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Die Pläne der Gemeinde sind gekippt

Bürgerentscheid in Fronhausen erfolgreich Die Pläne der Gemeinde sind gekippt

Die Fronhäuser haben sich deutlich gegen das Baugebiet „Auf‘m Lärchenscheid“ ausgesprochen. Bürgermeisterin Claudia Schnabel zeigte sich enttäuscht von dem Ergebnis.

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In sechs Wahllokalen gingen die Fronhäuser gestern Abend bis um 18 Uhr an die Urne – hier im Gebäude der Feuerwehr direkt neben dem Rathaus.

Quelle: Dominic Heitz

Fronhausen. Claudia Schnabel hatte es geahnt. Eine Viertelstunde bevor die Stimmlokale schlossen, bekam sie von Wahlleiter Achim Batz die Information, dass die Wahlbeteiligung wohl über 40 Prozent liegen werde. Dass, so Schnabel, deute auf einen Erfolg des Begehrens hin. Denn vor allem die Gegner des geplanten Baugebietes gingen zur Urne, glaubte sie.

Eine Dreiviertelstunde später, um halb Sieben, wurde ihre Ahnung zur Gewissheit. 856 Fronhäuser hatten mit Ja gestimmt, um die Pläne der Gemeinde zu kippen. Gegen das Bürgerbegehren und für das Baugebiet votierten 599. Bei insgesamt 3329 Wahbereichtigen reichten die Jastimmen aus, um das erforderliche Quorum von 25 Prozent zu erreichen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 43,9 Prozent.

Gemeinde muss Pläne begraben

Die Gemeindeverwaltung um die Bürgermeisterin muss nun also ihre Pläne für das Baugebiet zwischen Gladenbacher Straße und Pfingsstraße ad acta legen. Ende März hatte das Parlament den Beschluss gefasst, in dem Areal Bauplätze zu planen. Das erfolgreiche Bürgerbegehren setzt diesen Beschluss nun außer Kraft.

Bei den Initiatoren des Bürgerbegehrens war die Freude groß, nachdem das vorläufige Ergebnis bekannt wurde. „Wir freuen uns, dass es in Fronhausen so viele wache Bürger gibt“, sagte Heike Datow-Rohrmann. Sie habe zwar Hoffnung gehabt, aber eigentlich nicht damit gerechnet, dass das Begehren Erfolg hat. Datow-Rohrmann sagte, dass mit dem Erfolg ihr Engagement keineswegs enden soll. „Wir wollten etwas anstoßen.“

Die Gemeinde habe jetzt die Chance, neue Ideen zu diskutieren. „Die Leute sind jetzt gut informiert“, sagte Datow-Rohrmann, und dass sei gut für die Diskussion um die Entwicklung Fronhausens. „Wir haben Vorschläge in der Tasche, und wir können jetzt die festgefahrene Diskussion neu beleben.“

Burkhard Becker, ein weiterer Initiator des Bürgerentscheides, klang ganz ähnlich. Jetzt müsse geprüft werden, ob die Alternativen, die seitens der Gemeindeverwaltung kategorisch ausgeschlossen worden waren, nicht doch machbar sind, sagte er. Die Abstimmung deutete darauf hin, „dass sich die Gemeinde Fronhausen gemeinsam entwickeln möchte“. Die Ergebnisse der Ortsteile hätten gezeigt, „dass die Dörfer nicht vergessen werden wollen“. Auch Becker stellte seine Bereitschaft in Aussicht, sich weiter an der Entwicklung der Gemeinde zu beteiligen. „‚Wir sagen jetzt nicht: das war es.“ Falls von der Gemeinde gewollt, möchte Becker die weiteren Gespräche „mit prägen“.

"Polemik der anderen Seite"

Wie es mit Bauland in der Gemeinde Fronhausen weitergeht, hängt auch von den Plänen der Gemeindeverwaltungverwaltung und des Parlamentes ab. Bürgermeisterin Claudia Schnabel war nach Bekanntwerden des Ergebnisses angefressen und machte aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Das ist enttäuschend für die Entwicklung Fronhausens“, sagte sie.

Sie sei auch enttäuscht darüber, dass viele Bürger nicht den Fakten geglaubt hätten, sondern „der Polemik der anderen Seite“. Es gebe schlichtweg keine Alternativen zu dem Gebiet am westlichen Rand Fronhausens.

Außer den geplanten elf Bauplätzen in Bellnhausen sehe sie keine Möglichkeit, jetzt noch Bauland in solchem Umfang zur Verfügung zu stellen. Auch machte Schnabel darauf aufmerksam, dass bereits viel Geld in die Entwicklung des Baugebietes geflossen sei, für Planung, Vorverträge und Notare zum Beispiel. Dieses Geld sei nun verloren. Auf rund 18.000 Euro beziffert Schnabel den Verlust. Die Abstimmung selbst habe zudem 7.000 Euro gekostet.

Der Bürgerentscheid ist für drei Jahre bindend. Ende 2020 könnte Schnabel also einen neuen Vorstoß wagen, um besagtes Gebiet in Bauland umzuwandeln. Ob sie das dann auch tun wird, wisse sie nicht, sagte sie. „Was in drei Jahren ist, kann ich jetzt überhaupt noch nicht absehen.“ Die niedrigen Zinsen gebe es jetzt gerade, so die Bürgermeisterin.

von Dominic Heitz

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