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Wilde Windrad-Touristen verärgern Jagdpächter

Windpark Hassenhausen Wilde Windrad-Touristen verärgern Jagdpächter

Neugier in Hassenhausen: Viele Besucher nahmen nach Feierabend die Baustellen zu Fuß, per Rad oder verbotenerweise auch mit dem Auto über die Baustraßen in Augenschein.

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Kaum aus dem Bus gestiegen, betrachteten die Besucher den imposant wirkenden, aus Betonhalbschalen 80 Meter hoch errichteten Windenergieanlagenturm. Auf diesen wird ein weiterer Stahlträger mit 74 Metern Höhe aufgesetzt.

Quelle: Manfred Schubert

Hassenhausen. Am Freitagnachmittag hatten die Waldinteressenten Hassenhausen, auf deren Flächen der Windpark auf einer Höhe von 259 bis 295 Metern errichtet wird, gemeinsam mit der Firma Abicon GmbH aus Gilserberg, die mit der Projektierung der Windenergieanlage beauftragt ist, zu einer öffentlichen Besichtigung eingeladen.

230 Interessenten besichtigten die Baustelle

Das Interesse war groß. Etwa 230 Besucher aus der Gemeinde Fronhausen und darüber hinaus kamen nach und nach zum Bürgerhaus in Hassenhausen. Von dort aus fuhr ein Bus bis zur ersten Windenergieanlage (WEA), unterwegs gab Abicon-Mitarbeiter Alexander Sacher erste Erläuterungen zu den Baustraßen und dem Bauverlauf. Dort warteten weitere Mitarbeiter, um in persönlichen Gesprächen Fragen zu beantworten.

Zufälligerweise war genau an diesem Tag der erste Bauabschnitt der vier WEA-Türme vollendet worden. Alle vier Türme sind nun 80 Meter hoch. Sie bestehen aus Betonhalbschalen, die von der Firma Max Bögl in Neumarkt in der Oberpfalz hergestellt und vor Ort zusammengesetzt wurden.

Darauf aufgesetzt werden sollen jeweils zwei 27 Meter lange­ Stahlturmteile. Deren Anlieferung verzögere sich um eine Woche, da eine Autobahnbaustelle die Schwertransporte vom WEA-Hersteller Nordex mit Sitz in Rostock derzeit nicht zulasse, berichtete Abicon-Geschäftsführer Dr. Andreas Möller.

Rotorflügel kommen per Schwertransport

Die Nabe der WEA vom Typ Nordex W131 wird in 134 ­Metern Höhe liegen mit einem ­Rotordurchmesser von 131 Metern. Die längsten Teile, die per Schwertransport angeliefert werden, sind die 65,5 Meter langen Rotorflügel. Ans Netz gehen soll der Windpark bis zum 30. September, denn danach sinkt die Einspeisevergütung für den Windstrom. Der Anschluss soll über ein gemeinsames Umspannwerk für die Windparks Staufenberg und Hassenhausen in Treis an der Lumda erfolgen.

Jede WEA hat eine Nennleistung von drei Megawatt, das reiche, um 8000 Haushalte zu versorgen, sagte Abicon-Projektentwickler Daniel Krump. Dr. Möller geht entsprechend den Windmessungen von 30 Millionen Kilowattstunden im Jahr aus, was drei Millionen Litern Heizöl entspreche. Die CO2-Einsparung durch den Windpark soll bei 24.000 Tonnen im Jahr liegen.

Schutz für Fledermäuse und Kraniche

Nach zweijähriger Planungsphase hatten von Dezember bis Januar Rodungsarbeiten stattgefunden, Anfang März wurde mit dem Straßenbau begonnen. Eine eigene Abfahrt von der B 3 sollte die Eingriffe in die Natur­ sowie Belästigungen der Bevölkerung, die bei Zufahrt über ­einen Ortsteil größer gewesen­ ­wären, vermeiden, erklärte ­Abicon-Mitarbeiter Alexander­ ­Sacher während der Busfahrt. Meist seien bestehende Feldwege erweitert worden, nur ­wenige Wege hätten zusätzlich gebaut werden müssen.

Die WEAs verfügen über Fledermausdetektoren, bei hoher Aktivität der Tiere sollen sich die Anlagen abschalten. Ebenso bei Kranichzug oder bei der ­Gefahr von Eisschlag, erläuterte­ Abicon-Mitabeiter Christoph Brück. Außerdem gelte auf einer 2,33 Hektar großen Waldfläche eine Nutzungseinstellung, um einen Ausgleich für Vögel und Fledermäuse für die von den WEA in Anspruch genommenen Flächen zu schaffen.

Holger Möller, Vorsitzender der Waldinteressenten Hassenhausen, hofft, dass nach dieser Führung die privaten Besichtigungen abnehmen. „Die Jagdpächter sind über den ,Windradtourismus‘ verärgert“, berichtete er. Zusätzlich zur Bautätigkeit, die tagsüber stattfinde, störten die abends und besonders sonntags zu den Baustellen ziehenden Neugierigen die Tierwelt.

  • Anfang September soll eine weitere Informationsveranstaltung zur Möglichkeit einer Beteiligung der Bürger am Windpark stattfinden.

von Manfred Schubert

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