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Frust an der Bergstraßen-Front

Arbeiten starten im April Frust an der Bergstraßen-Front

Auf 450 Metern Länge lässt die Gemeinde Fronhausen die Bergstraße sanieren. Etwa 1,2 Millionen Euro soll der auf 18 Monate angesetzte Ausbau kosten, rund 350.000 Euro davon tragen die 37 Anlieger.

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Die Bergstraße führt in Fronhausen von der Gießener Straße den Hang hinauf bis zum Schulgelände. Am Fuß der Bergstraße befindet sich das Bürgerhaus, auf dessen Parkplatz eine behelfsmäßige Bushaltestelle für den Schülerverkehr entstehen soll, solange der Straßenausbau läuft.

Quelle: Thorsten Richter

Fronhausen. Nach Angaben von Bürgermeisterin Claudia Schnabel kommen auf die Anlieger, je nach Grundstücksgröße, Kosten zwischen rund 3000 und etwa 24.000 Euro zu. Abgerechnet wird nach dem Ausbau – er soll in spätestens 18 Monaten enden, sagt Schnabel.

Schon seit dem vergangenen Jahr sind die Bergstraßen-Anlieger wegen der Sanierung in Aufruhr. Sie haben sich gut organisiert. Es gibt einen Anlieger-Sprecher und gemeinsame Treffen zum Austausch von Neuigkeiten. Auch eine Online-Petition lief – dabei kamen 368 Unterschriften zusammen, die die Forderung der Anlieger nach einer finanziellen Beteiligung des Landkreises bekräftigten.

„Straßenausbau trifft jeden irgendwann einmal“

Wenn schon dieser Ärger, wenn schon diese Kosten, dann will man es der Gemeinde doch wenigstens möglichst schwer machen, so das Credo der jüngsten Bergstraßen-Versammlung, zu der 27 Anlieger kamen, die vor allem eins einte: das Ziel, sich gegen die Straßenbeiträge zu wehren, wenn es sein muss, dann auch vorm Verwaltungsgericht. Da hilft es auch nicht, dass Bürgermeisterin Schnabel wieder und wieder Verständnis signalisiert: „Für den Einzelnen sind es teils hohe Belastungen, aber Straßenausbau trifft jeden irgendwann einmal – wenn man Hausbesitzer ist muss man das einplanen, so wie man auch die Sanierung des Dachs einplanen muss.“

Großer Aufreger bei den Bergstraßen-Anliegern war zuletzt der Sachverhalt, dass sich der Landkreis, der die Bergstraße­ als Schulträger mit seinen Schulbussen belastet, nicht an den Kosten beteiligt. Die Anlieger wandten sich an Kreistagsabgeordnete, das Thema kam im Hauptausschuss des Kreistags zur Sprache und dann im Kreistag selbst, obwohl die Fraktion von Die Linke sich darum bemüht hatte, nicht mehr auf die Tagesordnung. Die Sachlage­
sei klar, sagte Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow (CDU) im Ausschuss: Der Kreis habe keine Pflicht, sich an den Ausbaukosten zu beteiligen. Dazu sagt Schnabel: „Das ist ­unglücklich, aber wir haben versucht, eine Kreisbeteiligung zu erreichen – wir haben keine Handhabe.“

Dass in der Sache keine weitere Auseinandersetzung mit dem Kreis gewünscht wird, war in der Anliegerversammlung in der vergangenen Woche schnell klar: „Es geht nur über die Gemeinde, da müssen wir Druck machen, den Kreistag könnt ihr vergessen“, sagte ein Teilnehmer. Dabei machen die Anlieger sich keine Illusionen darüber, dass der Ausbau kommt – und dass sie werden zahlen müssen. Aber man ist inzwischen von einer Art grundsätzlichem Misstrauen der Gemeinde gegenüber erfüllt. „Das wird vor Gericht enden, das weiß ich jetzt schon“, sagte Anlieger-Sprecher Dennis Chris Schimmer und forderte die Teilnehmer der Versammlung dazu auf, ­alle Einwände gegen den Ausbau und alle Kritik jeweils schriftlich festzuhalten und bei ihm abzugeben, damit er dies bei der Gemeinde abgeben könne. Eine Woche nach dieser Aufforderung waren zwei Eingaben bei ihm angekommen, wie er auf Nachfrage der OP mitteilte. #
„Gegenüber der Gemeinde alles immer schriftlich – und quittieren lassen, sonst haben die nachher nie etwas davon gehört“, riet Reiner Schöck aus Lohra, Vorsitzender des Regionalverbands Mitte im Verband Wohneigentum, der die Anlieger unterstützt und in der Versammlung Beispiele für Auseinandersetzungen über Straßenbeiträge gab.

Er sicherte den Fronhäusern zu, dass sein Verband die Kosten eines Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht tragen werde, wenn die Bergstraßen-Anlieger zu Mitgliedern des Vereins würden. Allerdings müsse man sich auf ein zähes Ringen einstellen – und darauf, dass es lange dauert, „vor dem Verwaltungsgericht geht das nicht so schnell“.

Busstopp: Anlieger zweifeln an Kostenkalkulation

Aktuell ärgern sich die Anlieger vor allem über die geplante Einrichtung eines behelfsmäßigen Busbahnhofs für den Schülerverkehr, der auf dem Parkplatz am Bürgerhaus entstehen soll. „Weitere Kosten, die auf uns umgelegt werden“, sagte Schimmer dazu und kündigte an, dass er bei einem Bauunternehmen ein Alternativangebot einholen werde, um die Kostenkalkulation der Gemeinde fundiert infrage stellen zu können. Bürgermeisterin Schnabel spricht von rund 10 000 Euro, von denen beim einzelnen Anlieger geschätzt „einige hundert Euro“ ankämen. Anlieger-Sprecher-Schimmer nannte verschiedene Beträge und ging von Kosten aus, die dann möglicherweise bei 50 000 Euro für die Ersatz-Bushaltestelle lägen. Die Busse gelangen derzeit über die Bergstraße zur Fronhäuser Schule, ab dem 3. April, während des Ausbaus, ist dort kein Durchkommen mehr.

Die Schüler sollen, so erklärt es Schnabel, künftig am Bürgerhaus aussteigen – teils über geschotterte Feldwege, teils durch einige Wohnstraßen gelangen sie den Berg hinauf zur Schule. Am Bürgerhaus müsse dazu ­eine behelfsmäßige Zufahrt für die Busse geschaffen werden, Schnabel spricht von „Schotter und einer Tragschicht“, die dazu aufgebracht werden müssten. Auch die Feldwege sollen geschottert werden, damit die Schüler sie auch bei Nässe nutzen können. Diese Lösung garantiere für die Kinder den sichersten alternativen Schulweg, sagt Schnabel und betont, dass diese Variante mit dem Regionalen Nahverkehrsverband abgestimmt sei.

Die Anlieger der Bergstraße halten dagegen. Sicherer für die Kinder sei es, die Busse mitten im Dorf am Brunnenplatz halten zu lassen. „Das funktioniert mit dem Linien-Verkehr und Reisebussen ja auch“, meinte ein Anlieger während der jüngsten Versammlung.

Schnabel verneint dies: „Wir haben diese Variante diskutiert, und sie kommt wirklich nicht infrage.“ In der Hol- und Bringphase der Grundschule stünden oftmals vier bis fünf Busse aneinandergereiht, „dann wäre die ganze Straße für eine Viertelstunde dicht und in Fronhausen kein Durchkommen mehr“.

von Carina Becker-Werner

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