Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlinge können bald kommen

Notunterkunft in Wenkbach Flüchtlinge können bald kommen

Das Interesse an der angebotenen Besichtigung des Flüchtlingscamps am Samstag war riesengroß. Ebenso stand der alte Bahnhof offen, der künftig als Begegnungs- und Unterrichtsstätte genutzt werden soll.

Voriger Artikel
Abschied und Neuanfang in Fronhausen
Nächster Artikel
Vom Geheimtipp zum Besuchermagnet

Viele Menschen wollten sich selbst ein Bild von der fast fertigen Flüchtlingsunterkunft in Wenkbach machen. Wann die Flüchtlinge einziehen, steht wohl noch nicht fest.

Quelle: Manfred Schubert

Wenkbach. Zeitweise hatte man am Samstag den Eindruck, das Flüchtlingscamp sei Ziel eines Volkswandertages. Mit Hund, Kind und Kegel kamen geschätzte 400 bis 500 Bürger, um die während zweier Stunden gewährte Gelegenheit zur Besichtigung der fast fertig gestellten Notunterkünfte zu nutzen. Und sich zu informieren. Nach dem Bezug wird das Camp zum Schutz der Bewohner und deren Privat- und Intimsphäre nicht mehr öffentlich zugänglich sein.

Auch der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert (rechts) machte sich am Samstag ein Bild von den Notunterkünften in Wenkbach.

Zur Bildergalerie

Wann kommen die Flüchtlinge, wie viele werden hier untergebracht, wie steht es um die Sicherheit - das waren die häufigsten Fragen, die der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) sowie ein Dutzend Mitarbeiter der Kreisverwaltung den Besuchern beantworten sollten. Wobei die erste noch unbeantwortet bleiben musste. Wann genau die Belegung beginnt, liegt am Land. Vor Ort arbeite man mit Hochdruck, auch am Samstag, um voraussichtlich Mitte der Woche aufnahmebereit zu sein. Die geschotterte Zufahrt soll beispielsweise noch asphaltiert werden.

Zwei Leichtbauhallen, ihrer ursprünglichen Bestimmung nach beispielsweise als Messehallen nutzbar, sind als Wohnhallen eingerichtet worden. Bis zu 300 Flüchtlinge sollen darin unterkommen. Insgesamt muss der Kreis mit 1000 Flüchtlingen rechnen, von denen bis zu 400 in Kirchhain und bis zu 300 in Dautphe in den dortigen neuen Notunterkünften untergebracht werden können. Eine dritte Halle dient als Aufenthalts- und Verpflegungshalle. Dort sollen drei Mahlzeiten am Tag ausgegeben werden. Die Wohnhallen sind mit Stellwänden in Räume unterteilt worden, in denen maximal je acht Bewohner in Doppelstockbetten unterkommen können.

Mindestmaß an Privatsphäre aber keine Türen

„Familien können zusammen untergebracht werden, ein gewisses Mindestmaß an Privatsphäre kann gewahrt bleiben“, erklärte der stellvertretende Kreispressesprecher Stephan Schienbein. Vor den Zugängen zu den einzelnen Räumen sind nur Vorhänge angebracht. „Türen könnte man abschließen, wir machen keinen Kompromiss in Fragen der Sicherheit“, kommentierte Schienbein. Rund um die Uhr werden Betreuer, Sicherheitsdienst und Sanitätsstation besetzt sein, fügte er an.

In die größere Wohnhalle sind, getrennt nach Geschlechtern, Toiletten- und Duschcontainer mit Anschlüssen an den Abwasserkanal integriert. Das sei gerade im Winter angenehmer. Die Aluminiumwände der Hallen sind isoliert, unter den Zeltdächern bieten abgehängte Decken eine gewisse Wärmedämmung. Während der Besichtigungsstunden stellten die außerhalb der Hallen stehenden Heizgebläse ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis. Das war zumindest an diesem mäßig kühlen Tag deutlich zu viel des Guten.

Kreis bevorzugt kleinere Unterkünfte

„Wir wollen die Infrastruktur für den Schul- und Vereinssport aufrecht erhalten“, erklärte Schienbein zur Frage, warum man überhaupt solche Camps aufbaut, während in anderen Landkreisen beispielsweise Turnhallen mit Feldbetten belegt wurden. Auch sollen diese nicht zu groß werden, um die Relation zur Einwohnerzahl der jeweiligen Orte zu wahren.

Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert meinte, er sehe eher die Einwohnerzahl innerhalb der Notaufnahmen als wichtig an. „Wir wollen das im Kreis kleinteilig lösen“, betonte Ruffert.

Die Besucher, die in der künftigen Aufenthalts- und Verpflegungshalle von der DRK-Bereitschaft Wetter mit Tee und Kaffee sowie Kaltgetränken versorgt wurden, äußerten sich positiv über die Unterkünfte, die Atmosphäre war offen und entspannt. Einer machte sich sogar Gedanken darum, ob dies der angemessene Ort für ein Camp mit muslimischen Bewohnern sei, da sich direkt nebenan eine Spirituosenbrennerei befindet.

Der alte Bahnhof soll Ort für Begegnungen werden

Dass Weimar bereit ist, die Flüchtlinge offen und freundlich zu empfangen, konnte man bei einer zweiten Besichtigungsmöglichkeit an diesem Tag nur wenige Schritte vom Camp entfernt sehen. Im ehemaligen Bahnhof in Niederwalgern, von der Bahn kostenlos zur Verfügung gestellt, haben seit über einer Woche 15 bis 18 ehrenamtliche Helfer der Flüchtlingshilfe Weimar sowie der bekannten „Heinzelmännchen“-Truppe um Ortsvorsteher Hans Heinrich Heuser viel geleistet. Gemeinsam wurde die seit 1990 geschlossen gewesene Wartehalle bereits wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt. Die letzte Pächterin Helle Grün hatte auf den Tischen Fotoalben aus den Zeiten ausgelegt, als der Kiosk noch in Betrieb war. Viele Besucher betrachteten diese interessiert, manch einer erkannte sich selbst wieder. Eine Schultafel wies bereits auf den Deutschunterricht hin, der künftig ebenso wie Kinderbetreuung angeboten werden soll. Zudem sollen im Bahnhof Begegnungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen stattfinden können.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr