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Ware verkauft, aber niemals verschickt

Internetbetrug Ware verkauft, aber niemals verschickt

Erst eine Markenjacke im Internet zum Kauf anbieten, dann die Bezahlung einstreichen und die Ware behalten – damit kam ein 26-Jähriger nicht davon. Er erhielt eine ­Bewährungsstrafe.

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Ein Einkommen von 2.500 Euro netto reichten dem Verurteilten nach eigenen Angaben nicht.

Quelle: Inga Kjer/dpa

Fronhausen. Mit Geldproblemen und der eigenen Schusseligkeit erklärte der Hobby-Händler aus Fronhausen, dass er nicht zum ersten Mal bereits bezahlte Ware einbehalten hatte. Einem geprellten Käufer wurde die Sache zu bunt, er verklagte den jungen Mann wegen Betruges.

Der hatte den Parka im Juni vergangenen Jahres für 120 Euro auf einer Internetplattform verkauft. Vor dem Strafgericht legte der 26-Jährige ein Teil-Geständnis ab. „Es stimmt, die Ware habe ich nicht verschickt, aber es war kein böser Wille, ich wollte­ niemanden seines Geldes berauben“, beteuerte der Angeklagte, dass hinter dem Ganzen keine betrügerische Absicht stand. Das passte nicht ganz zusammen, zumal er den Kontakt zu dem Käufer schnell einstellte und die Jacke direkt den ­nächsten Interessenten anbot.

26-Jähriger betrügt wiederholt im Internet

Das erklärte er mit einer abstrusen Finanzführung: Nachdem er die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin und Mutter seines Kindes beendet hatte, versank er Anfang vergangenen Jahres quasi in einem Chaos aus Rechnungen und Mietforderungen der gemeinsamen Wohnung, die er sich alleine nicht leisten konnte. Er blieb dennoch darin wohnen, den Betrug beging er erst ein halbes Jahr nach der Trennung. Monatlich verdiene er als Handwerker rund 2500 Euro netto – mit den Kosten des alltäglichen Lebens sei er dennoch nicht zurecht gekommen.

Irgendwann gab er auf, packte seine Post, diverse Rechnungen und Mahnungen einfach „in eine Schublade und schaute nicht mehr nach“, gab er an. Auf Nachfrage des Gerichts bestätigte er, dass der Großteil davon übliche Anschreiben und Rechnungen waren – Versicherungen, Steuer, Miete, Auto. Dennoch sei ihm der Schriftverkehr „über den Kopf gewachsen“, er fand keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern, teilte­ der Mann mit. Mangels Geld verkaufte er diverse Haushaltsgegenstände und Kleidung. Auch das überforderte ihn irgendwann, „es war ein Berg voller Sachen“, die er in Kartons verpackte, jedoch nur teilweise an die Käufer verschickte. Seine Argumente nahm ihm Staatsanwältin Christine Keil nicht ab, die auf eine rege Kommunikation mit potenziellen Käufern verwies. „Das kostet auch Zeit, und da fühlen Sie sich überfordert das Päckchen abzusenden – das passt nicht zusammen und ist nicht glaubhaft“, betonte die Anklagevertreterin. Erst nach mehrfachem Nachfragen gab der Beschuldigte zu, die ­Jacke wohl gezielt mehreren Käufern angeboten zu haben, als Rückversicherung, um über einen knappen Monat zu kommen. Das Geld habe er später zurückzahlen wollen.

Strafrichter: „Sie haben nichts daraus gelernt“

Diese Masche wandte der Mann indes nicht zum ersten Mal an. Er wurde bereits wegen mehrerer Betrugsfälle verurteilt, zahlt immer noch eine Geldstrafe aus einem früheren Urteil ab. Der aktuelle Betrug folgte­ auf dem Fuße – wenige Tage­ nachdem der letzte Strafbefehl rechtskräftig wurde, stellte­ der Mann direkt die nächste Ware ins Internet. „Sie haben nichts daraus gelernt“, betonte Strafrichter Thomas Vollmer, der keine Voraussetzung auf eine weitere Geldstrafe mehr sah.

Er folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 26-Jährigen wegen Betruges zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten und zwei Wochen, unter Einbeziehung eines vorangegangenen Urteils wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Zudem hat der Mann 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. „Das war jetzt schon das zweite Mal – ich hoffe, dass wir uns nicht mehr wiedersehen müssen“, mahnte der Richter den Mann, die Finger von weiteren dubiosen Geschäften zu lassen.

von Ina Tannert

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