ausgereift. Die Menschen fühlten sich wohl ein wenig hintergangen, weil die Genehmigung für eine Anlage unter 40.000 Tieren über ein vereinfachtes Verfahren und ohne öffentliche Bekanntmachung erfolgen kann. Er habe seine Planungen allerdings bereits 2009 dem Fronhäuser Bürgermeister Reinhold Weber vorgestellt, sagt Jung.

Vieles an der geäußerten Kritik sei so nicht richtig, einiges gehe auch ins Persönliche, das sei für die Familie im Moment sehr belastend, sagte Jung im Gespräch mit der OP. Die von Kritikern angeführten Belastungen will er nicht kommentieren, weil noch Gutachten ausstünden. Er glaubt aber, dass die am nördlichen Rand von Bellnhausen geplante Anlage das Dorf insgesamt wenig beeinträchtigen wird.

Für seine Familie sei die geplante Hähnchenmast und die Biogasanlage ein Schritt zur Sicherung des Betriebs, den er sonst auf längere Sicht bedroht sieht.
Jung will seinen Betrieb von Milchviehhaltung umstellen. Neben der Hähnchenmast soll die Biogasanlage das zweite Standbein des Familienbetriebs werden und zugleich dafür sorgen, dass der anfallende Mist der Tiere energetisch verwertet wird.

In der Biogasanlage soll aus dem Hähnchenmist, einem relativ geringen Anteil Mais und einem hohen Anteil Klee und Grasschnitt, die von seinen Flächen kommen sollen, Biogas und Strom (pro Jahr etwa 2 Millionen Kilowattstunden) erzeugt werden. Die Abwärme soll den Stall heizen, das nach dem Gärprozess entstehende Substrat kann als geruchloser Dünger wieder auf Jungs Felder kommen. Für die Konzeption der Anlagen habe er sich bei ähnlichen Betrieben im Schwalm-Eder-Kreis und im Kreis Kassel informiert, berichtet Jung.

Mit einem Betrieb in dieser Größenordnung wäre Jung allerdings mit einem Schlag mit großem Abstand der größte Hähnchenmäster im Kreis. Nach Angaben von Kreissprecher Stephan Schienbein gibt es bislang in einer ähnlichen Größenordnung nur einen Betrieb mit 20.000 Tieren in Erksdorf.

„Offiziell“ gegründet hat sich die Bürgerinitiative allerdings auch erst am Freitag während einer fast dreistündigen Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus, an der 30 Menschen teilnahmen. Bis dahin habe es nur private Treffen von Bewohnern gegeben, die sich gegen das Bauvorhaben engagieren wollen. Die Kunde davon habe erst drei Wochen vor der Kommunalwahl auf mündlichem Wege die Runde durchs Dorf gemacht.

Die Versammlung entschied sich für die Bezeichnung „Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung“. Zur Leiterin und Pressesprecherin wurde Sonja Haese gewählt. Die Aufgabe der
Informationssammlung und –weitergabe übernahm Andreas Fuhrmann. Dieser widersprach der Darstellung Günter Jungs: „Mehrere Leute von uns waren bei ihm und haben vergeblich versucht, irgendwelche sachlichen Informationen zu bekommen. “

von Manfred Schubert
und Michael Agricola

Mehr lesen Sie in der Montagsausgabe der OP.

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