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Fahrerin ignoriert Schranke

Gericht Fahrerin ignoriert Schranke

Eine 82-Jährige aus dem Ebsdorfergrund hat vor dem Marburger Amtsgericht gestanden, dass sie vor einem Jahr trotz geschlossener Schranke in Cölbe auf den Bahnübergang fuhr.

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Marburg. Angeklagt war die Seniorin aus dem Ebsdorfergrund wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Letztlich waren sich alle Beteiligten einig, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit gehandelt hat. Das Urteil: 450 Euro Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot. Ob die alte Dame weiterhin Fahrzeuge lenken darf, bleibt zunächst offen. „Für das Strafgericht ist die Sache erledigt“, stellte Richter Dominik Best am Ende einer emotionalen Verhandlung fest. Die Fahrerlaubnisbehörde werde die Angelegenheit sicher von Amts wegen verfolgen.

Der Anklage zugrunde lag ein Vorfall vom 30. November 2015. Ein Zeuge berichtete, bei starkem Regen und Dunkelheit von Bernsdorf kommend ein extrem langsam fahrendes großes Auto vor sich gehabt zu haben. „Bei zehn bis 20 Stundenkilometern fuhr es auch mal auf die eine, dann auf die andere Seite.“ Ein zweiter Zeuge bestätigte das.

Am Bahnübergang in Cölbe habe die Angeklagte kurz angehalten, dann aber, obwohl das Rotlicht an und die Schranke geschlossen war, das Auto an der Schranke vorbei Richtung Gleise bewegt. Der herannahende Zug habe gehupt, so die Zeugen, und auch abgebremst. Passiert sei letztlich nichts.

Der Lokführer sagte aus, das Fahrzeug gesehen und abgebremst zu haben. Sein Gleis sei frei gewesen, so habe er mit Schritttempo den Bahnübergang passiert und in Absprache mit der Fahrdienstleitung seine Fahrt fortgesetzt und den Gegenverkehr gewarnt.

Angeklagte zeigt die Zeugen an

Einer der beiden Autofahrer sagte, er habe die Frau bewegt, hinter der Schranke an den Straßenrand zu fahren. Das habe sie getan. Als sie dann doch weiterfahren wollte, habe er den Schlüssel gezogen. Wie die Männer berichteten, seien die Scheiben beschlagen gewesen. Einer sprach zudem von lauter Radiomusik.

Hier geriet die Angeklagte, die bis dahin geschwiegen hatte, in Rage. Das stimme alles nicht, sie sei von Wetter kommend wegen der schlechten Witterung an der Ausfahrt vorbeigefahren und habe dann gedreht. An der Schranke, die sie zunächst für eine Baustelle gehalten habe, habe sie angehalten. „Sie sind dann vor dem Auto rumgesprungen, ich musste anhalten und einer hat mich aus dem Auto gezerrt“.

Ganz anders die Darstellung der Zeugen, die berichteten, die Frau habe nicht gewusst, wo sie ist und habe gefleht, nicht die Polizei zu holen. Das habe wegen eines Funklochs auch nicht funktioniert. Zusammen hätten sie die Seniorin nach Hause gefahren. Die habe behauptet in Marburg zu wohnen und auch in ihrem Heimatort habe man nach der genauen Adresse fragen müssen, bevor sie schließlich die Polizei informierten.

Sachverständiger spekuliert, ob es "altersbedingte Defizite" gibt

Als „völlig unmöglich“ bezeichnete Oberstaatsanwalt Gert-Holger Willanzheimer eine Strafanzeige der Frau gegen die Zeugen wegen Nötigung und Freiheitsberaubung. Ihre Anschuldigungen seien „absurd und abwegig“. In der Tat sah er eine Ordnungswidrigkeit. Eine konkrete Gefährdungslage habe es nicht gegeben. „Aber nach meiner Auffassung gehört die Angeklagte nicht mehr in den Straßenverkehr“.

Eine verkehrspsychologische Untersuchung hatte die Frau verweigert. Ein Sachverständiger „spekulierte“ daher, „dass es durchaus altersbedingte Defizite gibt“.

von Heiko Krause

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