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Es begann mit einem "Hilfeschrei" aus Nepal

Einsatz für Erdbebenopfer Es begann mit einem "Hilfeschrei" aus Nepal

Erst Erdbebenhilfe, jetzt Schulprojekt. Vor wenigen Wochen kehrte Wilfried Moderer aus Nepal zurück. Drei Wochen lang besuchte er das kleine Bergdorf Dapcha, dessen Bewohner ihm so sehr ans Herz gewachsen sind.

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Im Bergdorf Dapcha in Zentralnepal begrüßten die Bewohner ihren Dreihäuser Unterstützer ­Wilfried Moderer mit Blumen. Kleines Foto: Nach dem Erdbeben im April 2015 verloren viele Menschen ihre Häuser und schliefen in provisorischen Notunterkünften, wie diese Kinder.Privatfotos

Dreihausen. Für die Erdbebenopfer der verarmten nepalesischen Region sammelte der Dreihäuser bereits im vergangenen Jahr Spenden und hat nun ein neues Schulprojekt ins Leben gerufen. Sein aktuelles Ziel: zehn Computer für die Realschule der kleinen Gemeinde.

Was hierzulande nach einer gewöhnlichen Ausstattung für eine Schule klingt, ist im südasiatischen Dapcha ein wahrer Luxus und bei weitem keine Selbstverständlichkeit: Handys, Computer, Internetanschluss - alles Dinge, die die Bewohner kaum kennen, geschweige denn besitzen, erklärt Moderer, der sich im September vor Ort selbst ein Bild gemacht hat. „Es war ergreifend“, berichtet der Dreihäuser von seiner Reise. Im Gepäck brachte er den ersten Computer mit, den er den begeisterten Schülern überreichte. Die Schule sei darauf dringend angewiesen, staatliche Unterstützung gebe es kaum, die Schüler der Klassen eins bis zehn säßen teils auf Holzpaletten im Unterricht, „das sieht aus wie ein Hühnerstall“, sagt Moderer.

Sein Engagement für Nepal begann vor drei Jahren nach einem Urlaub dort. „Das Prägende“ während einer Trekkingtour war für ihn „die Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Gelassenheit der Menschen in diesem bitterarmen Land“. Er knüpfte Kontakte zu Nepalesen, Mitreisenden und dem damaligen Kulturreiseleiter, Rohit Tamang. Der Freund in der Fremde war es, der ihm von den verheerenden Auswirkungen des Erbebens im April 2015 berichtete, sein Heimatdorf Dapcha, rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, lag im Epizentrum des schweren Bebens. Von den 4000 Bewohnern kamen 66 zu Tode, über die Hälfte verloren ihr Heim.

Was er hörte und auf Fotos sah, erschüttert Wilfried Moderer bis heute. „Alles war zerstört, die Menschen lebten auf der Straße, Kinder, Kranke, alte Leute - einfach alle“, erinnert er sich mit Schrecken. Die Bewohner der betroffenen Gebiete kämpfen auch eineinhalb Jahre nach der Katastrophe noch mit den Folgen. Tief berührt reagierte­ der Dreihäuser sofort auf den „Hilfeschrei“ des Freundes, rief eine private Spendenaktion ins Leben. Mit Erfolg: In kürzester Zeit beteiligten sich rund 25 Menschen, darunter Freunde, Bekannte und Nachbarn von Moderer. Zusammen sammelten sie 4000 Euro, die Moderer an seinen Freund in Dapcha schickte. Der nutze die Spende für die Erstversorgung der Erdbebenopfer, besorgte Lebensmittel, Wassertanks, Plastikplanen, Zelte.

Kurz nach dem Beben begann die Monsunzeit. Mit einfachen Wellblechplatten ersetzten die Menschen zerstörte Dächer oder ganze Wohnhäuser, leben teils bis heute in den provisorischen Notquartieren. „Mittel für den Wiederaufbau fehlen, Hilfen aus dem Ausland kamen am falschen Ort an“, vermutet Moderer.

Als Dank für die Spende aus Dreihausen, mit der sich das Dorf mit dem Nötigsten versorgen konnte, luden die Bewohner den Initiator in ihre Heimat ein. „Sie wollten mich kennenlernen - das hat mich tief berührt“, erzählt er, noch immer ergriffen von der Reise. Mitte September flog er nach Nepal, reiste in das schwer zugängliche Dapcha und hielt seine Eindrücke in Fotografien fest.

Die Bewohner empfingen ihn herzlich, legten dem Besucher aus dem Ausland bunte Blumenketten um. Im Gepäck hatte der nicht nur den ersten Computer, sondern vor allem die Idee für ein weiteres Hilfsprojekt, dann zur Förderung der Realschule „Shyee Dabcha Secondary School“ und deren rund 400 Schülern. Für die sammelt Moderer weiterhin Spenden, hat für das EDV-Projekt bislang 1500 Euro zusammenbekommen, weitere 5000 Euro fehlen noch.

Nicht zuletzt will der Dreihäuser mit seiner Arbeit auf die Zustände in dem verarmten Land aufmerksam machen und an die Katastrophe vor eineinhalb Jahren erinnern, die „viel zu schnell aus den Schlagzeilen und dem Gedächtnis der Menschen verschwunden ist“, sagt Moderer, der nach weiteren Unterstützern für sein Projekt sucht.

Kontakt per E-Mail: mwmoderer@gmx.de

von Ina Tannert

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