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Freie Sicht auf die Landebahn

Vogelzug hat begonnen Freie Sicht auf die Landebahn

Die ersten Zugvögel haben den Landkreis in Richtung Sommerquartiere im Norden Europas schon überflogen. Viele haben dabei den Martinsweiher als Raststation genutzt.

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Der Vogelflug in die Sommerquartiere ist bereits im Gange. Kraniche machen auf einem Feld Rast.

Quelle: Altwein

Niederwalgern. Im Dezember zogen noch Kraniche Richtung Süden, jetzt ziehen schon wieder die ersten Richtung Norden. Trotz Minustemperaturen ein klarer Beleg dafür, dass der Frühling vor der Tür stehen muss. Rund um den Martinsweiher bei Niederwalgern herrscht seit Tagen schon viel gefiederter „Durchgangstrubel“.

An vergangenen Samstag waren dort aber auch Menschen zugange. Schon um 9 Uhr in der Frühe war Anke Hahmann mit sieben Teilnehmern des diesjährigen Jungjägerkurses dort unterwegs. Der Bewuchs musste zurückgeschnitten, „auf den Stock gesetzt“, werden. „Die vielen verschiedenen Vogelarten haben dann nicht nur freien Anflug auf den See, sondern können in dem gekürzten, aber dichten Bewuchs dann Schutz suchen und nisten“, erklärte Hahmann. Um den Zaun für die Wasserbüffel wie geplant aufstellen zu können, ließ sie außerdem an den Rändern des Gebietes Martinsweiher, die Äste einiger Bäume kürzen.

Für die Teilnehmer des Jungjägerkurses stehten Arbeiten dieser Art schon seit mehreren Jahren auf dem Kursplan. „Von September bis März lernen sie nicht nur Tier- und Pflanzenarten zu identifizieren, sondern auch viel über die Flurpflege“, sagte Hahmann. Kursteilnehmerin Claudia Hoss ist durch ihren Vater und ihren Jagdhund zum Jungjägerkurs gekommen. „Ich wollte endlich mitreden können“, erzählte sie. Dass in dieser Zeit für Privatleben wenig Zeit ist, stört aber keinen der Teilnehmer.

Vom Nabu Fronhausen unterstützen Björn Behrendt und Stefan Wagner die Aktion. „Da wir momentan noch keine Tiere haben, die den Bewuchs auf natürliche Weise verkürzen, ist es für die Artenvielfalt wichtig, dass die Arbeit von Menschen übernommen wird“, sagte Wagner. Nur so kann sichergestellt werden, dass beispielsweise die Uferschwalben im Frühling zu ihren Nistplätzen in der steilen Uferwand gelangen können, berichten beide. Später werden unter anderem die derzeit noch nicht vorhandenen Wasserbüffel die flachen Uferstreifen vom Bewuchs befreien und so einen wichtige Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten, wie Behrendt ergänzt. „Neben dem Zwergtaucher und einer großen Kolonie von Uferschwalben gab es hier in den vergangenen Jahren auch eine große Anzahl von Amphibien zu beobachten“, sagte Wagner.

Nach der Überzeugung beider Vertreter des Nabu, soll die Artenvielfalt in den kommenden Jahren nicht nur gesichert, sondern auch vergrößert werden. „Der Rückschnitt von dem Bewuchs ist nur ein Schritt in diese Richtung“, erzählte Wagner.

In den nächsten Tagen gibt es vermehrten Flugverkehr

Professor Martin Kraft, Vogelschutzbeauftragter der Stadt Marburg und Privatdozent an der Marburger Universität, richtet seinen Blick dieser Tage als ausgewiesener Vogelexperte immer wieder gen Himmel. „Es sind schon Zigtausende Kraniche über den Landkreis gezogen“, sagt er gegenüber der OP. Aber das war bisher nur Vorgeplänkel, zumal es immer wieder Nordostwind gab, der die Kraniche am Weiterfliegen hinderte. In Laguna de Gallocanta in Zentralspanien stehen derzeit mehr als 60000 Kraniche in den Startlöchern. Sie werden über Südwest-Frankreich kommend größtenteils auch das hiesige Gebiet überfliegen, ist sich Kraft sicher.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt direkt „unter“ dem westeuropäischen Zugweg, der die Tiere unter anderem nach Schweden, Finnland, Polen und Norddeutschland bringt.

„Sobald die Temperaturen steigen und wir Südwest-Wind haben geht es mit dem Vogelzug richtig los, das wird wohl nächste Woche so weit sein“, so Kraft. In diesem Jahr wird der Vogelzug aufgrund der zuletzt längeren Frostperiode wieder einmal bis weit in den März hineingehen, meint er. Übliche frühe „Heimkehrer“ sind auch schon da: der Rotmilan und die Feldlerche - na, dann kann es ja endlich Frühling werden.

n Etwa 20000 Tiere sind schon über Hessen hinweg gezogen. Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen ruft dazu auf, alle Kranich-Beobachtungen online auf www.kranich-hessen.de zu melden. Auf der Kranichwebseite des Nabu Hessen sind auch alle Kranich-Beobachtungen der letzten Tage abrufbar. So wurden am 20. Februar allein bei Marburg 15000 ziehende „Glücksvögel“ (siehe Hintergrund) beobachtet. Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen, bittet um Rücksichtnahme: „An den Rastplätzen sollte man einen Abstand von 300 Meter einhalten.“

HINTERGRUND

Hessen liegt in einer Hauptzugroute der Kraniche auf ihrem Weg von den Winterquartieren in Nordfrankreich und Spanien zu Ihren Brutgebieten nach Ost-Deutschland und Nordeuropa.

In den nächsten Wochen ziehen laut Nabu bis zu 250000 Kraniche über Hessen hinweg. Erste Massenflugtage werden für Anfang März erwartet. Die Kraniche sind besonders bei südwestlichen Winden und sonnigem Wetter zu beobachten, da sie dann die Kraft des Windes ausnutzen und Energie sparen können. „Die Zahl der Kraniche hat sich in den letzten dreißig Jahren verzehnfacht“, erklärt Eppler. Die starke Zunahme hänge vor allem mit den verkürzten Zugwegen und einem großen Bruterfolg zusammen.

Durch die Klimaerwärmung sei es für viele Kraniche nicht mehr nötig, im Winter bis nach Südspanien oder Nordafrika zu ziehen. Viele Vögel überwinterten an großen Seengebieten wie dem Marnestausee in Nordfrankreich. Kraniche sind leicht zufriedenzustellen. Sie fressen praktisch alles, was sich vor ihnen auf dem Boden oder flachen Gewässer bewegt. Zudem darf das Mahl auch mal vegetarisch ausfallen. Kraniche schlafen stehend im knietiefen Wasser. In verschiedenen Ländern gilt der Kranich als Glücksbringer. Für die Schweden bedeutet das Erscheinen der Kraniche das Ende langer kalter Wintertage, aber auch in Japan und Ägypten erfreut sich der Kranich einer großen Beliebtheit, obgleich die Tiere sehr scheu sind und die Nähe von Menschen meiden.

von Sonja Achenbach und Götz Schaub

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