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Exhibitionist hält sich für einen Propheten

Gericht Exhibitionist hält sich für einen Propheten

Um mehrere Fälle von Exhibitionismus sowiesexuelle Belästigung und Nötigung geht es ineinem Prozess vor dem Landgericht Marburg. Am zweiten Verhandlungstag soll morgen voraussichtlich das Urteil fallen.

Marburg. Richter Thomas Wolf sah sich einem 37-jährigen Mann aus Somalia gegenüber, der sich von Rechtsanwalt Peter Thiel vertreten ließ. Ihm wurde ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt, die Anklage führte Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier. Nach der Anklageschrift soll der Mann im Herbst 2014 und Frühjahr 2015 in vier Fällen gegen das Gesetz verstoßen haben.

Schizophrene Störungen

Das älteste Vergehen bestand darin, dass er öffentlich unmittelbar vor einem Fenster onaniert haben solle, während im inneren der Wohnung ein Mädchen von sechs Jahren nach außen blickte. Des Weiteren soll der unter schizophrenen Störungen leidende Angeklagte in zwei Fällen Frauen sexuell belästigt haben, in dem er sie zunächst ansprach, dann gegen eine Häuserwand drückte und dabei in einem Fall der Frau in den Schritt griff.

In beiden Fällen konnten die Frauen durch das Auftauchen von Passanten schnell unbeschadet flüchten, da die Taten an öffentlichen Plätzen begangen wurden. Das letzte zur Anzeige gebrachte Vergehen spielte sich in einem Rewe-Getränkemarkt ab, hier widersetzte sich der Mann tätlich gegen ein Hausverbot des Kassierers, in dem er diesen von sich schubste, wobei es jedoch bei leichten Kratzern am Ellenbogen des Opfers blieb.

Mann hört „Lichtstimmen“

Eine Äußerung des Angeklagten blieb aus, wobei der anwesende Sachverständige aus seinen Gesprächen erklärte: „Der Angeklagte konnte sich in unseren Gesprächen kaum länger konzentriert mit dem Thema beschäftigen. Die Vorwürfe lehnte er ab und zeigte sich ihnen gegenüber eher verwundert.“

Ursache für das Verhalten des Beklagten sind aus Sicht des Experten seine schwerwiegenden schizophrenen Störungen. „Er berichtete mir gegenüber mehrfach, dass er ,Lichtstimmen‘ hören würde und das er ein Prophet sei. Er wolle der Welt die Liebe bringen und hätte daher kein Verständnis für irgendeinen Kleinkram, den er getan haben soll. Des Weiteren sei er bei Frauen immer gut angekommen.“

Therapien schlugen nicht an 

Die Wahnvorstellungen des Mannes, der in der Vergangenheit erfolglos versucht hatte, Asyl zu bekommen und mehrfach in der Bundesrepublik und den Niederlanden therapiert worden war, nahmen dabei teilweise kuriose Ausmaße an. „Er zeigte sich oft am meisten darüber verwundert, dass ich keine Politiker oder andere wichtige Personen mitgebracht hätte, um seine Botschaft in die Welt zu bringen. Immerhin stünden wir ja in telepathischem Kontakt“, so der Sachverständige.

Lediglich im Falle des öffentlichen Onanierens gab der Beklagte in den damaligen Gesprächen an, dass das Mädchen davon nichts mitbekommen hätte. In der Tat sagte im Anschluss eine Zeugin, die ihn seinerzeit von dem Fenster vertrieben hatte, aus, dass die Sechsjährige nicht besonders verstört gewesen sei. „Wir haben ihr einfach gesagt der hätte da nur hingepinkelt, damit war die Geschichte für sie durch,“ so die Frau.

Weitere Zeugen bestätigten die weiteren Anklagepunkte, ohne etwas Neues hinzuzufügen. Am zweiten Verhandlungstag am 29. Juli wird der Sachverständige ein abschließendes Gutachten über die Schuldfähigkeit vorstellen. Am gleichen Tag wird das Urteil erwartet, möglicherweise wird es seitens des Beschuldigten auch ein Geständnis geben.

von Marcus Hergenhan

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