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Vom Arbeitsplatz direkt zum Einsatzort

Tagesfeuerwehr Fronhausen Vom Arbeitsplatz direkt zum Einsatzort

Viele ländliche Kommunen kennen das Problem: Tagsüber sind nicht genügend Einsatzkräfte da, die im Notfall ausrücken können. Deshalb hat die Gemeinde eine neue „Tagesfeuerwehr“ ins Leben gerufen.

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Mitarbeiter der Fronhäuser Firmen Schneider und Gerhard Sanitär- und Heizungsbau rücken für die „Tagesfeuerwehr“ aus.

Quelle: Patricia Grähling

Fronhausen. Immer mehr Berufstätige pendeln an die Arbeit, haben ihren Job mehrere Kilometer vom Heimatort entfernt. Das Problem trifft vor allem Dörfer im ländlichen Raum – also auch den Ort Fronhausen. Die dortige Feuerwehr kann laut Gemeindebrandinspektor Eric Schnabel am Tag nicht genügend Feuerwehrleute stellen, um die sogenannte Tagesalarmbereitschaft sicher aufrechtzuerhalten. „Wir haben in Fronhausen 32 aktive Einsatzkräfte. Davon können 8 bis 10 auch tagsüber ausrücken“, erklärt er. Das reiche jedoch nicht, um eine Staffel innerhalb von zehn Minuten auf den Weg zu bringen – und damit die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten.

Insbesondere bei der Anzahl der Atemschutzgeräteträger gibt es laut Eric Schnabel Probleme: Insgesamt haben die Fronhäuser in der Kerngemeinde derzeit 15 Feuerwehrleute, die auch unter Atemschutz in den Einsatz gehen können. „Rund um die Uhr sollten mindestens acht da sein – bei uns sind es am Tag aber vielleicht drei bis vier. Und die sind auch manchmal nicht da oder im Urlaub“, erläutert der Gemeindebrandinspektor die Probleme.

Externe Einsatzkräfte unterstützen die Feuerwehr

Aus der Not heraus wurde daher die Idee der Tagesfeuerwehr geboren: Die Firma Schneider und die Firma Gerhard Sanitär- und Heizungsbau haben unter ihren Mitarbeitern geworben, die von außerhalb täglich nach Fronhausen kommen, um dort zu arbeiten. Die Mitarbeiter, die in ihren Heimatorten ebenfalls in der Feuerwehr aktiv sind, rücken nun im Ernstfall tagsüber für die Fronhäuser Feuerwehr mit aus. „So haben wir auf einen Schlag unsere Mannschaftsstärke am Tag verdoppelt“, freut sich Eric Schnabel.

Geht der Alarm los, rücken acht Mitarbeiter von Schneider und ein Mitarbeiter von Gerhard in Fronhausen mit aus. Zusätzlich sind sie einmal monatlich während der Arbeitszeit zwei Stunden freigestellt, um gemeinsam mit den Fronhäuser Einsatzkräften eine Übung zu absolvieren. Bewährt hat die neue Zusammenarbeit sich laut Eric Schnabel jetzt schon: Bereits zweimal musste die neue Tagesfeuerwehr ausrücken – zu einem Verkehrsunfall und einem Wohnhausbrand.

„Ich bin überrascht, wie viele Menschen von außerhalb der Gemeinde sich bereiterklärt haben, unsere Feuerwehr zu unterstützen und unsere Tagesalarmbereitschaft zu sichern. Das ist ihnen hoch anzurechnen“, freut sich Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Schließlich sei Feuerwehrarbeit nicht immer leicht zu verkraften. Überrascht habe die Bürgermeisterin auch die spontane und unbürokratische Hilfe der beiden Firmen. „Schließlich wird den Unternehmen kurzfristig Arbeitskraft genommen und uns zur Verfügung gestellt.“ Und nicht nur das: Die Firmen haben sich sogar daran beteiligt, den neuen Tagesfeuerwehrleuten passende Ausrüstung für den Einsatz zu kaufen.

Wehr unterstützt Firmen im Gegenzug beim Brandschutz

„Formal gesehen fehlt uns noch eine Person, um die komplette Tagesbereitschaft sicherzustellen“, führt Claudia Schnabel aus. „Aber wir sind nun gut aufgestellt, um im Ernstfall Menschenleben zu retten.“ Mit den Bemühungen von Gemeinde und Feuerwehr sei auch noch nicht Schluss: Weitere Firmen sollen angesprochen werden, eine habe sogar schon Interesse signalisiert. „Die Gemeinde erstattet den Firmen natürlich auch den Verdienstausfall“, erklärt der Gemeindebrandinspektor. Im Gegenzug biete die Feuerwehr den Firmen Unterstützung bei der Umsetzung gesetzlicher Brandschutzbestimmungen.

„Für uns ist es wichtig, dass wir die Feuerwehr unterstützen“, betont Günter Schneider von der Firma Schneider. Er selbst habe erst kürzlich einen Unfall gehabt und sei für die sofortige Hilfe der Feuerwehr dankbar gewesen. „Auch für die Firmen im Ort ist es wichtig, dass die Feuerwehr schnell da ist und Hilfe leisten kann.“

von Patricia Grähling

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