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„Ey, was willst du hier, ich bin ein Männchen“

Krötenkontrolle „Ey, was willst du hier, ich bin ein Männchen“

Am Sonntag hatte der Nabu Fronhausen zur öffentlichen Zaunkontrolle am Amphibienschutzzaun Niederwalgern eingeladen.

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Stefan Wagner vom Nabu Fronhausen zeigt den Besuchern ein Erdkrötenpärchen: Das Weibchen trägt das Männchen bis zum Gewässer.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederwalgern. Rund 40 Besucher waren gekommen, um bei der Zaunkontrolle Teichmolche, Erdkröten und Co. aus den Eimern zu sammeln und über die Straße zu den Baggerteichen zu tragen.

Doch bevor es ans Sammeln ging, gab es zunächst allerlei Wissenswertes über das Leben der Amphibien: Stefan Wagner, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Fronhausen, erläuterte beispielsweise, dass auf ein Erdkröten-Weibchen neun Männchen kommen. „Je nach Witterung sind die Männchen dann geradezu doll: Alles, was sich irgendwo auf der Erde bewegt, grapschen sie sich - in der Hoffnung, dass es ein Weibchen ist.“ So könne es schon vorkommen, dass sich die „Liebestollen“ eine Maus greifen - oder auch ein anderes Männchen. „Wenn das passiert, hat das Männchen einen Trick, um dem anderen zu signalisieren, dass was falsch läuft“, sagt Wagner. Und demonstriert es: Er greift sich das Männchen, das sich auf dem Weibchen befindet, und versucht, es von ihm zu ziehen. Das Kröten-Männchen reagiert sofort: Es tritt mit den Hinterbeinen aus und quakt. „Das heißt übersetzt: Ey, was willst du hier, ich bin ein Männchen“, sagt Wagner - die Besucher lachen.

Weibchen tragen Tausende Eier im Bauch mit sich rum

Die Weibchen hingegen bleiben still. Sie tragen mehrere Hundert bis mehrere Tausend Eier im Bauch, wollen nur noch zu den Laichplätzen, um ihre „Fracht“ ins Wasser zu lassen. Danach verschwinden sie wieder. Anders als bei Säugetieren kümmern sich die Amphibien nicht um ihre Brut. „Deshalb legen sie auch diese große Masse an Eiern ab, in der Hoffnung, dass genug Nachkommen überleben“, so Wagner.

Der Sonntag war wohl einer der letzten Tage, an denen der Schutzzaun kontrolliert wurde. „Wir sind dem Landwirt, dem der Acker gehört, sehr dankbar, dass wir den Zaun hier aufstellen durften. Aber in den kommenden Tagen wird er abgebaut, denn der Landwirt will sein Land wieder nutzen.“ Das sei aber kein Problem, denn die Haupt-Wanderzeit sei nun langsam vorbei. Einfacher wäre die Arbeit für den Nabu durch eine nächtliche Straßensperrung der K 59 zwischen Niederwalgern und Roth - etwa so, wie sie schon auf der K 84 zwischen Wetter und Sterzhausen praktiziert wird. „Eine Umleitung wäre über Wenkbach problemlos einzurichten, der Weg für die Autofahrer würde nur minimal länger“, so Wagner, dem eine Sperrung von 19 bis 7 Uhr vorschwebt.

„Wir möchten erneut einen Antrag bei der Gemeinde Weimar stellen und hoffen, dass er diesmal positiv beschieden wird.“ Denn durch die Parallna komme jetzt „noch mehr Amphibienbewegung. Und wir können ja nicht die ganze Straße mit einem Schutzzaun versehen.“

Dass sich der Schutzzaun lohnt, beweisen die Zahlen: Knapp 7000 Teichmolche und um die 900 Erdkröten wurden seit dem 7. März zu den Teichen gebracht. „Das ist wesentlich mehr als im vergangenen Jahr, wir nähern uns langsam unserer Rekordzahl von mehr als 800 Kröten. Das Jahr 2010 sei bislang das Rekordjahr gewesen. „Damals waren es 7900 Teichmolche - über die 7000 kommen wir dieses Jahr definitiv“, sagte Wagner.

Von der Resonanz auf die öffentliche Kontrolle ist Wagner begeistert: „Das ist phantastisch, ich sehe auch viele neue Gesichter. Und es ist eine wahre Freude, wie begeistert die Kinder von Eimer zu Eimer laufen, um die Amphibien einzusammeln.“

von Andreas Schmidt

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