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„Wir müssen aufeinander zugehen“

Fraktionen zum Bürgerbegehren „Wir müssen aufeinander zugehen“

Katerstimmung in der Fronhäuser Politik: Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und der Initiative Fronhausen nehmen Stellung zum Bürgerentscheid. Wie geht es weiter mit der Entwicklung der Gemeinde?

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Aus und vorbei: Das Baugebiet „Auf‘m Lärchenscheid“ wird in den nächsten Jahren nicht realisiert. Dieses Bild zeigt, wie sich die ­Gemeinde das Areal vorgestellt hatte.Foto: Gemeinde Fronhausen/Montage: Ricarda Schick

Quelle: Foto: Gemeinde Fronhausen/Montage: Ricarda Schick

Fronhausen. Als am frühen Sonntagabend das vorläufige Ergebnis des Bürgerentscheides feststand, gab es im Fronhäuser Rathaus lange Gesichter. Nachdem nun der erste ­
Ärger verraucht ist, machen sich die Mitglieder der Gemeindevertretung darüber Gedanken, was das Aus für das Baugebiet „Auf‘m Lärchenscheid“ für die Gemeinde bedeutet und wie es für Fronhausen weitergehen könnte.

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Initiative Fronhausen äußerten sich auf OP-Nachfrage zwar ­alle enttäuscht, machten aber zugleich klar, dass nun neue Ideen in die Diskussion gebracht werden müssen.
SPD-Fraktionschef Günter Majewski bedauert, dass die Pläne nun gekippt sind. Er verwies darauf, dass das Baugebiet im Parlament eine breite Zustimmung erfahren hatte und von allen Fraktionen getragen wurde. „Mich hat das Ergebnis überrascht“, sagte er.

Kurz vor der Entscheidung habe er an einem Informationsstand nochmal mit Bürgern über das Thema gesprochen. In diesen Diskussionen, so sein Eindruck, habe sich eine Mehrheit für das geplante Baugebiet ausgesprochen.

Nur noch zwei Allgemeinmediziner in Fronhausen

Majewski machte deutlich, dass nicht nur der Ort Fronhausen, sondern auch alle anderen Ortsteile von einem Zuwachs profitiert hätten. Neue Bürger bedeuteten auch einen Anstieg der Nachfrage, was wiederum das Angebot innerhalb der Gemeinde stärken würde.

Der SPD-Fraktionschef führte den Einzelhandel und die medizinische Versorgung in der Gemeinde als Beispiele an. Es gebe nur noch zwei Allgemeinmediziner in Fronhausen, und die seien auch schon etwas älter.

Ein Bevölkerungszuwachs erhöhe die Chancen, auch in Zukunft die ärztliche Versorgung sicherzustellen.
Majewski blickte auch nach vorn. „Ich werde mich ­dafür einsetzen, dass kleinere Einheiten für eine Bebauung gesucht werden“, sagte er. „Wir müssen einen Weg finden, damit Fronhausen nicht zu einer sterbenden Gemeinde wird.“

Martin Wenz (mittleres Bild), Fraktionsvorsitzender der Initiative Fronhausen, hatte damit gerechnet, dass es eng zugehen könnte bei der Abstimmung am Sonntag. Das Ergebnis habe ihn dennoch überrascht.

Die Mehrheit für das Bürgerbegehren erklärte Wenz auch damit, dass die Pläne für das Baugebiet „schwierig zu transportieren“ gewesen seien. Deswegen gebe es von seiner Seite keine Vorwürfe an die Gemeinde, dass die Pläne gescheitert sind. Auch für den Planer brach er eine Lanze. „Herr Wolf macht das seit jeher äußerst gewissenhaft.“

Kopf nicht in den Sand stecken

Wenz äußerte auch Verständnis für die Gegner. „Es gab gute Gründe, um mit Ja und gegen das Baugebiet zu stimmen“ sagte­ er. Jetzt wolle er gemeinsam mit der Fraktion nach vorne schauen und „den Kopf nicht in den Sand stecken“.

So könnten beispielsweise die Landbesitzer in der Gemeinde nochmal angesprochen werden, um herauszufinden, ob es vielleicht andere Möglichkeiten gebe, neues Bauland zur Verfügung zu stellen. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens nahm Wenz dabei mit in die Pflicht. „Wir sind gespannt auf die Vorschläge der Initiatoren“, sagte er. Seine Fraktion werde­ sich die Ideen­ der Initiative gern anhören.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, ­Lothar Nau, äußerte sich ähnlich. „Ich erwarte von den Trägern des Bürgerbegehrens, dass sie sich in diesem Thema weiter engagieren“, so Nau. Er sei guter Hoffnung, dass die Diskussion vom Streit unbelastet fortgeführt werden könne.

Schwieriger Kampf gegen Leerstände

Das Bürgerbegehren sei „gelebte Demokratie“ und obwohl er und seine Fraktion die Pläne unterstützt hätten, empfinde er das Ergebnis vom Sonntag keineswegs als Niederlage. „Wir haben in unserer Einschätzung wohl falsch gelegen und das müssen wir einfach akzeptieren“, sagte Nau.

Jetzt gehe es darum, Lösungen zu finden. Nau möchte beispielsweise die Leerstände in den Ortschaften bekämpfen. Allerdings sei das nicht so schnell umzusetzen wie ein neues Baugebiet, sagte er. Viele Häuser entsprächen nicht mehr dem Stand der Technik.

Zudem stünden viele Gebäude unter Denkmalschutz und könnten nicht so einfach zu Wohnraum umgebaut werden. Als Alternative nannte Nau den Ortsteil Oberwalgern, wo eine kleinere Fläche von etwa zehn Bauplätzen denkbar sei.

Die Erschließung kleinerer Einheiten sei jedoch teurer als die eines großen ­zusammenhängenden Gebiets. Für den Fortgang der Diskussionen fordert Lothar Nau: „Wir müssen jetzt alle aufeinander zugehen.“

von Dominic Heitz

Standpunkt

Bewahrer
 gegen Erneuerer

Am Sonntag haben sich die Gegner des geplanten Baugebietes „Auf‘m Lärchenscheid“ im Rahmen einer demokratischen Entscheidung gegen die Befürworter durchgesetzt. Beide Seiten hatten im Vorfeld starke Argumente vorgebracht – in den Diskussionen spiegelte sich der alte Kampf zwischen Erneuerern und Bewahrern wider, den Menschen zu allen Zeiten immer wieder ausgefochten haben.

Der Streit ist nun entschieden, aber die Sache noch lange nicht erledigt. Jetzt kommt es darauf an, dass sich die beiden Lager zusammenraufen, um die Zukunft der Gemeinde Fronhausen gemeinsam zu gestalten.

Die Bürgermeisterin und die Fraktionen der Gemeindevertretung sollten ihren Ärger über das Ergebnis hinter sich lassen und sich daran machen, neue Ideen für Bauland in der Gemeinde zu entwickeln.

Fronhausen muss Menschen Anreize bieten, sich dort niederzulassen und dauerhaft sesshaft zu werden. Sonst droht die Gemeinde auszubluten. Das schaffen Parlament und Bürgermeisterin aber nicht allein. Sie brauchen die Hilfe und Unterstützung aller Fronhäuser.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sollten sich deshalb nicht auf ihren Siegeslorbeeren ausruhen, sondern sich jetzt konstruktiv in die Diskussionen einbringen. Sonst könnten sie am Ende als diejenigen dastehen, die der Entwicklung der ­Gemeinde den Todesstoß versetzt haben.  

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