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Frische Milch per Knopfdruck

Biohof Duske Frische Milch per Knopfdruck

Molkereien zahlen immer weniger Geld für die Milch. Deutschlandweit protestieren Landwirte und fordern auskömmliche Preise. Der Biohof Duske geht andere Wege und zwar mit einem Milchautomaten.

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 Bioladen-Mitarbeiter Michael Petri zapft sich an dem Milchautomaten etwas frische Milch für seinen Kaffee ab.

Quelle: Patricia Grähling

Rauischholzhausen. Wer Sonntagmorgen beim Frühstück keine Milch mehr für den Kaffee hat, der kann direkt zum Hof der Familie Duske fahren und sich frische Rohmilch zapfen: Auf dem Biohof steht ein Milchautomat, der rund um die Uhr zugänglich ist. Einen Euro kostet der Liter Rohmilch, abgezapft wird er in selbst mitgebrachte Flaschen oder Krüge.

Ein Euro pro Liter – natürlich müssen davon die Kosten für den Automaten, der die Milch kühlt und umrührt, abgezogen werden – von dem Preis können konventionelle Landwirte derzeit dennoch nur träumen: Weniger als 30 Cent bekommen sie von den Molkereien für ihre Milch. „Aber mit einem solchen Automaten alleine kann man natürlich das Überleben eines Milchviehbetriebs nicht sichern“, sagt Annemarie Duske. Seit knapp einem Jahr bietet die Familie frische Rohmilch aus dem Automaten an. „Wir haben im ersten Jahr 6000 Liter über den Milchautomaten verkauft“, erklärt Uwe Duske. Die Tendenz sei steigend.

18 Kühe geben rund 100.000 Liter Milch pro Jahr

Insgesamt geben die 18 Kühe des Biobetriebs rund 100.000 Liter Milch im Jahr. Der Verkauf über den Automaten auf dem Hof macht also nur einen kleinen Teil aus. „Die Investition für den Automaten war hoch“, erklärt Uwe Duske. Bleibt der Kundenstamm so wie bisher, rechne die Ausgabe sich erst in etwa sechs Jahren. „Aber wir haben es gemacht, weil es zu unserem Konzept passt“, ergänzt Annemarie Duske.

Frische Lebensmittel, möglichst naturbelassen und unverpackt verkauft die Familie im kleinen Hofladen. Dort gibt es etwa hausgebackenes Brot und Käse in Bioqualität. „Und gerade ein Lebensmittel wie Milch sollte man direkt beim Bauern kaufen können“.

Durch den Automaten wird mehr Milch verkauft

Deswegen habe die Familie das weiße Gold schon immer verkauft. „Das war nur manchmal ein Problem“, sagt Uwe Duske. Dann kamen die Kunden, während er die Kühe gemolken habe. Mit dem neuen Automaten können Kunden ihre Milch jederzeit kaufen – und er könne sich weiter um die Tiere kümmern. „Durch den Automaten verkaufen wir auch viel mehr Milch ab Hof“, betont seine Frau. Die Hemmschwelle sei geringer, wenn der Kunde nur noch an den Automaten müsse, statt jemanden im Stall nach Milch zu fragen. Dadurch wissen Duskes aber auch nicht so genau, wer eigentlich die Milch-Kunden sind und woher sie kommen.

„Wir füllen jeden Morgen frische Rohmilch in den Automaten“, erklärt Uwe Duske den Ablauf. „Sie ist nicht behandelt, sondern so, wie sie aus dem Euter kommt – nur gefiltert und gekühlt.“ Wer diese Milch kaufe, könne sie bedenkenlos mindestens fünf Tage im Kühlschrank aufbewahren. Laut Annemarie Duske hat die Rohmilch den Vorteil, dass man mit ihr alles machen kann: Quark, Käse, Dickmilch könnten die Kunden selbst herstellen. Mit der Milch aus dem Supermarkt gehe das nicht mehr.

Rohmilch vor dem Verzehr besser abkochen

Am Milchautomaten hängt aber auch der Hinweis, dass die Rohmilch vor dem Verzehr noch abgekocht werden muss. „Die Regelung wurde im Kampf gegen Tuberkulose und andere Seuchen in den 1930er-Jahren eingeführt“, erklärt Annemarie Duske. Sie weist auch bei Nachfrage Kunden auf das Abkochen, das sogenannte Pasteurisieren, hin. „Ich selbst habe aber noch nie Rohmilch abgekocht“, sagte sie. In ihrer Kindheit sei das auch nicht gemacht worden, und heute gebe es viel bessere hygienische Standards beim Melken als noch zur Zeit ihrer Eltern.

Es kommt auf den richtigen Umgang mit den Lebensmitteln an. Viele Menschen essen eine Teewurst über mehrere Tage – ohne sich bewusst zu machen, dass sie genauso roh ist wie Hackfleisch und frische Milch. Wer seine Rohmilch frisch bei Duskes kaufe und sie auch abkoche, der habe keine Keime zu befürchten – und eigentlich das gleiche Produkt wie aus dem Lebensmittelmarkt. Der einzige Unterschied: „Unsere Kunden wissen genau, wo die Milch herkommt. Das ist vielen Menschen heute sehr wichtig“, betont Annemarie Duske.

Nachfrage nach Biomilch wirkt sich auf den Preis aus  

Familie Duske ist es auch wichtig, wo ihre Milch hingeht: Was sie nicht über den Milchautomaten verkaufen, geben sie an die Upländer Molkerei in Usseln weiter. Die kaufe ausschließlich Biomilch ein – und zahle bessere Preise als Molkereien, die konventionelle Milch für unter 30 Cent einkaufen. Bio-Molkereien haben einen guten Absatz, vor allem im Bereich der Babynahrung. Die Nachfrage sei groß – was sich wiederum auf den Milchpreis auswirke. „Die Molkerei
hat sogar erst wieder einige neue Milchviehbetriebe als Lieferanten aufgenommen, weil sie mehr Milch braucht“, erklärt er.

Laut Annemarie Duske haben auch die Menschen in Deutschland einen Einfluss darauf, wie viel Geld beim Landwirt ankommt: Wer direkt beim Bauern seine Milch holt – egal ob aus einem Automaten oder direkt aus dem Euter – der kann sicher sein, dass sein Geld auch beim Bauern ankommt. „Auch bei Bio-Milch kommt mehr beim Landwirt an, als bei konventioneller Milch“, erklärt sie. Der Liter Bio-Milch koste in etwa das gleiche, wie der Liter normale Markenmilch – beides sei aber noch etwas teurer, als die Milch aus dem Automaten.

 
Annemarie und Uwe Duske legen Wert auf natürliche und unverpackte Lebensmittel. Die verkaufen sie in ihrem Hofladen. Foto: Patricia Grähling

von Patricia Grähling

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