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Beliebte Veranstaltung auf dem Prüfstand

Autofreier Sonntag Beliebte Veranstaltung auf dem Prüfstand

Die Formulierung des Beschlussvorschlags für das Parlament legt den Fronhäuser Ausstieg aus dem autofreien Sonntag nahe. Diesen würde nicht nur die Gemeinde Ebsdorfergrund bedauern, sondern auch die Tourismus GmbH.

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Ein Foto von 2015: Beim reichhaltigen Kuchenbüfett genossen über den Tag verteilt zahllose Radler eine Pause auf der L 3048 zwischen Bellnhausen und Sichertshausen.

Quelle: Ina Tannert

Fronhausen. Zunächst einmal ganz deutlich: Entschieden ist noch nichts. Am Donnerstag, 26. Oktober, beschäftigen sich zunächst einmal die Mitglieder des Fronhäuser Hauptausschusses mit dem Thema autofreier Sonntag auf der L 3048, ehe dann möglicherweise am nächsten Donnerstag im Parlament tatsächlich ­eine Entscheidung dazu ­getroffen wird.

Auch wenn Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel im Zuge einer ersten Berichterstattung zu diesem Thema in dieser Zeitung eine ergebnisoffene Diskussion ankündigte, ist der derzeitige Beschlussvorschlag in seiner Ausrichtung unmissverständlich: „Die Gemeindevertretung beschließt, den autofreien Sonntag aufgrund der immens gestiegenen Kosten in der bisherigen Form einzustellen.“

Erhöhte Kosten durch abgsperrte Straßen

Gleichzeitig soll der Gemeindevorstand beauftragt werden, mit der Marburg Stadt Land Tourismus GmbH (MSLT) eine alternative Route zu erarbeiten – unter Auslassung des Abschnitts der L 3048, auf dem sich die Auf- und Abfahrten der B 3 befinden. Warum das? Weil sich die Absperrung der Auf- und Abfahrten der ausgebauten B 3 zu einem Kostenfaktor entwickelt hat, weil für eine Absperrung einer solchen klassifizierten Straße eine Fachfirma engagiert werden muss.

Allein diese Beauftragung habe für Kosten in Höhe von 8.500 Euro gesorgt. Insgesamt seien für die Ausrichtung des autofreien Sonntags die Kosten auf 14.500 Euro gestiegen. Diese Summe wird jedoch gedrittelt. Denn neben Fronhausen und der Gemeinde Ebsdorfergrund ist auch die MSLT mit im Boot. Die Gemeinde Fronhausen spricht zudem davon, dass der Personal- und Zeitaufwand erheblich war.

In der Begründung zum Ausstiegsbeschluss heißt es deshalb wörtlich: „Weder MSLT noch die Gemeinde Fronhausen sehen sich imstande, weiterhin mit einem so hohen Zeitaufwand und derartigen Kosten die Veranstaltung in dieser Form weiter­zubetreiben.“ Es sollte daher über eine Alternativroute nachgedacht werden. Der Landkreis brachte zumindest schon mal die Idee auf, einen autofreien Sonntag zwischen Marburg und Gießen auszuprobieren (die OP berichtete).

Tourismus GmbH setzt auf Gespräche  

Klaus Hövel, Geschäftsführer der MSLT, bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung keineswegs, dass die Marburg Stadt Land Tourismus GmbH die Tendenz habe, den autofreien Sonntag aufgrund der Kosten aufzugeben.

Er hält es vor einer möglichen Beschlussfassung in Fronhausen für geboten, dass sich die jetzigen Ausrichter und Geldgeber, also die MSLT, und die beiden Gemeinden Fronhausen und Ebsdorfergrund an einen Tisch setzen, um über Möglichkeiten zu sprechen, wie die Kosten für diese „richtig gute Veranstaltung“ im Rahmen gehalten werden können. Und Hövel geht noch einen Schritt weiter:  „Bei diesem Gespräch sollte auch die Stadt Amöneburg dabei sein, die ja auch einmal Mitausrichter war. Amöneburg wieder dabei zu haben, wäre ein Mehrwert.“

„Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu verändern“

Auch Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz ist unbedingt für Gespräche. Denn so sieht er sich ohne Rücksprachemöglichkeit schon fast vor vollendete Tatsachen gestellt. Er würde ein Verbleib Fronhausens beim autofreien Sonntag sehr begrüßen, „weil es sich doch um eine sehr erfolgreiche und nachgefragte Veranstaltung handelt“.

Schulz: „Warum so etwas zerstören? Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu verändern“, sagt er und hat auch gleich einen Vorschlag parat: „Wenn die Gemeinde Fronhausen die Kosten und Zeit für die Absperrung der B 3 sparen will, lassen wir die Strecke vorher bei Hassenhausen enden.“ Schnabel hält dies wiederum für keine gute Idee, weil sich dann die Bellnhäuser und Sichertshäuser abgehängt fühlen dürften und gerade an der Kreuzung Bellnhausen/Sichertshausen immer sehr viel los gewesen sei.

Vereine profitieren vom autofreien Sonntag

Schulz dazu: „Unser Dorf Dreihausen liegt gar nicht an der Strecke, beteiligt sich aber immer wieder mit Vereinen an der Ausgestaltung, weil es die Veranstaltung als eine Veranstaltung für alle versteht. Da können die Bellnhäuser doch sicher ihr Programm auch auf der anderen Seite der B3-Auf- und Abfahrt aufbauen. Man muss es jedenfalls mal ansprechen und vernünftig diskutieren, bevor man einfach sagt, dass man nicht mehr mitmacht“, meint Schulz.

Er bittet die Fronhäuser auch zu bedenken, was der autofreie Sonntag in die Kassen der teilnehmenden Vereine spült, wie sehr sie nicht nur durch eine positive Außendarstellung, sondern auch finanziell von der Veranstaltung profitieren.
Auch wenn er sein Kämpferherz für den Verbleib Fronhausens entdeckt hat, stellt er klar, dass die Gemeinde Ebsdorfergrund notfalls alleine weitermacht, streckentechnisch weiterhin unter der Einbindung von Roßdorf auf Amöneburger Seite und Erbenhausen auf Fronhäuser Seite.

Nun ist es in Fronhausen aber zunächst wie eingangs erwähnt an den Mitgliedern des Hauptausschusses, Finanzen und Soziales, das Thema zu diskutieren. Das passiert am Donnerstag ab 19.30 Uhr während ihrer Sitzung, die dieses Mal nicht wie gewohnt in Fronhausen, sondern im Bürgerhaus Oberwalgern stattfindet.

von Götz Schaub

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